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Plastikatlas

Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff

Plastikatlas Heinrich-Böll-Stiftung & Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Berlin 2019. 52 Seiten.

Plastik ist allgegenwärtig: Wir nutzen es für lebensrettende medizinische Geräte, für Kleidung, Spielzeug und Kosmetik; wir verwenden es in Landwirtschaft und Industrie. Aber wir wissen auch, welch wachsendes Risiko Plastikmüll in der Umwelt, auf Deponien und in den Weltmeeren darstellt.

Ein Beispiel: Die Plastikmenge, die manch Eissturmvogel während seines Lebens im Magen ansammelt, entspricht 31 Gramm beim Menschen – das wäre ein Teller voll. Doch obwohl das Bewusstsein für die negativen Folgen von Plastik wächst, erleben wir einen ungebrochenen Boom bei der Plastikproduktion. Dabei werden 99 Prozent des Plastiks aus fossilen Brennstoffen hergestellt; die betreffenden klimaschädlichen Emissionen sind enorm. Und nur neun Prozent des gesamten weggeworfenen Kunststoffs seit 1950 wurden recycelt; stattdessen landen täglich riesige Mengen unseres Plastikmülls auf Halden in Ländern Asiens.

Wir haben gerade erst begonnen, die gewaltigen Dimensionen dieser Krise zu begreifen. Für ein Umsteuern braucht es fundiertes Wissen über die Ursachen, die Interessen, die Verantwortlichen sowie die Auswirkungen der Plastikkrise. Der Plastikatlas 2019 will genau in 19 Kapiteln das bieten. Er erscheint am 6. Juni in Zusammenarbeit von Heinrich-Böll-Stiftung und BUND.

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Inhaltsverzeichnis:

IMPRESSUM

VORWORT

  • ZWÖLF KURZE LEKTIONEN ÜBER PLASTIK UND DIE WELT
  • GESCHICHTE
    DURCHBRUCH MIT DREI BUCHSTABEN

    Die ersten Kunststoffe imitierten Elfenbein und Seide und besetzten zunächst nur eine Marktnische. Der Boom begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit PVC. Danach eroberte billiger Kunststoff die Welt.
  • WEGWERFMENTALITÄT
    MÜLL FÜR DIE WELT

    Noch in den Fünzigern verwendeten Menschen Plastik mit so viel Sorgfalt wie Glas oder Seide. Dann entdeckten die Konsumgüterkonzerne die Vorzüge des Materials. Und es entwickelte sich ein Lebensstil, der unentwegt Abfall produziert.
  • NUTZUNG
    FLUCH UND SEGEN

    Kunststoffe sind unverzichtbar geworden. Sie stecken in Plastiktüten, Smartphones und  Armaturenbrettern. Doch beinahe die Hälfte  aller Produkte ist nach weniger als einem Monat Abfall. Nur ein Bruchteil landet im Recycling.
  • GESUNDHEIT
    CHEMIE IM KÖRPER

    Die Auswirkungen der aus den Fugen geratenen Plastikproduktion auf die Umwelt sind bekannt und unübersehbar. Verborgen bleiben die gesundheitlichen Folgen für den Menschen – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.
  • GENDER
    UNGLEICH VERTEILTE RISIKEN

    Von Kunststoffen sind Frauen stärker betroffen als Männer. Dahinter stecken unter anderen biologische Unterschiede: Ihre Körper reagieren anders auf Giftstoffe, sie verwenden belastete Hygieneprodukte. Doch es gibt Alternativen.
  • ERNÄHRUNG
    EIN UNAPPETITLICHER KREISLAUF

    Einer der größten Abnehmer von Kunststoffen  ist die Lebensmittelindustrie. Ihre Produkte sollen schön verpackt sein und jedes Bedürfnis befriedigen. Der Preis: Das Plastik landet auch auf Äckern und damit in der Nahrungskette.
  • KLEIDUNG
    MEHR VERANTWORTUNG TRAGEN

    Textilien aus synthetischen Fasern haben auf den ersten Blick viele Vorzüge: Sie sind günstig, trocknen schnell und passen sich dem Körper an. Doch sie sind zu Wegwerfartikeln geworden und tragen so erheblich zum Klimawandel bei. Und nicht zuletzt gefährden sie die Gesundheit.
  • TOURISMUS
    GIBT ES NOCH HOFFNUNG FÜR DAS URLAUBSPARADIES?

    Viele Reiseziele sind zu Sinnbildern der Plastikkrise geworden. Die Entsorgung von Abfall funktioniert nicht. Achtlosigkeit kommt hinzu. Mit den Folgen stehen die Einheimischen weitgehend allein da.
  • KLIMAWANDEL
    PLASTIK HEIZT DAS KLIMA AN

    Kunststoffe gelten als umweltschonende Alternative zu anderen Materialien – unter anderem wegen ihres geringen Gewichts. Dabei trägt der Plastik­-Boom erheblich zum Anstieg gefährlicher Treibhausgase bei.
  • PLASTIK IM WASSER
    KUNSTSTOFF KENNT KEINE GRENZEN

    Die Plastikkrise hat dramatische Auswirkungen auf Gewässer und marine Lebewesen. Einmal im Wasser angekommen, verteilt sich das Plastik über die Welt. Dort verheddern sich dann Tiere darin – oder sie halten das Material für Nahrung.
  • KONZERNE
    DIE AKTIVITÄTEN DER PLASTIK-LOBBY

    Mit gut organisiertem Lobbydruck sorgt die Plastikindustrie dafür, dass die wachsende  Produktion von Kunststoffen als Problem aus  dem Blick gerät. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das Abfallmanagement und Recycling und drückt sich so vor der Verantwortung.
  • WOHLSTAND
    DAS PRODUKT DES WELTHANDELS

