Anders konsumieren

 

Der Konsum ist der einzige Sinn und Zweck der Produktion, und den Interessen der Produzenten sollte man nur insoweit Beachtung schenken als nötig ist, die der Verbraucher zu fördern.”
 

 

Konsumierst du noch oder lebst du schon? Wer bei den großen Discountern einkauft, spart natürlich viel Geld. Doch jede/r weiß, das gute Produkte nicht zum Schleuderpreis zu haben sind. Den wahren Preis zahlen entweder die Menschen, die diese Produkte unter oft menschenunwürdigen Bedingungen herstellen. Oder die Tiere die, auf engstem Raum zusammengepfercht, möglichst schnell schlachtreif gemästet werden bzw. Höchstleistungen in der Eier- oder Milchproduktion bringen müssen. Und die Allgemeinheit übernimmt zwangsläufig die Kosten für die Schäden, die durch die Billigproduktion entstehen. So gibt es zum Beispiel Regionen in Niedersachsen, in denen das Grundwasser durch die Massentierhaltung so stark verunreinigt ist, dass es nicht oder nur unter sehr großem Aufwand und hohen Kosten als Trinkwasser aufbereitet werden kann. Wenn du dich also entscheidest, weniger oder keine tierischen Produkte zu konsumieren, schützt du damit das Grundwasser (weil es nicht verschmutzt wird), schonst die Böden und den Regenwald (weil weniger Futter angebaut werden muss) und verminderst die Treibhausgas-Emissionen (weil weniger Dünger, Pestizide und Maschinen eingesetzt werden und weniger rülpsende und pupsende Kühe herumstehen). Das verkleinert deinen Footprint enorm!

Lust auf ein neues Handy oder Tablet? Dann informiere dich doch zuerst bei e-politik.de darüber, was mit dem Kauf noch zusammenhängt. Wenn dir das zu trocken ist, gibt es auch noch Informationen und ein Spiel zum Handy.  Die ständige Weiterentwicklung von Software bringt wenig Nutzen für Anwender, viel Gewinn für Hersteller von Hard- und Software und verbraucht unnötig Ressourcen. Beispiel hierfür ist die Einstellung des Support für Windows XP.  Du suchst etwas Außergewöhnliches mit kleinem Footprint? Vielleicht ist upcycling das, was du suchst. Warum nicht einmal tauschen statt kaufen? Bestimmt hast du gut erhaltene Sachen, die du nicht mehr brauchst und die du gegen Dinge tauschen kannst, die du suchst. Bestimmt gibt es Flohmärkte oder andere Möglichkeit zum Tausch in deiner Nähe . Oder nutze im Internet die Tauschbörsen.

Der Film „The True Cost“ beschäftigt sich mit den Arbeitsbedingungen, unter denen unsere billigen Kleidungsstücke hergestellt werden.

Mit deiner Kaufentscheidung beeinflusst du, unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt werden. Denn wenn die Nachfrage nach umweltfreundlich und fair produzierten Waren steigt, werden auch viele bisherige Anbieter konventioneller Ware ihr Sortiment auf biologisch und fair hergestellte Produkte umstellen. Tipps für eine zukunftsfähige Lebensweise findest du auch im Nachhaltigen Warenkorb des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

Frage in den Läden bei dir vor Ort nach solchen Produkten. Je mehr Menschen bio und fair konsumieren, umso schneller werden die Produkte in die Läden kommen. Solange kannst du auch im Internet bio und fair einkaufen. Hier sind ein paar Adressen:
Auf der Seite von Utopia findest du viele Tipps und Adressen für zukunftsfähiges Einkaufen im Internet. Eine Sammlung verschiedener Shops findest du beispielsweise bei Avocadostore. Faire Kleidung gibt es bei Zündstoff oder bei manomama, die Jeans mit kleinem Footprint und fairen Preisen gibt es bei Naturfaser Fölser, Kaffee findest auch bei  Aroma Zapatista oder Café Libertad Kollektiv und Büromaterial bei Memo.