    Das Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit wäre ohne Plastik nicht möglich gewesen. Kunststoffe sind Ergebnis wie Antriebskraft einer Ära der Globalisierung, die mit dem Online­ Shopping weitere Müllberge produziert.
  • “BIO”-PLASTIK
    MAIS STATT ÖL IST KEINE LÖSUNG

    Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben den Ruf, umweltverträglich zu sein. Außerdem bauen sie sich schneller ab. So das  Versprechen der Industrie. Ein genauerer Blick zeigt: Die Materialien schaffen neue Probleme.
  • ABFALLENTSORGUNG
    HINTER DEN KULISSEN DER UNGELÖSTEN PLASTIKKRISE

    Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube: Solange der täglich anfallende Müll nur sauber getrennt wird, muss sich am Konsumverhalten nichts verändern. Die Wahrheit ist: Ein Großteil des Plastikmülls landet in Öfen oder in der Umwelt.
  • MÜLLEXPORTE
    DIE MÜLLHALDE HAT GESCHLOSSEN

    Was tun mit Plastikabfall, der nicht recycelt oder entsorgt werden kann? Ganz einfach: woanders hinschicken. Bis vor kurzem wurde der Großteil schlecht verwertbarer Kunststoffe nach China verschifft. Doch damit ist es jetzt vorbei.
  • SAMMELN UND VERKAUFEN
    EIN LEBEN VON UND MIT MÜLL

    In vielen ärmeren Ländern übernehmen Müllsammelnde die Aufgabe städtischer Dienste. Sie bestreiten ihr Einkommen mit dem, was  andere wegwerfen. Doch für viele Kunststoffe finden sie keine Abnehmer.
  • REGULIERUNG
    LÖSUNGEN AM FALSCHEN ENDE

    Es gibt keinen Mangel an Abkommen und Initiativen, die Plastikkrise einzudämmen. Doch beinahe alle behandeln allein die Entsorgung, sind nicht aufeinander abgestimmt und entlassen die Hersteller aus der Verantwortung.
  • ZIVILGESELLSCHAFT
    WIE DIE ANTI-PLASTIK-BEWEGUNG GEGEN DIE INDUSTRIE VORGEHT

    Ein globales zivilgesellschaftliches Bündnis namens „Break Free From Plastic“ versucht, die Vermüllung der Welt zu stoppen. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Aufklärung setzt es Konzerne unter Druck.
  • ZERO-WASTE
    ES GEHT AUCH OHNE!

    Kunststoffe zu recyceln – das allein wird die Plastikkrise nicht lösen. Gefragt sind Ideen, die das Problem an der Wurzel anpacken. Eine  wachsende Bewegung zeigt, wie es geht – und mutige Städte und Kommunen gehen voran.

AUTORINNEN UND AUTOREN, QUELLEN VON DATEN, KARTEN UND GRAFIKEN

ÜBER UNS

Saubere Revolution 2030

Wie disruptive Innovationen Kohle, Uran, Erdöl, Erdgas konventionelle Autos und Energieversorger verdrängen

Tony Seba
MetropolSolar
Mannheim. 255 Seiten

Die Steinzeit ist nicht aus Mangel an Steinen zu Ende gegangen und das fossile Industriezeitalter wird nicht aus Mangel an Brennstoffen zu Ende gehen. Wer verstehen will, wie Solarenergie, autonom fahrende Elektroautos und andere exponentiell wachsende Technologien in ein Zeitalter sauberer, dezentraler und partizipativer Energie und Mobilität führen, muss dieses Buch lesen. Die Welt wird sich verändern. Radikal. Bis 2030.

“Tony Seba ist ohne Zweifel einer der wichtigsten Vordenker zum Thema Energie und Mobilität weltweit. Die Botschaft seines Buches ist: Disruptive Veränderungen vollziehen sich immer rascher als selbst Experten voraussagen! Wer sein Buch liest, begreift das Muster hinter den rasanten Veränderungen, die in kurzer Zeit zu ca. 100% Erneuerbaren Energien führen werden, und kann sich eher darauf einstellen. Wer die Entwicklung der Photovoltaik wie auch der Speichertechnologie und der Elektromobilität bisher unterschätzt hat, bekommt hier seine zweite Chance!” (Prof. Eicke Weber, ehem. Leiter Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg)

Buchbesprechung bei Solarenergie Förderverein Deutschland e.V.

Das Buch kostet 25€ zzgl. 5€ Versandkosten und ist nur über MetropolSolar zu beziehen.
Bestellung per E-Mail direkt bei MetropolSolar.

Höchste Zeit

Es wird höchste Zeit,

dass die Politik ernsthafte und wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel unter­nimmt. Bisher haben Politiker nur mit schönen Worten und Absichtserklärungen geglänzt. Aber das Problem wird noch immer nicht wirkungsvoll angegangen. Global lag der Kohlen­stoffdioxidausstoß im Jahr 2018 um 2,7 Prozent höher als im Vorjahr und ist damit höher als je zuvor1. Gegen diesen Trend sind die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im Jahr 2018 erfreulicherweise um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Dies allerdings nicht als Ergebnis einer halbwegs erfolgreichen Politik. Der Rückgang ist vielmehr der außergewöhnlich warmen und trockenen Witterung im letzten Jahr geschul­det. Es wurde weniger geheizt und infolge der Dürre waren die Pegelstände der Flüsse so niedrig, dass die Frachtschiffe weniger Heizöl und Kohle transportieren konnten und somit die Energiepreise stiegen.2 Betrachtet man sich den deutschen Strommix, stellt man fest, dass der Anteil der Braunkohle im Laufe der letzten 28 Jahre nur geringfügig abgenom­men hat3. Und ob die Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung wirklich CO2-Emissionen einspart ist mehr als fraglich. Massenhafter Maisanbau mit Einsatz von Pesti­ziden, Dünger und Maschinen sorgt für eine schlechte Klimabilanz, bedroht Tier- und Pflanzenarten und degradiert die Böden. Wieso tut sich die Politik so schwer, ihre nicht einmal ambitionierten Klimaziele zu erreichen? Den Treibhausgas-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren, wird Deutschland nicht schaffen, wenn nicht endlich geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Bereits die Kli­maziele für das Jahr 2020 werden laut dem Klimaschutzbericht der Bundesregierung nicht erreicht werden.4 Die Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke im Jahr 2038 ist eindeutig zu spät, um die selbstgesetzten Ziele zu erreichen. Stefan Rahmstorf hat eindrucksvoll ge­zeigt, dass wir in Deutschland den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß jährlich um 6 Prozent redu­zieren müssten und im Jahr 2036 gar nichts mehr emittierten dürften, um die Klimaerwär­mung unter 2 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten5.

Da fragt man sich schon, warum die Politik so untätig ist und im Gegenteil sogar weiter die fossilen Energien fördert. Denn die Staaten der G7 (USA, Deutschland, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien) fördern jährlich mit rund 100 Milliarden US-Dollar Kohle, Gas und Öl6. Die Weltbank investiert mit ca. 21 Milliarden US-Dollar in fossile Ener­gieträger, dagegen nur mit 15 Milliarden in erneuerbare Energien7. Die Einführung des Emissionshandels hat nicht zu der erwarteten Verringerung des CO2-Ausstoßes geführt. Zum einen, weil zu viele Zertifikate kostenlos in Umlauf gebracht wurden. Zum anderen aber, weil andere CO2-Emittenten, wie beispielsweise der Verkehrssektor, damit gar nicht erfasst werden8. Wenn der Emissionshandel auf internationaler Ebene nicht funktioniert, dann braucht es nationale Regeln. Dazu gehört beispielsweise die Besteuerung von Koh­lenstoffdioxid. Mit der gleichzeitig kompletten Streichung der EEG-Umlage wird Strom auch für geringe Einkommen bezahlbar bleiben9 10. Damit wird Strom aus erneuerbaren Quellen billiger, während der Kohlestrom deutlich teurer würde. Dann hat sich die leidige Diskussion um die Abschaltung von Kohlekraftwerken und eventueller Entschädigungsan­sprüchen der Kraftwerksbetreiber von selbst erledigt. Wenn die Rahmenbedingung stim­men, kann der Markt auch funktionieren.

Nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds würde eine CO2-Steuer von 70 US-Dollar pro Tonne allein in den G20-Staaten jährlich Einnahmen zwischen 630 Milliar­den und 1,58 Billionen US-Dollar generieren. Damit könnten die Kosten für einen Umstel­lung der weltweiten Energieversorgung auf 86 Prozent erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 in Höhe von jährlich 480 Milliarden US-Dollar finanziert werden11.

So lange sich aber Politiker von Konzernen zu sehr beeinflussen lassen, wird sich an die­ser Politik vermutlich nichts ändern. Es geht nicht um plumpe Bestechung, sondern um Einflussnahme auf den Gesetzgebungsprozess durch externe Mitarbeiter, die von den Konzernen zur Verfügung gestellt werden und an Gesetzestexten mitschreiben. Sowie um Manipulation der Abgeordneten durch Wirtschaftsvertreter. Wenn sich Verkehrsminister weigern, geltende Gesetze zur Luftreinhaltung umzusetzen oder Maßnahmen zur Redukti­on der CO2-Emissionen aus dem Automobilverkehr zu ergreifen, beschädigen sie das An­sehen der Politik und leistet der Automobilindustrie einen Bärendienst. Denn die Zukunft des Automobils wird elektrisch sein. Während der Marktanteil der Elektroautos in Deutsch­land noch knapp 2 Prozent beträgt, liegt er in China bei 4,6 Prozent, in den Niederlanden bei 5,2 Prozent und in Norwegen bereits bei 47,9 Prozent12. Die Zulassungszahlen für Elektroautos werden in dem Maß zunehmen, in dem die Akkus leistungsfähiger und die Herstellungskosten niedriger werden. Das ist eine Entwicklung, wie sie bei jeder neuen Technologie zu beobachten ist. Und mit dem Siegeszug der Elektroautos werden viele Ar­beitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen. Dieser Strukturwandel muss vorbe­reitet werden. Statt dessen sichert die aktuelle Verweigerungshaltung der Politik nur die Gewinne der Konzerne und deren Aktionäre.

Seit dem Klimaabkommen von Paris haben die fünf größten Ölkonzerne jährlich etwa 200 Millionen Dollar in Lobbyarbeit investiert, um damit eine Politik zu verhindern, die zum Er­reichen der in Paris vereinbarten Klimaziele nötig wäre13. Es ist höchste Zeit, dass in Deutschland ein verpflichtendes Lobbyregister eingeführt wird, damit wir endlich wissen, welcher Politiker mit welchem Lobbyvertreter gesprochen hat14. Es darf nicht länger hinge­nommen werden, dass Politiker nach dem Ende ihrer Politikerlaufbahn zur Industrie und deren Lobbyverbänden wechseln und sich ihr Insiderwissen und ihre Kontakte vergolden lassen.