Die beste Konsumhandlung ist aber immer noch diejenige, die man unterlässt.

Ganz einfach geht das, indem man Sachen kauft, die möglichst langlebig sind. Die sind dann zwar etwas teurer, aber durch ihre lange Lebensdauer muss man sich diese Sachen nicht ständig neu kaufen. Das ist nämlich von den Herstellern häufig so geplant. Es gibt auch einen Ausdruck dafür: Geplante Obsoleszenz. Unter „Ansehen/Konsum“ findest du eine Dokumentation dazu. Solltest du selbst Opfer der geplanten Obsoleszenz geworden sein, kannst du das Produkt hier melden. Wenn ein Produkt wirklich defekt ist, kann man es oft noch reparieren. Zu teuer? Lohnt sich nicht mehr? Eine Idee aus den Niederlanden entkräftet dieses „Argument“ auf wunderbare Weise. In Repair Cafés werden Dinge von ehrenamtlichen Helfen instand gesetzt, man kann dabei selbst viel lernen und soziale Kontakte pflegen. Gemeinsam reparieren statt konsumieren ist ressourcenschonend und macht Spaß.

Du willst etwas von der Welt sehen?  Dazu musst du dich nicht in ein Flugzeug setzen. Zu Fuß gehen, Fahrrad, Bus und Bahn fahren sind Möglichkeiten, die Welt viel intensiver zu erleben und kennenzulernen.

Mit dem Wechsel von einem Stromanbieter mit deutschem Strommix, der rund 58% Strom aus fossilen Energieträgern enthält, auf einen Ökostromanbieter, lässt sich der Footprint in diesem Bereich um 90% reduzieren. Folgende Ökostromanbieter investieren in den Ausbau der erneuerbaren Energien: Greenpeace Energy, Elektrizitätswerke Schönau und Naturstrom AG. Informationen zu Energie und Energiewende findest du beispielsweise bei der Bürger-Initiative Energiewende Waldkirch. Interessant ist auch die Idee von buzzn, regional private Stromproduzenten und Stromkonsumenten zu verbinden. Damit werden große Stromtrassen überflüssig und das Geld bleibt in der Region.

Weil die Gewinnung von Palmöl den Regenwald in Indonesien vernichtet, solltest du von Produkten mit Palmöl die Finger lassen. Hier findest du Informationen zu Produkten ohne Palmöl. Und für die Westentasche (wer trägt heutzutage noch eine Weste?) gibt es eine Liste der Deklarationen. GEPA bezieht faires Palmöl für Schokoriegel und Kekse von Serendipalm, einer Kooperative aus Ghana, die Palmöl in Bioqualität unter fairen Arbeitsbedingungen auf bereits länger landwirtschaftlich genutzten Flächen produziert. Wusstest  du übrigens, dass Palmöl praktisch in allen Shampoos drin ist? Einige Ausnahmen findest bei den Produkten ohne Palmöl. Oder du kannst eine Haarwaschseife ohne Palmöl nehmen, z.B. von Zhenobya.

Wenn du beschließt, kein Fleisch mehr zu essen, findest du beim Vegetarierbund Deutschland, der österreichischen Vegetarier Union oder der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus viele Informationen, Tipps und Rezepte. Möchtest du ganz ohne tierische Produkte auskommen, kannst du dich zum Beispiel auf der Ernährungsseite der Veganen Gesellschaft Österreich (VGÖ) informieren. Auch die Vegane Gesellschaft Deutschland oder die Vegane Gesellschaft Schweiz bietet viele Informationen, wie du problemlos deine Ernährung umstellen kannst.

Informationen zu einer bioveganen Landwirtschaft findest du auf der Internetseite des Biologisch-Veganen Netzwerk (BVN).