Dieser Planet darf nicht den Profitinteressen von wenigen geopfert werden. Ich behaupte, die meisten Menschen beteiligen sich nicht aus bösem Willen an der Zerstörung der Erde, sondern weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Oder es wird ihnen zu leicht gemacht, sich klimaschädlich zu verhalten. Wer auf sein Auto angewiesen ist, weil er oder sie sonst man­gels Alternativen nicht zur Arbeit oder in die Stadt kommt, hat eben keine Wahl. Wenn Fleisch und Fliegen so verlockend billig ist, braucht es schon viel Überzeugung und Wil­lenskraft, diese Angebote nicht zu nutzen. Und ich bin mir sicher, dass viele gar nicht wissen, was sie anrichten, weil die Auswirkungen des Konsumverhaltens verschleiert wer­den. Wenn in der Werbung für das billige Fleisch die Bilder der leidenden Tiere, deren grausame Schlachtung und der für die Futtermittel abgeholzten Regenwaldflächen gezeigt würden, verginge vielen der Appetit. Wenn der neue SUV im Werbespot nicht durch unbe­rührte Landschaften, sondern durch die infolge des Klimawandels verwüsteten Landstriche führe, dann würde vielleicht auch der Ottomotor-Normalverbraucher verstehen, was diese Dinger anrichten. Wenn in jeder Werbung für Billigflüge auch die Folgekosten in Klima­schäden und Menschenleben angegeben würden, gingen die Fluggastzahlen vermutlich zurück. Im Gegensatz zum Rauchen, bei dem ich selbst entscheide, wie viel Leid mir der „Genuss“ wert ist, wäre das nämlich keine Privatsache mehr.

Daher sind die Forderungen, wie sie von „Fridays for Future“ gestellt werden, Kohleaus­stieg bis 2030 sowie Nettonull-Emission und Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Ener­gie bis 2035, mehr als berechtigt und das absolute Minimum. Sie fordern die Abschaffung der Subventionen für fossile Energieträger bis Ende 2019, die Abschaltung von einem Viertel der Kohlekraftwerke und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen von 180 € pro Tonne CO2, die sich an den Klimafolgekosten orientiert. 15 Einen Schritt weiter geht die Bewegung „Extinction Rebellion“. Sie fordern Nettonull-Emission bis 2025, die Aufhebung aller Gesetze, die der Bewältigung der ökologischen Krise im Wege stehen und mehr Bür­gerbeteiligung. Es klingt alles noch etwas schwammig, aber sie fordern nichts anderes als einen Systemwechsel. Und sie haben damit vermutlich recht. Die nächsten Tage und Wo­chen werden wir sicherlich noch von ihnen hören, denn vom 15. bis zum 29. April soll es an mehreren Orten in Deutschland Aktionen von ihnen geben16. Mit Vorträgen, zivilem Un­gehorsam und friedlichem Protest wollen sie auf den dringend notwendigen Systemwech­sel aufmerksam machen.

In Augsburg haben sich Menschen zusammengefunden, die einen Systemwechsel versu­chen wollen. Rekommunalisierung städtischer Kapitalbetriebe, die Ausrichtung der regio­nalen Wirtschaft auf das Gemeinwohl, solidarische Landwirtschaft, schnellstmögliche Um­stellung auf 100 Prozent erneuerbare Energie und eine Verkehrswende mit kostenlosem ÖPNV sind nur einige Punkte davon17.

Vier fürs Klima

Wie unsere Familie versucht, CO2-neutral zu leben

Petra Pinzler & Günther Wessel
Droemer Verlag 2018
München. 301 Seiten.

Die Frage nach dem richtigen, fröhlichen aber umweltbewussten Leben in Zeiten des Klimawandels beschäftigt viele: „Wie reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck?“ Die Familie Pinzler-Wessel hat es ein Jahr lang versucht. Ihre anregenden und mutmachenden Erlebnisse und Recherchen präsentieren sie in diesem alltagsprallen Buch. Ein Weg, der für alle praktikabel ist und wesentlich mehr Spaß macht als Verzicht erfordert.
Wollen wir den Temperaturanstieg auf zwei Grad beschränken, müssen wir unseren CO2-Verbrauch reduzieren. Wie lebt es sich damit? Ist der eingelagerte Bioapfel klimafreundlicher als der aus Chile? Schwein oder Rind? Bahn oder Fernbus? Oder sind alle Mühen vergeblich, weil eine Familie gar nicht viel bewirken kann?
Familie Pinzler-Wessel hat es ausprobiert. Sie hat versucht, für alle Vier gute Kompromisse im Alltag zu finden. Sie haben akribisch recherchiert und ein Haushaltsbuch der kleinen Klimasünden geführt. In diesem lebensnahen Bericht ihres Selbstversuches erzählen sie, was gut geht, was nicht und um welche Erfahrungen sie reicher sind.

Im Buch blättern

Buchbesprechung bei umweltnetz-schweiz.ch
Interview mit Günther Wessel auf utopia.de

Earth Overshoot Day 2018

Unfassbar! Schon wieder pleite!

Welche Bank würde akzeptieren, dass man ständig mit seinem Konto im Minus ist und seine Schulden nicht zurückzahlt? Keine! Würde ein vernünftig haushaltender Mensch dauerhaft mehr verbrauchen, als den Ertrag aus seinem Vermögen? Vermutlich nicht! Aber wir tun so, als wäre das in Bezug auf unseren Naturverbrauch möglich. Doch heute, am 1. August 2018,  sind nach Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir wieder von der Sub­stanz. Und so langsam bemerken wir, dass das nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen und Menschen in anderen Teilen der Welt geht, sondern dass uns das direkt betrifft. Der Klimawandel ist längst im Gange, verändert nicht nur in anderen Weltregionen ganze Ökosysteme, vernichtet nicht nur dort viele Tier- und Pflanzenarten und treibt Menschen zur Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können. Auch hier bekommen wir es jetzt zu spüren. Außergewöhnliche Hitze und Trockenheit sorgt auch in Deutschland für Ernteausfälle. Tier- und Pflanzenarten werde auch bei uns durch den Klimawandel bedroht. Bisher hier unbekannte Arten wandern dagegen ein und verändern die Artengemeinschaften. Extremwetterlagen sorgen dafür, dass Ernten auf den Äckern verdorren oder wertvoller Ackerboden fortgespült wird. Während die Einen  das Badewetter genießen, bangen die Anderen um ihre Existenz. Aber wir werden bald alle merken, dass auch wir vom Klimawandel bedroht sind. Nicht nur an den steigenden Nahrungsmittelpreisen.

Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den “Welterschöpfungstag” oder “Earth Overshoot Day”, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum wieder neu bilden kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Kennzahlen des Earth Overshoot Day 2018

Die Biokapazität der Erde ist zwischen 1961 und 2014 zwar fast um 27% angestiegen, doch gleichzeitig hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Dadurch hat sich die Biokapazität pro Kopf global von 3,1 gha auf 1,7 gha fast halbiert. In diesem Zeitraum hat sich der Ökologische Fußabdruck pro Kopf global um ca. 24% von 2,29 gha auf 2,84 gha vergrößert.

Stärker als im globalen Trend ist in Deutschland zwischen 1961 und 2014 die Biokapazität absolut um ca. 44% angestiegen, das Bevölkerungswachstum dagegen nur um etwa 9,5%.  Damit ergibt sich eine Zunahme der Biokapazität pro Kopf um 31% von 1,36 gha auf 1,79 gha und eine Vergrößerung des  Footprints pro Kopf um 18% von 4,27 gha auf 5,05 gha.

Der Anstieg der Biokapazität, darüber sollte sich niemand täuschen lassen, war nur durch den Einsatz billigen Erdöls in der industriellen Landwirtschaft möglich. Der Einsatz von immer größeren Maschinen, Dünger und Pestiziden hat zu höheren Erträge geführt. Doch erkauft haben wir uns den Anstieg der Biokapazität auf der anderen Seite mit der Verdichtung, Auslaugung und Abschwemmung der Ackerböden, Grundwasserverschmutzung durch Gülle, Pestizide und Dünger sowie einem ständig zunehmenden CO2-Ausstoß. Das wird auf Dauer aber die Biokapazität verringern.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,7 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Es bleibt dabei: Grundsätzliches Umdenken in Politik und Wirtschaft und Verhaltensänderungen jedes Einzelnen sind zwingend notwendig.

Es hat keinen Sinn, sich immer nur an den Symptomen abzuarbeiten. Fluchtursachen bekämpfen heißt nicht, Zäune zu ziehen und Lager zu bauen. Fluchtursachen bekämpfen bedeutet, Lebensbedingungen auch in anderen Regionen der Erde zu erhalten, unter denen Menschen dort gut leben können. Dürreschäden bei uns kann man nicht durch Soforthilfen in Milliardenhöhe beikommen, sondern nur durch eine geänderte Landwirtschaft und mit der drastischen Verringerung des CO2-Ausstoßes. Das bedeutet aber das Ende der industriellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung, Pestizid-  und  Düngereinsatz, eine andere Verkehrspolitik mit deutlicher Verringerung des Individualverkehrs und dem Ausbau des Schienennetzes sowie einem sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Und ganz Grundsätzlich müssen wir weg von dem Gedanken des grenzenlosen Wirtschaftswachstums, denn das ist mit einem immer weiter zunehmenden Ressourcenverbrauch verbunden. Grenzenloser Konsum als Voraussetzung für grenzenloses Wachstum ist aber in einer begrenzten Welt schon logisch nicht möglich.

Wenn Bruno Latour in seinem kürzlich erschienenen Buch “Das terrestrische Manifest” recht hat (und ich befürchte er hat recht), dann können wir von den Eliten dieser Welt nichts mehr erwarten. Sie wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber sie machen so weiter, weil es sie nicht interessiert, wie es den Menschen ergehen wird. Sie haben die Zukunft aufgegeben und leben nur noch im hier und jetzt. Und machen jetzt ihre Profite. Statt uns abzuschotten in der sinnlosen Hoffnung, wir könnten unseren kleinen Wohlstand erhalten, sollten wir endlich Mitgefühl und Solidarität mit allen Wesen auf diesem Planeten entwickeln. Denn die Nächsten, die nicht mehr wissen werden, wie sie überleben können und wohin sie fliehen sollen, werden wir sein. Dabei geht es, das sollte deutlich geworden sein, nicht darum, über die Aufnahme von Flüchtlingen zu streiten, sondern darum, dass wir unseren Lebensstil so ändern, dass wir nicht auf Kosten anderer leben.

Dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten: http://www.footprintcalculator.org/#!/ https://www.fussabdruck.de https://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/ https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen) https://take5.plattform-footprint.de https://www.transition-initiativen.de/ https://www.overshootday.org/ (mit Vorschlägen, wie jeder von uns SOFORT seinen Footprint verkleinern kann) Interview mit Claudia Kempfert auf hr-INFO Aufzeichnung des Livestreams vom 1. August 2018 ,  8:00 Uhr MEZ

Bundestagswahl 2017

Es ist mal wieder so weit: Am 24. September 2017 ist die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag, der Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland. Das ist die Gelegenheit, die Richtung der Politik zu bestimmen. Bestimmt braucht es im Anschluss an die Bundestagswahl noch oft unsere Einmischung als mündige Bürger, um klar zu machen, was wir für nötig und richtig halten. Eine friedliche und zukunftsfähige Welt wird nicht durch Meckern erreicht, sondern durch echte Veränderung und persönliches Engagement. Denn nicht nur unser persönliches (Konsum-)Verhalten bestimmt den Ökologischen Fußabdruck. Der Graue Footprint lässt sich nur durch gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen. Dazu ist am 24. September wieder eine Gelegenheit. Wir haben die Wahl!

Die Programme der größeren Parteien, die sich für den neuen Bundestag zur Wahl stellen, in alphabetischer Reihenfolge.

Insgesamt hat der Bundeswahlausschuss 48 Vereinigungen als Parteien anerkannt. Hier findest du die Programme der Parteien mit den größten Aussichten.

AfD (Alternative für Deutschland) BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN CDU/CSU (Christlich Demokratische Union Deutschlands) DIE LINKE FDP (Freie Demokratische Partei) SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)

Bundestagswahl

Vielleicht darfst du in diesem Jahr zum ersten Mal wählen und weißt nicht so richtig, welche Partei deine Interessen am besten vertritt. Vielleicht hast du schon einige Wahlen hinter dir, bist aber mit der Partei, die du bisher gewählt hast, unzufrieden. Ab dem 30. August hast du die Möglichkeit, mit dem Wahl-O-Mat zu ermitteln, welche Partei deine Interessen am ehesten vertritt.

Wir haben die Wahl

Ein Buchempfehlung von Petra Stechele

Unser Thema ist der Ökologische Fußabdruck, weil wir uns verantwortlich fühlen, dass auch andere Menschen auf diesem Planeten, die nicht das Glück haben, den reichen Ländern anzugehören, bekommen, was sie zu einem gelungenen Leben brauchen. Heute, aber auch in der Zukunft, jene Generationen, die uns folgen. Nicht zuletzt ist das der einzige Weg, so etwas wie “Frieden” auf diesem Globus zu erreichen. Denn wir sind – und dies nicht als einzige – der Überzeugung, dass die meisten Auseinandersetzungen, die es zur Zeit weltweit gibt, Kriege um Ressourcen und die Verteilung sowohl von Gütern, als auch von Lebenschancen sind. Da wir, seit wir uns mit diesem Thema beschäftigen, immer mehr sehen, dass alles mit allem verflochten ist, wie das schon Mitte des vorigen Jahrhunderts Aldo Leopold festgestellt hat, möchten wir jene unterstützen, die mit uns sich gegen die populistischen “einfachen Lösungen” wenden und damit das fragile Gleichgewicht des Planeten noch weiter destabilisieren.
 
Solch ein Projekt ist auch dieses Buch des Piper Verlages: Wir haben die Wahl. Warum wir gerade jetzt für unsere Freiheit einstehen sollten, das am 1. August erschienen ist. Die Autoren haben ihre Beiträge honorarfrei zur Verfügung gestellt. “Die Gedanken und Konzepte der versammelten Beiträge sind so vielfältig wie die Demokratie selbst. Persönlich und nachdenklich machend, aufwühlend und kritisch möchten Andreas Altmann, Lamya Kaddor, Hape Kerkeling, Stephan Orth, Gisa Pauly, Jörg Steinleitner, Su Turhan und viele weitere Piper-Autorinnen und -Autoren ein Zeichen für eine Gesellschaft der Freiheit und Akzeptanz setzen.
Alle Beitragenden und Mitwirkenden, ob Drucker, Setzer oder Grafiker, haben auf ein Honorar verzichtet. Die gesamten Erlöse aus diesem Buch werden an gemeinnützige Organisationen gespendet: an die Münchner »SchlaU-Schule«, die junge Geflüchtete darin unterstützt, ihr Menschenrecht auf Bildung wahrzunehmen und das »Theater Grenzenlos«, ein inklusives Theaterprojekt, das unbegleitete minderjährige Geflüchtete und Münchner Schülerinnen und Schüler zusammenbringt.”
So heißt es im Pressetext des Verlages.
 
Und im Vorwort sagt Felicitas von Lovenberg, dass die “Texte, durch Reflexion das Bewusstsein dafür schärfen wollen, was derzeit auf dem Spiel steht”. “Es geht darum, wie wir gemeinsam und als Einzelne dazu beitragen können, dass die politischen und gesellschaftlichen Werte der Demokratie erhalten und gelebt werden, also darum, die Welt, so wie sie ist, ‘wohnlicher einzurichten’, wie Andreas Altmann mit Bert Brecht mitreißend formuliert.” “Der Prozess ihres Zustandekommen ist der beste Beweis für die Kraft eines gemeinsamen Anliegens” und wendet sich “gegen die Bequemlichkeit jener Einstellung, dass es auf den Einzelnen nicht ankomme.”
 
Wir wissen, wie sehr es heute auf jeden von uns ankommt und wie viel demokratisches Engagement nötig ist, um die anstehenden Probleme zu lösen. So ist es auch unser Anliegen die Vielfalt dieser Gesellschaft zu erhalten, die Vielfalt allen Lebens auf unserem Planeten gegen Rassismus, Hass und ausgrenzende Aggression zu verteidigen und uns für Solidarität, Freiheit und Toleranz einzusetzen.
Dieses Buch ist Denkanstoß, Anregung und Ermutigung dazu.

Earth Overshoot Day 2017

Jetzt geht’s ans Eingemachte

Es ist mal wieder soweit. Heute, am 2. August 2017 ist Earth Overshoot Day 2017. Das heißt, nach Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) sind bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir von der Sub­stanz, und somit auf Kosten zukünftiger Generationen. Wobei das nicht so ganz stimmt, denn die Menschheit zahlt die Zeche für den Lebensstil in den reichen Industrienationen bereits jetzt. Der Klimawandel ist längst im Gange, verändert ganze Ökosysteme, vernichtet viele Tier- und Pflanzenarten und treibt Menschen zur Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können.

Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den “Welterschöpfungstag” oder “Earth Overshoot Day”, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum wieder neu bilden kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Kennzahlen des Earth Overshoot Day 2017

Die Biokapazität der Erde ist zwischen 1990 und 2013 zwar fast um 10% angestiegen, doch gleichzeitig hat auch die Weltbevölkerung um etwa 35% zugenommen. Dadurch ist die Biokapazität pro Kopf global von 2,1 gha auf 1,7 gha um 19% zurückgegangen. In diesem Zeitraum hat sich der Ökologische Fußabdruck pro Kopf global um ca. 7% von 2,68 gha auf 2,87 gha vergrößert.

Stärker als im globalen Trend ist in Deutschland zwischen 1990 und 2013 die Biokapazität absolut um 32% angestiegen, das Bevölkerungswachstum dagegen nur um etwa 2%. Der Ökologische Fußabdruck hat in diesem Zeitraum entgegen dem globalen Trend absolut um fast 20% abgenommen. Damit ergibt sich eine Zunahme der Biokapazität pro Kopf um 29% von 1,74 gha auf 2,25 gha und eine Verringerung des  Footprints pro Kopf um 21% von 6,92 gha auf 5,46 gha. Um auf einen global verträglichen Ökologischen Fußabdruck zu kommen, müssen wir uns aber noch ein bisschen anstrengen.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,7 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3,2 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Es braucht beides: Grundsätzliches Umdenken in Politik und Wirtschaft und Verhaltensänderungen jedes Einzelnen.

Gerade wurde uns wieder vor Augen geführt wo das Problem liegt: Im unerschütterlichen Glauben an die Sicherung des Wohlstandes durch Wirtschaftswachstum. Weil Politiker glauben, unseren Wohlstand nur durch die Förderung des Industriestandortes Deutschland sichern zu können, sterben hierzulande  jährlich über 20.000 Menschen an Feinstaub und Stickoxiden aus Dieselmotoren. Statt die Industrie durch strenge Vorgaben zur Entwicklung umweltverträglicher Technologien anzuhalten, deckt unsere Bundesregierung die Betrügereien der Autoindustrie. Es ist an der Zeit, dass sich etwas Grundlegendes ändert. Die Sicherung von Arbeitsplätzen darf nicht auf Kosten der Umwelt und damit der Gesundheit und des Lebens andere Menschen gehen. Es hat keinen Sinn, eine Technologie “umweltfreundlicher” zu machen, die sich als unverträglich mit unseren Lebensgrundlagen erwiesen hat. Es müssen andere Lebens- und Mobilitätskonzepte her. Warum müssen immer mehr Menschen mit der Bahn oder dem Auto zur Arbeit? Fast 60 Prozent der Arbeitnehmer sind Pendler.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, vermeidet CO2-, Stickoxid- und Feinstaub-Emissionen. Ebenso indem durch Fahrgemeinschaften die Autos effektiver genutzt werden. Noch besser ist es, mit dem Fahrrad zu fahren. Wer mit Bahn und Bus in den Urlaub fährt, statt das Flugzeug zu nehmen, vermeidet CO2-Emissionen. Aber grundsätzlich ist auch die Frage zu stellen, warum man überhaupt so weit weg will? Einsparung von CO2-Emissionen sind auch möglich, indem wir Energie sparen, mäßig heizen und den Wohnraum gut zu dämmen. Auch eine fleischar­me Ernährung aus biologischer Landwirtschaft verringert den CO2-Ausstoß und ist gesünder für Mensch und Umwelt. Wohl­überlegter und sparsamer Konsum spart Ressourcen und Geld. Wenn Konsum nur dazu dient, uns kurzzeitig ein Glücksgefühl zu vermitteln, stimmt etwas in unserer Gesellschaft nicht.

Dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten: http://www.footprintcalculator.org/#!/ https://www.fussabdruck.de https://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/ https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen) https://take5.plattform-footprint.de https://www.transition-initiativen.de/ https://www.overshootday.org/ Earth Overshoot Day 2017

 

Risikowahrnehmung

Dass unsere Risikowahrnehmung, also die Wahrnehmung von Gefahr wenig mit der Realität zu tun hat, ahnen wir alle. Wir fürchten uns vor Gewalttätern, obwohl die Zahl der Straftaten in den letzten Jahren etwa gleich blieb und die Zahl der Raubdelikte sogar rückläufig ist.  Zugenommen haben laut polizeilicher Kriminalstatistik vor allem politisch motivierte Gewalttaten. Wir sind von der Zahl von knapp 3.000 Toten beim Anschlag auf das World Trade Center in New York 2011 schockiert, interessieren uns aber nicht dafür, dass laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jeden Tag über 16.000 Kleinkinder an Hunger sterben. Das bedeutet, alle viereinhalb Stunden sterben genau so viele Kleinkinder, wie Menschen am 11. September 2011 im WTC starben. Auch die Wahrnehmung der Gefahren, die uns direkt bedrohen ist verzerrt. Ein Beitrag im politischen Feuilleton des Deutschlandfunks vom 25. Juli 2017 bringt das sehr schön auf den Punkt. In seinem Beitrag “Wenn Abgase gefährlicher als Attentäter sind” zeigt Stefan Kühl, wie verzerrt unsere Wahrnehmung von Gefahr ist.

Android-Handys länger nutzen

Handys, besonders Android-Handys, gehören bei uns zum Alltag. Es gab in Deutschland im ersten Quartal 2017 mehr als 131 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Durchschnittlich wird ein Handy nur 18 Monate genutzt, bevor ein neues angeschafft wird. Das ist aber oft vollkommen überflüssig, verbraucht wichtige Ressourcen und vergrößert den Ökologischen Fußabdruck. Manchmal wird das Handy nur deshalb zu langsam, weil der Speicher voll ist. Da reicht es vollkommen, das Handy aufzuräumen. Im Zweifelsfall wieder auf Werkseinstellungen zurückzusetzen. Die Kontakte und andere wichtige Daten müssen natürlich vorher gesichert werden, weil beim Zurücksetzen alle Daten gelöscht werden.