Wenn du SchülerIn bist, kannst du in der Schülerversammlung vorschlagen, die Schulkantine auf Bio umzustellen.
Hier sind die Internetseiten einiger Caterer.
bio
im Raum München: www.ilcielo.de, https://mybioco.de/mybioco-biocatering-fuer-kinder-und-schulen.html
bio im Raum Kassel: https://www.biond.de/index.html
bio im Raum Gießen/Marburg/Frankfurt: https://www.safran-catering.de, https://www.calis-biocatering.de/
bio im Raum Essen: https://www.gruenschnabel-bio-catering.de
bio im Kraichgau: https://www.hausgemacht-catering.de/
bio in Berlin: https://www.proagora.de/, https://www.biotafel.de/index.html
Wer Caterer in Deutschland mit biologischem und/oder fair gehandeltem Angebot kennt, bitte melden, damit sie in die Liste eingetragen werden können.

In vielen Regionen gibt es allerdings keine Caterer mit bio-Angebot. Vielleicht kannst du ja deine/eure Eltern und LehrerInnen dafür begeistern, das Schulessen selbst zu organisieren. Ein schönes Beispiel findest du am Schulzentrum Neckartenzlingen. Dort gibt es den Elternverein „Mensatreff Neckartenzlingen – Eltern kochen für Schüler e.V.“ Das Essen ist preiswert (weil nur der Einkaufspreis bezahlt wird), lecker, regional, oft auch vegetarisch und manchmal bio.

Auch am Carl-von-Linde Gymnasium in Kempten kochen Eltern und Großeltern für die Schülerinnen preiswert, immer auch vegetarisch, regional und (wenn es geht) bio. Für NachahmerInnen gibt es Tipps von Frau Sojat-Quaceci.

Und wenn dir das jetzt alles viel zu viel war, und du überhaupt nicht mehr weißt, wo du anfangen sollst, dann ganz ruhig. Hier gibt es für den zukunftsfähigen Lebensstil fünf einfache Regeln.

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5 Gedanken zu „Anders konsumieren

  1. Am 19. März kommt der dänischer Dokumentarfilm „Viel Gutes erwartet uns“ über einen biodynamischen Landwirt in Dänemark in die deutschen Kinos. „Niels ist ein idealistischer Landwirt. Er ist nicht einfach ein Bio-dynamischer Bauer, sondern räumt den Tieren Freiraum für ihre natürlichen Bedürfnisse ein, wie es sonst in der Landwirtschaft äußerst unüblich ist. Die Methode zahlt sich aus und seine Produkte werden von seinen Kunden überall gepriesen, unter anderem auch vom preisgekrönten Nobelrestaurant NOMA in Kopenhagen. Allerdings sorgen seine Praktiken auch für Skepsis bei den Kollegen und die Kontrollbehörde droht, ihm die Lizenz zur Viehzucht zu entziehen.

  2. Zu den Folgen der Fleischproduktion für die deutschen Landwirte, Konsumenten, Tiere und Menschen in Afrika gab es einen kurzen Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 7. Januar 2014 (Printausgabe: 8. Januar): http://www.fr-online.de/wirtschaft/landwirtschaft–viehzucht—tierhaltung-billig-fleisch-fuer-die-welt,1472780,25819794.html
    Siehe hierzu auch den neuen Fleischatlas 2014 https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/massentierhaltung/massentierhaltung_fleischatlas_2014.pdf

  3. Wenn wir Lebensmittel auch wirklich aufessen, statt sie in den Müll zu werfen, verkleinern wir ebenfalls unseren Footprint. Gründe für die Lebensmittelverschwendung und Tipps, was du dagegen tun kannst , findest du auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (https://www.zugutfuerdietonne.de/warum-werfen-wir-lebensmittel-weg/warum-werfen-wir-so-viel-weg/). Dort findest du auch eine Veröffentlichung mit allen Fakten, z. B. welche Lebensmittel wie häufig weggeworfen werden https://www.zugutfuerdietonne.de//fileadmin/_migrated/content_uploads/Studie-Kurzfassung_01.pdf.

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