Reparieren

Leider werden Handys heute oft so hergestellt, dass sie nicht lange halten und nur schwer zu reparieren sind. Ausnahmen sind das Fairphone und das Shiftphone, Android-Handys, die so aufgebaut sind, dass man selbst defekte Module austauschen kann bzw. man darf sie aufschrauben, ohne dass die Gewährleistung verfällt. Wer ein Handy eines anderen Herstellers hat, muss das Gerät reparieren lassen, doch oft ist die Reparatur des Handys teurer als ein neues (gebrauchtes) Gerät. Deshalb erst einmal nachsehen, was die Reparatur kosten wird. Wer nicht zu ungeschickt ist, kann aber versuchen, das Handy, das bereits aus der Gewährleistung ist, selbst zu reparieren. Bei Ifixit  findest du für viele Geräte Reparaturanleitungen und kannst dir gleich die Ersatzteile bestellen. Viele Reparaturanweisungen findest du auch bei YouTube.

Gebrauchte Handys kaufen und verkaufen

Wenn das Handy nicht mehr zu reparieren ist, kannst du dir auch ein gebrauchtes Handy kaufen. Bei Handyverkauf.net findest du verschiedene gewerbliche An- und Verkäufer für gebrauchte Handys. Du kannst dein gebrauchtes Handy auch auf dem Flohmarkt oder über eine online-Plattform (z.B. eBay) kaufen oder verkaufen. Allerdings solltest du beim Verkauf darauf achten, dass deine Daten sicher gelöscht sind, damit vertrauliche Daten nicht in falsche Hände gelangen und du deine Fotos irgendwann im Internet wiederfindest. Das Zurücksetzen auf Werkseinstellung reicht nicht, da die Daten mit speziellen Programmen wiederherstellbar sind. Um die Daten sicher zu löschen, musst du deine Daten erst auf dem Handy löschen, das Handy verschlüsseln und dann im Recovery-Modus auf Werkseinstellungen zurücksetzen bzw. die Daten formatieren. Wie du die Daten auf deinem Handy sicher löschst, kannst du hier nachlesen.

Android Custom-ROM: Aus Alt mach Neu

Selbst wenn das Handy gut behandelt wird, gibt es in der Regel nach zwei Jahren für das Gerät keine neue Android-Version mehr, sodass neuere Apps unter Umständen nicht mehr darauf laufen. Wer diese nutzen will, ist gezwungen, sich ein neues Handy zu kaufen. Auch gibt es für ältere Android-Versionen keine Sicherheitsupdates mehr.  Hier kann ein Custom-ROM, also eine Android-Version, die nicht von Google bzw. dem Hersteller zur Verfügung gestellt wird, das Leben deines Handy verlängern. Das bekannteste Custom-ROM dürfte LineageOS sein. Eine Liste aller Smartphones und Tablets, für die es  LineageOS gibt, und die dazugehörenden Download-Links findest du hier. Manche Custom-ROMs haben Eigenschaften, die dem offiziellen Android von Google fehlen. Oder sie sind auf das Wesentliche reduziert, damit das Handy schneller wird und Akku spart. Und du brauchst kein Konto bei Google. Statt über den Google Play Store kannst du Apps über F-Droid, Yalp (aus dem F-Droid-Store), Racoon  und andere App-Shops herunterladen. Mehr zu den Alternativen zu Google Play Store in diesem Artikel. Seit Anfang 2018 gibt es das Projekt “MicroG“, bei dem das aktuelle LineageOS mit einer Alternative zu Googles Playservices versehen ist. Das alte Handy kann länger genutzt werden und man umgeht die Datenkrake Google. Du glaubst, du könntest dem Ausspionieren durch Google entgehen? Dann sieh dir das erst Video auf dieser Seite an. Die Download-Links für “LineageOS for MicroG” findest du hier.

Rien ne va plus – Was tun, wenn das Handy nur noch Schrott ist?

Wenn das defekte Handy nicht mehr zu reparieren ist, darf es auf keinen Fall in den normalen Hausmüll geworfen werden. Handys enthalten wertvolle Rohstoffe wie Silber, Gold und Platin sowie in den Akkus giftige Schwermetalle. Auch die Schublade ist nicht der richtige Ort für Elektroschrott. Es sollte unbedingt recycelt werden. Dazu kannst du es bei jedem großen Elektrohändler, deinem Mobilfunkanbieter oder auf dem Wertstoffhof abgeben. Oder kostenlos mit der Post entsorgen. Wie das geht, kannst du bei Utopia nachlesen. Dort gibt es auch Tipps, wie du dein Alt-Handy für einen guten Zweck spenden kannst, beispielsweise über die Handy-Aktion, die Mobile-Box oder Handys für die Umwelt. Eine weitere Internetseite, über die du alte Handys kostenlos abgeben kannst, ist Handysammelcenter. Alle Annahmestellen sortieren noch gut erhaltene Handys aus, löschen die Daten und sorgen für eine längere Nutzung der Handys. Die Handys, die nicht weiter genutzt werden können, kommen zum Recycling. Das unten stehen Video erklärt das genauer. So wichtig und sinnvoll das Recycling auch ist, es ist nie die beste Lösung. Reduzieren des Ressourcenverbrauchs und längere Nutzung der Produkte sind in der Regel sinnvoller. Abfall, der nicht produziert wird, muss auch nicht entsorgt werden. Warum es besser ist, Handys so lange wie möglich zu nutzen und zu reparieren, statt ständig neue zu kaufen und die alten zu recyceln, wird im Artikel “Das Handy – Goldgrube und Sorgenkind” deutlich. Sehr lesenswert. Was mit deinem alten Handy passiert, kannst du dir in diesem Video ansehen: