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Was wir aus der Corona-Pandemie lernen können

von Petra Stechele und Stefan Simonis

Was in der Diskussion über unseren Umgang mit der Klimakrise in der Zeit vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie undenkbar sein sollte, plötzlich ist es möglich. Sogar mehr als das.

Es ging in der Diskussion um die Klimakrise unter anderem darum, Flugreisen zu reduzieren und stattdessen mehr Videokonferenzen abzuhalten, weniger Fleisch zu essen und generell weniger zu konsumieren. Niemand hatte je Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverbote, Einschränkung der Reisefreiheit oder ähnliches gefordert. Aber seit vier Wochen werden diese Maßnahmen akzeptiert, weil die Gefahr unmittelbar ist, für jeden einzelnen bedrohlich und somit allen die Notwendigkeit einleuchtet.

So wie es zurzeit aussieht, haben diese Maßnahmen auch den gewünschten Erfolg. Das bedeutet, wenn wir einer Gefahr gemeinsam entgegentreten, können wir sie meistern. Wie wäre es also, wenn wir aus dieser Erfahrung lernen und uns nun mit der gleichen Ernsthaftigkeit und dem gleichen Verständnis für die drohende Gefahr auch der Klimakrise zuwenden?

Die Klimakrise, wie übrigens auch die generelle Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen, ist zwar durch Corona aus der Diskussion verschwunden, aber sie ist nach wie vor eine drohende Gefahr. Das sehen wir aktuell an der wiederholten Dürre in Deutschland, welche die heimische Nahrungsmittelproduktion gefährdet und für die Landwirte und die Wälder zunehmend zum Problem wird, mit gleichzeitigen Überschwemmungen und Erdrutschen in Nordspanien und Südfrankreich. Auch aktuell ist es in Deutschland wieder zu warm und zu trocken, sodass wieder mit Dürre zu rechnen ist1.

Durch unser Wirtschaftssystem und somit durch unseren Lebensstil wird übrigens nicht nur die Klimakrise verursacht, sondern es werden auch Pandemien, wie wir sie gerade erleben, begünstigt und immer wahrscheinlicher werden. Weil der Mensch durch seine Wirtschaftsweise die Lebensräume für Wildtiere immer weiter verkleinert, dringen Wildtieren vermehrt in Kulturräume ein2, 3.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass über 70% der Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden, von Wildtieren stammen. Im Falle des Corona-Virus sind auf jeden Fall Schuppentiere und/oder Fledermäuse die Überträger gewesen, die auch auf chinesischen Märkten gehandelt werden und dort auf den Menschen überspringen können4. Aus unserer Intensivtierhaltung gelangen gelegentlich Hepatitis E (Schweine), Influenza-A-Virus H1N1 (Schweine/Geflügel), Influenza-A-Virus H5N1 (Geflügel), Influenza-A-Virus H7N9 (Geflügel) oder Noroviren (Rinder/Schweine) auf den Menschen5.

Unser weltumspannender Handel und unsere Reisefreude fördern die schnelle Ausbreitung dieser Krankheitserreger. Weiterhin vermuten Wissenschaftler, dass die Zahl der Infektionen mit der Klimakrise zunehmen wird, da hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit optimale Bedingungen schaffen6. Bereits im Jahr 2018 hatte Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Institutes, vor einer drohenden Pandemie gewarnt.7 Er war übrigens nicht der einzige Wissenschaftler, denn es geht schon länger diese Warnung in der Wissenschaft um8, die man genauso wenig wie die Warnung vor der Klimakrise beachtet hat. Denn sie ernst zu nehmen hätte bedeutet, dass man Konsequenzen hätte ziehen müssen, die Geld gekostet hätten, ohne sofortigen ersichtlichen Nutzen zu stiften, wie das mit der Gesundheitsvorsorge meist der Fall ist.

Da wir unsere Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlegt haben, wurden nicht nur Teile für die heimische Industrieproduktion knapp, sondern auch Medikamente und Schutzmasken9. Die Globalisierung fordert ihre Opfer nicht nur am anderen Ende der Welt, sondern auch bei uns. Nun wird auch deutlich, dass wir auf diejenigen, die bei uns die Opfer der Kosteneffizienz waren, alle dringend angewiesen sind. Statt weiterhin das Gesundheitswesen knappzuhalten, sollten wir uns beispielsweise den „Luxus“ einer gut funktionierenden Krankenversorgung mit ausreichenden und fair bezahlten Pflegekräften leisten.

Die Ursachen der Klimakrise, der Zerstörung von Ökosystemen und der immer wieder auftretenden Pandemien sind bekannt. Sie liegen in der Übernutzung unseres Planeten durch unseren Lebensstil.

Warum also nehmen wir die aktuelle Pandemie nicht zum Anlass, unseren Lebensstil und unser Wirtschaftssystem endlich grundsätzlich zu überdenken? Statt zu versuchen, mit Konsumanreizen neues Wachstum zu erzwingen, könnten wir jetzt eine nachhaltige Wirtschaftsweise fördern. Erneu­erbare Energien ausbauen, weniger und eher lokale Produkte konsumieren, mehr reparieren, sich gegenseitig helfen und akzeptieren, dass es Vollbeschäftigung in einer reifen Volkswirtschaft nur dann geben kann, wenn alle weniger arbeiten. Für einige wird es vielleicht keine Arbeit mehr geben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann dabei ein Teil der Lösung sein.10

Vor 50 Jahren hat die NASA aus einem Desaster einen Erfolg gemacht. Die Besatzung der Apollo 13 schwebte in Lebensgefahr, aber durch kluges und entschlossenes Handeln konnte sie gerettet werden. Heute ist die Besatzung des Raumschiffs Erde in Lebensgefahr. Handeln wir.

Anmerkung vom 2. Mai 2020: Siehe hierzu das Video Klartext Klima Folge 3.

Anmerkung vom 2. Juni 2020: Siehe hierzu das Video Droht uns ein Schocksommer?

1 https://www.dw.com/de/coronavirus-und-hitze-wie-wird-der-sommer-in-europa/a-53074424

2 https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/pandemien-und-ihre-ursachen-so-zuechtet-der-mensch-ungewollt-neue-seuchen-a-00000000-0002-0001-0000-000170323296

3 https://www.derstandard.de/story/2000116743480/wie-man-pandemien-in-zukunft-verhindern-kann

4 https://www.arte.tv/de/videos/096140-000-A/umweltzerstoerung-beeinflusst-epidemien/

5 https://www.deutschlandfunk.de/kampf-gegen-zoonosen-wenn-tiere-den-menschen-anstecken.724.de.html?dram:article_id=414993

6 https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fataler-klimawandel-erderwaermung-bringt-neue-epidemien-a-201934.html

7 https://www.derstandard.de/story/2000084471524/durch-klimawandel-drohen-pandemien-warnen-experten

8 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2176051/

9 https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/swr/corona-lieferketten-deglobalisierung-100.html

10 https://www.zeit.de/kultur/2020-04/neoliberalismus-krisen-kapitalismus-coronavirus-politik

Linkliste Klima Energie

In der Linkliste Klima Energie sind Artikel und Quellen zu verschiedenen Themen, wie Klimawandel, Kippelemente, Treibhausgasen, Energiewende oder auch Elektromobilität zusammengetragen. Diese Links sollen dem Faktencheck dienen. Wer neue und darüberhinausgehende Informationen kennt, darf sie gerne in den Kommentar stellen.

Klimawandel

siehe auch Ansehen/Klimawandel

IPCC: Klimaänderungen 2013 – Naturwissenschaftliche Grundlagen.
skepticalscience:
Fakten und Irrglaube
skepticalscience:
Das Handbuch zum Klimakonsens mit Antworten auf “Skeptiker”.
Süddeutsche Zeitung:
Anatomie einer Katastrophe  – Was die Klimakrise…
Fakt ist:
Über 90 Prozent der Klimaforscher sind überzeugt, dass maßgeblich der Men…
Bloomberg Businessweek (Grafik): What’s Really Warming the World?
Friedrich Ebert Stiftung (Podcast): Mythen um den Klimaschutz entzaubern.
Stefan Rahmstorf: Klimalounge. Wie viel CO2 kann Deutschland noch ausstoßen?
Volker Quaschning: Erneuerbare Energien und Klimaschutz.
Quaschning/Rahmstorf/Terli (12.12.19): Klartext Klima.
Quaschning/Rahmstorf/Terli (07.02.20): Klartext Klima Folge 2.
Quaschning/Rahmstorf/Terli/Göpel (01.05.20):
Klartext Klima Folge 3.
Quaschning/Rahmstorf/Terli/Kemfert (26.05.20):
Klartext Klima Folge 4.
UBA (Dez. 2019):
So erreicht Deutschland seine Klimaschutzziele…
Bildungsserver: Klimaprojektionen Afrika.
Bildungsserver: Klimaänderungen und Landwirschaft Afrika.
gesichter-afrikas.de:
Klimawandel und seine Auswirkungen in Afrika
Julia Schilly (08.10.17): Knappheit entsteht in Afrika nicht nur durch den Klimawandel.
Marlene Weiß (07.07.17): Lässt der Klimawandel Afrika ergrünen?
ZEITonline (14.02.20): Forscher messen neuen Temperaturrekord in der Antarktis.
Joachim Wille (22.02.20): Die Sahara ergrünt – ein bisschen.
Jürgen Paeger: Die Kosten des Klimawandels. Download: Stern-Report.
New Climate Economy (2014): Better Growth, Better Climate.

Tipping Points

Monika Seynsche (19.09.19): Was die Brände im Amazonas für die Zukunft bedeuten.
Monika Seynsche (24.09.19): Die Folgen der Amazonas-Brände.
Timothy Lenton et al. (29.11.19): Kipp-Elemente: Zu riskant, um gegen sie zu wetten.
Shanna Hanbury (20.12.19): “The tipping point is here, it is now”
Dom Phillips (23.10.19): Amazon rainforest ‘close to irreversible tipping point’

Treibhausgasemissionen

UBA (05.03.20): Tempolimit. Download: Klimaschutz durch Tempolimit.
UBA (25.04.19):
Treibhausgas-Emissionen in Deutschland.
UBA (25.04.19):
Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgasemissionen.
EU Parlament (07.03.18):
Treibhausgasemission nach Ländern und Sektoren.
UBA (10.01.16): Emissionquellen.
Weltagrarbericht: Klima und Energie (Treibhausgase in der Landwirtschaft)
Volker Quaschning: Spezifische Kohlenstoffemissionen verschiedener Brennstoffe.

Atomkraft als Mittel gegen den Klimawandel

Österreichische Energieagentur: Atomkraft weder klimafreundlich noch wirtschaftlich.
Andreas Wilkens (25.09.19): Atomkraft nicht geeignet als Lösung gegen Klimawandel.
Harald Lesch (17.05.17): Atomkraft ohne Risiko? Der Flüssigsalzreaktor.
Harald Lesch (18.12.19): Atomkraft jetzt! Rettung für das Klima?
Jan Oliver Löfken/Peter Fairley (25.03.19): Atomkraft – Die letzten ihrer Art.
Kai Stoppel (19.09.19): Rettet Atomkraft uns vor dem Klimakollaps?
Joachim Wille (29.10.19): Aussterbende Atomkraft.
Manfred Lindinger (05.12.19): Klimaschutz mit Kernfusion.
Sara Grasel (19.12.19): Fusionsenergie “Es gibt die Sonne schon, …”

Energiewende

siehe auch Ansehen/Energie

Volker Quaschning: Solarstromausbau für den Klimaschutz
Volker Quaschning:
Energie­aufwand zur Herstellung von Photovoltaik Anlagen
Gero Rueter (DW 26.02.20):
Was behindert die Energiewende?
Fraunhofer ISE (10.06.20):
Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland.
IWR (18.02.20):
Billiger Solarstrom setzt indische Kohlekraftwerke unter Druck.
pv magazin (14.02.20):
Klimaneutrales Energiesystem in Deutschland bis 2050…
Claudia Kemfert (20.11.19):
Energiewende -Mythen reloaded.
Jana Heck (25.03.19): Welche Art von Strom ist am günstigsten?
Fraunhofer ISE (02.01.20): Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland 2019
EneryWatchGroup (12.04.19): Globales Energieystem mit 100% Erneuerbaren Energien.
Joul (10.06.18):
Video – 5 Energiespeicher für die Zukunft der Energiewende.
Joul (25.03.18): Video – Energiewende Level 2: Sektorenkopplung
Fraunhofer ISE: Energy Charts Interaktive Grafiken zu Stromproduktion u. Börsenpreisen

Elektromobilität

siehe auch Ansehen/Elektromobilität

Move electric (27.02.21): Video: Umweltverschmutzer – Elektroautos gegen Verbrenner
electrive.net:
Informationen rund um Elektromobilität
Julian Affeldt (15.01.2018):
So viel Strom brauchen Autos mit Verbrennungsmotor.
Auke Hoekstra (16.02.20):
Producing gasoline and diesel emits more CO2 …
Manfred Schrödl (Podcast):
Wasserstoffautos sind keine Alternative zu Elektromobilität.
UBA (Sep. 2019): Sensitivität zur Bewertung der Kosten verschied…
Stefan Hajek (12.11.19): Wann Elektroautos sauberer sind als Verbrenner.
Martin Randelhoff (05.07.19): Batterieelektrisch vs. Brennstoffzelle vs. Power-to-X
Lisa Diez-Holz (08.11.19): Wie Akkus von Elektroautos recycelt werden.
Mario Hommen (19.12.19): Warum das Elektroauto ein zweites Leben hat.
Kira Welling (08.09.19): Lithium – Diese Länder haben die größten Reserven.
Laurence Kavanagh et al. (17.09.18): Global Lithium Sources – A Review.
Der Graslutscher (24.01.20): Über die wundersame Märchenrechnung …
Ecario (01.05.2020): Neue Studie – Elektroautos viel umweltfreundlicher.
Transport & Environment: How clean are electric cars? Mit CO2-Rechner.

E-Fuels & Agrokraftstoffe

Altemeier, I. & Buchen, S. (05.03.20): Biodiesel – Urwaldvernichtung fürs Klima.
Peter Ilg (07.03.20):
E-Fuels – Eine trügerische Hoffnung.

Energieverbrauch

Jürgen Paeger: Eine kleine Geschichte des menschlichen Energieverbrauchs.

Mir reichts! Greta!

von Grit Maroske
 
Dies ist der vollständige Text, den Grit Maroske am 16.  August 2019 auf Facebook veröffentlicht hat und der uns aus der Seele spricht. Da wir keine Freunde von Facebook sind und auch niemanden verleiten wollen, dort die eigenen Daten abzugeben, hier also der vollständige Text. Die Bilder haben wir aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.
Wer möchte, kann sich den Originalbeitrag von Grit Maroske hier ansehen.
 
Wir danken Grit Maroske sehr herzlich für die Genehmigung, den Text hier noch einmal posten zu dürfen. Dank auch an Alina Kalk, die den Kontakt herstellte und das ermöglichte.
 
Seit Wochen lese ich jetzt Kommentare unter den Berichten über die von Greta Thunberg ins Leben gerufene Bewegung “Fridays For Future”. Seit Wochen versuche ich, maßvoll und vernünftig zu argumentieren. Seit Tagen sehe ich mit zunehmendem Entsetzen, wie sich auch in meinem Freundeskreis hier immer mehr Greta-Hasser outen, wie sie Fakebildchen und Fakeberichte teilen, wie sie sich echauffieren, wie sie sie plötzlich von erwachsenen, gebildeten, vernünftigen Leuten in einen geifernden Mob verwandeln, der seine Verachtung für dieses Mädchen und ihre Bewegung in die Kommentarspalten und auf die Timeline rotzt. Seit Stunden sitze ich hier und grüble – bis heute war ich geduldig und tolerant, aber JETZT REICHTS!!!

Du da draußen, der du es nötig hast, Bilder von 16jährigen Mädchen zu klauen, zu verfremden und ungefragt tausendfach zu teilen, der du kein Problem darin siehst, Persönlichkeitsrechte zu verletzen und Falschmeldungen zu verbreiten und Hass gegen einen Teenager zu schüren, dessen einziges Verbrechen es ist, sich Sorgen um die Zukunft zu machen: Schämst du dich eigentlich gar nicht? Hast DU Kinder?
Wie wäre es, wenn du mal einen Moment dein Resthirn nutzt und dich fragst wie du es fändest, wenn man dasselbe mit Fotos deiner Kinder machte? Ganz ehrlich: wäre Greta meine Tochter, würde ich dir dafür so in den Arsch treten, dass du klimaneutral bis Timbuktu fliegen könntest.
Du, mir persönlich ist es völlig egal, ob du weiter der Religion der Schnitzelanbeter frönst. Von mir aus iss jeden Tag ein halbes Schwein, das stört mich nicht. Kauf dein Billigfleisch im Supermarkt und genieße es. Mir buchstäblich Wurscht.

Es interessiert mich auch nicht wirklich, ob du persönlich gern -zigmal im Jahr in den Urlaub fliegst. Ob du gern auf Kreuzfahrtschiffen fährst. Ob in deiner Garage nun ein SUV steht oder ob es zwei sind. Ich gönn dir das.

Von mir aus kannst du in deinem Vorgarten Altreifen verbrennen oder alles schön sauber zubetonieren, damit es immer schön ordentlich aussieht und die Nachbarn nichts zu meckern haben. Ist doch dein Leben. Dein Vorgarten. Deine Betonwüste.

Dein Lifestyle ist mir egal. Ich will dich weder überzeugen noch überreden. Ich will dir nichts wegnehmen oder verbieten. Wenn du glaubst, deine Glückseligkeit hängt an Plastetüten, Strohhalmen und Einweggeschirr: von mir aus werde glücklich damit, behäng dich damit und freu dich.

Kauf dir von mir aus jedes Jahr ein neues Auto, ein neues Handy, einen noch größeren Fernseher oder was du sonst zum Leben brauchst. Schön, dass du es dir leisten kannst – lass krachen. Kapitalismus lebt von Konsum, Baby.


Aber halte doch bitte, bitte einfach die Klappe, wenn andere Leute den Ernst der Lage erkannt haben und für sich persönlich entscheiden: ein WEITER SO geht nicht.

Halte einfach die Finger still, freu dich dass es dir (noch) gut geht und du in Saus und Braus leben kannst ohne auf etwas zu verzichten.

Was mir nicht egal ist: die Zukunft meiner 5 Kinder, meiner zwei Enkelkinder, meiner noch ungeborenen Urenkel. Was mir nicht egal ist: Die Zukunft dieses Landes, dieses Planeten.

Was mir nicht egal ist: wenn meine 10-jährige Tochter vor mir steht und sagt: “Mama, ich habe echt Angst, wie die Welt in 10 Jahren aussieht. Ihr habt es verkackt, aber gründlich!” und ich ihr beschämt zugestehen muss, dass sie Recht damit hat. Wir haben aus dieser Welt einen einzigen Sauhaufen gemacht. Immer weiter, schneller, besser, mehr.

Was mir nicht egal ist: die Kinder, die in Asien, in Afrika und Lateinamerika in unserem MÜLL wühlen, die in Indien auf Müllkippen leben und mit bloßen Händen Elektroschrott sortieren und an die giftigen Dämpfen verrecken, während sie Plaste vom Metall brennen.
 
Was mir nicht egal ist: dass die Polkappen schmelzen, so schnell, dass man es mit bloßem Auge beobachten kann. Die Folge: meterhoher Schnee in Australien, Überschwemmungen in Nordamerika, Menschen verlieren schon jetzt dort ihre Heimat durch den ansteigenden Meeresspiegel, Tierarten verlieren ihren Lebensraum und sterben aus.
 
Was mir nicht egal ist: Ganze Länder und Meere versinken im Müll, den wir hinterlassen. In 50 Jahren wird sich kaum noch ein Mensch an mich erinnern. Der Müll, den ich in den letzten 50 Jahren meines Lebens produziert habe, wird dann größtenteils immer noch in der Pampa liegen und verrotten. Eine Einkaufstüte schwimmt 10 bis 20 Jahre lang im Meer, bis sie vollständig zerrieben ist, ein Styroporbecher braucht 50 Jahre, um zu zerbröseln. Eine PET-Flasche zerfällt erst innerhalb von 450 Jahren, eine Angelschnur in 600 Jahren. Aber hey, was soll´s, nicht wahr? Ist ja dann nicht mehr unser Problem.

Was mir nicht egal ist: wenn majestätische Fische wie die Mantarochen durch den Ozean segeln und sich die Bäuche mit Müll füllen. Das ist mir nicht egal, denn es bricht mir das Herz. Das gilt auch für Seeschildkröten, Wale, Seevögel aller Art, die jämmerlich an unserem Plastikdreck verrecken.
 
Was mir nicht egal ist: wenn es irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft keinen einzigen Ort mehr geben wird, den man noch bereisen kann, weil wir alles vergiftet, verseucht, verbaut und vermüllt haben.
 
Was mir nicht egal ist: dass die globale Erwärmung zu immer größeren Schäden führt, die man jetzt schon sehen kann, wenn man nicht ganz blind ist. Die Arktis brennt seit Monaten. In Sibirien sind fast 3 Millionen Hektar uralter Wald verbrannt. In Borneo verbrennen Urwälder und ja – leider auch die in ihnen lebenden Orang Utans.
 
Was mir nicht egal ist: Unsere Wälder sterben. Unsere Singvögel sterben. Unsere Insekten sterben.

Uno-Bericht Eine Million Arten vom Aussterben bedroht
  • 85 Prozent der Feuchtgebiete sind bereits zerstört
  • Seit dem späten 19. Jahrhundert sind rund die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden
  • Neun Prozent aller Nutztierrassen sind ausgestorben
  • Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 wurden 100 Millionen Hektar tropischer Regenwald abgeholzt – weitere 32 Millionen Hektar allein zwischen 2010 und 2015
  • 23 Prozent der Landfläche des Planeten gelten als ökologisch heruntergewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden
  • Der Verlust von Bestäuberinsekten bedroht Nahrungsmittelproduktion im Wert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr
  • Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen gefährdet
  • Allein die vom Menschen verursachte Erderhitzung könnte rund fünf Prozent der Arten auslöschen, wenn der Schwellenwert von zwei Grad Celsius globaler Temperaturerhöhung überschritten werde
  • Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor zehn bis Hunderte Male höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre, und sie wächst

    Wir opfern für noch mehr Konsum alles, was wir zum Leben brauchen: Wasser, Luft, Natur, Umwelt. Wir machen alles kaputt. Hauptsache, es gibt jederzeit billiges Schweinefleisch zu kaufen.
Das alles muss dich nicht interessieren. Es darf dich kaltlassen. Du musst nichts ändern, Kumpel, dich nicht einschränken. Freiheit, Baby: du kannst tun und lassen was du willst.
Aber eins solltest du nicht mehr tun: deine Sülze zu Greta, zu Fridays For Future, zur drohenden Klimakatastrophe ungeniert von dir geben.

Du willst, dass für dich alles beim Alten bleibt? Okay. Dann halte wenigstens die Fresse, wenn andere etwas tun, um auch deinen Planeten zu retten. Tu dir und uns den Gefallen: verschwende nicht unsere Zeit, verbrauche für deine überflüssigen copy&paste- Kommentare keine Ressourcen, schone unsere Nerven. Genieß dein Leben und halt´s Maul. Ist denn das so schwer?

Der Rest von uns wird überlegen, wie wir diesen Wahnsinn noch aufhalten können. Wir werden Müll sammeln und recyclen, wir werden für den Kohleausstieg demonstrieren, wir werden mit unseren Kindern Freitags gemeinsam auf die Straße gehen, wir werden lokal und regional und saisonal einkaufen, wir werden auf Plastikverpackungen verzichten, wir werden vegetarische Wurst ausprobieren und Fleisch – wenn überhaupt – nur noch selten und bewusst konsumieren, wir werden keinen Mist mehr bei Amazon kaufen, wir werden seltener in den Urlaub fliegen und mehr Fahrrad fahren, wir werden unsere Häuser in den Energiesparmodus bringen und keine Kippen mehr auf die Straße werfen, wir werden für mehr ÖPNV kämpfen und Insektenhotels aufhängen und Kindern etwas über nachhaltiges Leben beibringen und Bäume für sie pflanzen.

Du musst also gar nichts tun, Kumpel. Sei einfach nur still. Mach das Internet aus und leb dein Leben. Danke.


http://lebensraum-permakultur.de/massentierhaltung-umweltverschmutzung-kunst-in-der-haesslichkeit/

https://www.focus.de/panorama/videos/groesste-jauchegrube-der-welt-eine-drohne-fliegt-ueber-eine-schweinefarm-und-filmt-verstoerendes_id_4379492.html

https://globalmagazin.com/themen/wissenschaft/eisbaeren-survival-of-the-fattest/

https://globalmagazin.com/themen/klima/arktis-eis-mit-rekord-schmelze/

https://www.nau.ch/news/europa/waldbrande-in-sibirien-breiten-sich-weiter-aus-65562165

https://www.svz.de/deutschland-welt/panorama/Seit-Juni-wueten-beispiellose-Waldbraende-in-der-Arktis-id24889387.html

https://www.stern.de/politik/deutschland/der-wald-in-deutschland-ist-bedroht—unsere-baeume-sind-todkrank-8827458.html

http://www.bund-rvso.de/vogelsterben-ursachen.html

https://www.regenwald.org/regenwaldreport/2015/437/feuer-auf-borneo-rettung-fuer-die-orang-utans-in-hoechster-not

https://unserplanet.net/nachdem-sie-diese-fotos-gesehen-haben-werden-sie-alles-recyceln-wollen/

https://explore-magazine.de/articles/die-verschmutzung-der-ozeane-14-schonungslosen-bildern.html

https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/der-greenpeace-bericht-exeter-studie-zu-elektroschrott-asien

https://www.arte.tv/de/videos/086702-000-A/indien-die-stimme-der-kinder/

https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/folgen-des-klimawandels/polkappen-schmelzen-meeresspiegel-steigt?BannerID=0818005015001047&gclid=CjwKCAjwqNnqBRATEiwAkHm2BAYeqMPNgntV_8YmkzrgP8o7GM9td0fKAjJs4y0AdQCI0nxKUnNz5RoCra4QAvD_BwE

https://de.wikipedia.org/wiki/Folgen_der_globalen_Erw%C3%A4rmung_in_der_Arktis

https://www.boell.de/plastikatlas

https://www.zeit.de/2015/26/plastikmuell-nordsee-recycling-umweltschutz

Earth Overshoot Day 2019

Schlaraffenland ist abgebrannt!

Die Überschrift klingt dramatisch, aber sie ist der Lage angemessen. Wir brechen gerade einen Rekord nach dem anderen. Von April 2018 bis April 2019 lagen die Temperaturen stets über dem langjährigen Mittel. Auf den kühlen Mai 2019 folgt der heißeste jemals gemessene Juni. Die arktischen Eisschilde schmelzen schneller und der Permafrostboden in der Arktis taut 70 Jahre früher auf als vorhergesagt. In der Arktis brennen die Wälder und auch in Deutschland sterben die Wälder, weil es zu heiß und zu trocken ist.

Dank Fridays for Future und Extinction Rebellion ist die Klimakatastrophe auf der Tagesordnung der Politik, aber die Regierung tut sich schwer, schnelle und wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. Stattdessen wird mit dem Argument der Arbeitsplatzsicherung alles versucht, die Industrie zu schonen. Doch das ist kurzsichtig, denn Arbeitsplätze lassen sich dauerhaft nur durch einen zügigen Strukturwandel erhalten. Und die Kosten der Klimakatastrophe und ihrer Folgen werden die Kosten für die Schadensbegrenzung deutlich übersteigen. Ach ja, die Hoffnung, dass dies erst spätere Generationen betreffen wird, kann man bei der augenblicklichen Dynamik der klimatischen Veränderungen getrost vergessen.

Aber nicht nur die Politik ist unfähig zu handeln, sondern auch wir Bürger. Die Fluggastzahlen steigen weiter, es werden weiterhin viel zu große und viel zu viele Autos gekauft und der Versandhandel boomt. Der Fleischkonsum ist mit ca. 60 Kilogramm pro Person noch immer auf hohem Niveau und wir werfen pro Person noch immer mehr als 85 Kilogramm an Lebensmittel in den Müll.  Und offensichtlich beziehen noch immer zu wenige Menschen Ökostrom, sonst wären die Kohlekraftwerke schon längst abgeschaltet.  Wir tun so, als wäre grenzenloser Naturverbrauch möglich.

Doch heute, am 29. Juli 2019,  sind nach Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir wieder von der Sub­stanz. Und so langsam bemerken wir, dass das nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen und Menschen in anderen Teilen der Welt geht, sondern dass uns das direkt betrifft. Die Klimakatastrophe ist längst im Gange, verändert nicht nur in anderen Weltregionen ganze Ökosysteme, vernichtet nicht nur dort viele Tier- und Pflanzenarten und treibt Menschen zur Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können. Auch hier bekommen wir es jetzt zu spüren. Außergewöhnliche Hitze und Trockenheit haben auch in Deutschland im letzten Jahr bei Getreide zu Ernteausfälle von 19% geführt. Tier- und Pflanzenarten werde auch bei uns durch den Klimawandel bedroht. Bisher hier unbekannte Arten wandern dagegen ein und verändern die Artengemeinschaften. Extremwetterlagen sorgen dafür, dass Ernten auf den Äckern verdorren oder wertvoller Ackerboden fortgespült wird. Während die Einen  das Badewetter genießen, bangen die Anderen um ihre Existenz. Aber wir werden bald alle merken, dass auch wir vom Klimawandel bedroht sind. Nicht nur an den steigenden Nahrungsmittelpreisen.

Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den “Welterschöpfungstag” oder “Earth Overshoot Day”, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum wieder neu bilden kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Kennzahlen des Earth Overshoot Day 2019

Die Biokapazität der Erde ist zwischen 1961 und 2014 zwar fast um 27% angestiegen, doch gleichzeitig hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Dadurch hat sich die Biokapazität pro Kopf global von 3,1 gha auf 1,7 gha fast halbiert. In diesem Zeitraum hat sich der Ökologische Fußabdruck pro Kopf global um ca. 24% von 2,29 gha auf 2,84 gha vergrößert.

Stärker als im globalen Trend ist in Deutschland zwischen 1961 und 2014 die Biokapazität absolut um ca. 44% angestiegen, das Bevölkerungswachstum dagegen nur um etwa 9,5%.  Damit ergibt sich eine Zunahme der Biokapazität pro Kopf um 31% von 1,36 gha auf 1,79 gha und eine Vergrößerung des  Footprints pro Kopf um 18% von 4,27 gha auf 5,05 gha.

Der Anstieg der Biokapazität, darüber sollte sich niemand täuschen lassen, war nur durch den Einsatz billigen Erdöls in der industriellen Landwirtschaft möglich. Der Einsatz von immer größeren Maschinen, Dünger und Pestiziden hat zu höheren Erträge geführt. Doch erkauft haben wir uns den Anstieg der Biokapazität auf der anderen Seite mit der Verdichtung, Auslaugung und Abschwemmung der Ackerböden, Grundwasserver-schmutzung durch Gülle, Pestizide und Dünger sowie einem ständig zunehmenden CO2-Ausstoß. Das wird auf Dauer aber die Biokapazität verringern.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,7 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Es bleibt dabei: Grundsätzliches Umdenken in Politik und Wirtschaft und Verhaltensänderungen jedes Einzelnen sind zwingend notwendig.

Es hat keinen Sinn, sich immer nur an den Symptomen abzuarbeiten. Fluchtursachen bekämpfen heißt nicht, Zäune zu ziehen und Lager zu bauen. Fluchtursachen bekämpfen bedeutet, Lebensbedingungen auch in anderen Regionen der Erde zu erhalten, unter denen Menschen dort gut leben können. Dürreschäden bei uns kann man nicht durch Soforthilfen in Milliardenhöhe beikommen, sondern nur durch eine geänderte Landwirtschaft und mit der drastischen Verringerung des CO2-Ausstoßes. Das bedeutet aber das Ende der industriellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung, Pestizid-  und  Düngereinsatz, eine andere Verkehrspolitik mit deutlicher Verringerung des Individualverkehrs und dem Ausbau des Schienennetzes sowie einem sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Und ganz Grundsätzlich müssen wir weg von dem Gedanken des grenzenlosen Wirtschaftswachstums, denn das ist mit einem immer weiter zunehmenden Ressourcenverbrauch verbunden. Grenzenloser Konsum als Voraussetzung für grenzenloses Wachstum ist aber in einer begrenzten Welt schon logisch nicht möglich.

Wenn Bruno Latour in seinem kürzlich erschienenen Buch “Das terrestrische Manifest” recht hat (und ich befürchte er hat recht), dann können wir von den Eliten dieser Welt nichts mehr erwarten. Sie wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber sie machen so weiter, weil es sie nicht interessiert, wie es den Menschen ergehen wird. Sie haben die Zukunft aufgegeben und leben nur noch im hier und jetzt. Und machen jetzt ihre Profite. Statt uns abzuschotten in der sinnlosen Hoffnung, wir könnten unseren kleinen Wohlstand erhalten, sollten wir endlich Mitgefühl und Solidarität mit allen Wesen auf diesem Planeten entwickeln. Denn die Nächsten, die nicht mehr wissen werden, wie sie überleben können und wohin sie fliehen sollen, werden wir sein. Dabei geht es, das sollte deutlich geworden sein, nicht darum, über die Aufnahme von Flüchtlingen zu streiten, sondern darum, dass wir unseren Lebensstil so ändern, dass wir nicht auf Kosten anderer leben.

Dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten:

http://www.footprintcalculator.org/
https://www.fussabdruck.de
https://www.footprintnetwork.org/
https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen)
https://take5.plattform-footprint.de
https://www.transition-initiativen.de/
https://www.overshootday.org/ (mit Vorschlägen, wie jeder von uns SOFORT seinen Footprint verkleinern kann)

Höchste Zeit

Es wird höchste Zeit,

dass die Politik ernsthafte und wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel unter­nimmt. Bisher haben Politiker nur mit schönen Worten und Absichtserklärungen geglänzt. Aber das Problem wird noch immer nicht wirkungsvoll angegangen. Global lag der Kohlen­stoffdioxidausstoß im Jahr 2018 um 2,7 Prozent höher als im Vorjahr und ist damit höher als je zuvor1. Gegen diesen Trend sind die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im Jahr 2018 erfreulicherweise um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Dies allerdings nicht als Ergebnis einer halbwegs erfolgreichen Politik. Der Rückgang ist vielmehr der außergewöhnlich warmen und trockenen Witterung im letzten Jahr geschul­det. Es wurde weniger geheizt und infolge der Dürre waren die Pegelstände der Flüsse so niedrig, dass die Frachtschiffe weniger Heizöl und Kohle transportieren konnten und somit die Energiepreise stiegen.2 Betrachtet man sich den deutschen Strommix, stellt man fest, dass der Anteil der Braunkohle im Laufe der letzten 28 Jahre nur geringfügig abgenom­men hat3. Und ob die Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung wirklich CO2-Emissionen einspart ist mehr als fraglich. Massenhafter Maisanbau mit Einsatz von Pesti­ziden, Dünger und Maschinen sorgt für eine schlechte Klimabilanz, bedroht Tier- und Pflanzenarten und degradiert die Böden. Wieso tut sich die Politik so schwer, ihre nicht einmal ambitionierten Klimaziele zu erreichen? Den Treibhausgas-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren, wird Deutschland nicht schaffen, wenn nicht endlich geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Bereits die Kli­maziele für das Jahr 2020 werden laut dem Klimaschutzbericht der Bundesregierung nicht erreicht werden.4 Die Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke im Jahr 2038 ist eindeutig zu spät, um die selbstgesetzten Ziele zu erreichen. Stefan Rahmstorf hat eindrucksvoll ge­zeigt, dass wir in Deutschland den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß jährlich um 6 Prozent redu­zieren müssten und im Jahr 2036 gar nichts mehr emittierten dürften, um die Klimaerwär­mung unter 2 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten5.

Da fragt man sich schon, warum die Politik so untätig ist und im Gegenteil sogar weiter die fossilen Energien fördert. Denn die Staaten der G7 (USA, Deutschland, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien) fördern jährlich mit rund 100 Milliarden US-Dollar Kohle, Gas und Öl6. Die Weltbank investiert mit ca. 21 Milliarden US-Dollar in fossile Ener­gieträger, dagegen nur mit 15 Milliarden in erneuerbare Energien7. Die Einführung des Emissionshandels hat nicht zu der erwarteten Verringerung des CO2-Ausstoßes geführt. Zum einen, weil zu viele Zertifikate kostenlos in Umlauf gebracht wurden. Zum anderen aber, weil andere CO2-Emittenten, wie beispielsweise der Verkehrssektor, damit gar nicht erfasst werden8. Wenn der Emissionshandel auf internationaler Ebene nicht funktioniert, dann braucht es nationale Regeln. Dazu gehört beispielsweise die Besteuerung von Koh­lenstoffdioxid. Mit der gleichzeitig kompletten Streichung der EEG-Umlage wird Strom auch für geringe Einkommen bezahlbar bleiben9 10. Damit wird Strom aus erneuerbaren Quellen billiger, während der Kohlestrom deutlich teurer würde. Dann hat sich die leidige Diskussion um die Abschaltung von Kohlekraftwerken und eventueller Entschädigungsan­sprüchen der Kraftwerksbetreiber von selbst erledigt. Wenn die Rahmenbedingung stim­men, kann der Markt auch funktionieren.

Nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds würde eine CO2-Steuer von 70 US-Dollar pro Tonne allein in den G20-Staaten jährlich Einnahmen zwischen 630 Milliar­den und 1,58 Billionen US-Dollar generieren. Damit könnten die Kosten für einen Umstel­lung der weltweiten Energieversorgung auf 86 Prozent erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 in Höhe von jährlich 480 Milliarden US-Dollar finanziert werden11.

So lange sich aber Politiker von Konzernen zu sehr beeinflussen lassen, wird sich an die­ser Politik vermutlich nichts ändern. Es geht nicht um plumpe Bestechung, sondern um Einflussnahme auf den Gesetzgebungsprozess durch externe Mitarbeiter, die von den Konzernen zur Verfügung gestellt werden und an Gesetzestexten mitschreiben. Sowie um Manipulation der Abgeordneten durch Wirtschaftsvertreter. Wenn sich Verkehrsminister weigern, geltende Gesetze zur Luftreinhaltung umzusetzen oder Maßnahmen zur Redukti­on der CO2-Emissionen aus dem Automobilverkehr zu ergreifen, beschädigen sie das An­sehen der Politik und leistet der Automobilindustrie einen Bärendienst. Denn die Zukunft des Automobils wird elektrisch sein. Während der Marktanteil der Elektroautos in Deutsch­land noch knapp 2 Prozent beträgt, liegt er in China bei 4,6 Prozent, in den Niederlanden bei 5,2 Prozent und in Norwegen bereits bei 47,9 Prozent12. Die Zulassungszahlen für Elektroautos werden in dem Maß zunehmen, in dem die Akkus leistungsfähiger und die Herstellungskosten niedriger werden. Das ist eine Entwicklung, wie sie bei jeder neuen Technologie zu beobachten ist. Und mit dem Siegeszug der Elektroautos werden viele Ar­beitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen. Dieser Strukturwandel muss vorbe­reitet werden. Statt dessen sichert die aktuelle Verweigerungshaltung der Politik nur die Gewinne der Konzerne und deren Aktionäre.

Seit dem Klimaabkommen von Paris haben die fünf größten Ölkonzerne jährlich etwa 200 Millionen Dollar in Lobbyarbeit investiert, um damit eine Politik zu verhindern, die zum Er­reichen der in Paris vereinbarten Klimaziele nötig wäre13. Es ist höchste Zeit, dass in Deutschland ein verpflichtendes Lobbyregister eingeführt wird, damit wir endlich wissen, welcher Politiker mit welchem Lobbyvertreter gesprochen hat14. Es darf nicht länger hinge­nommen werden, dass Politiker nach dem Ende ihrer Politikerlaufbahn zur Industrie und deren Lobbyverbänden wechseln und sich ihr Insiderwissen und ihre Kontakte vergolden lassen.

Dieser Planet darf nicht den Profitinteressen von wenigen geopfert werden. Ich behaupte, die meisten Menschen beteiligen sich nicht aus bösem Willen an der Zerstörung der Erde, sondern weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Oder es wird ihnen zu leicht gemacht, sich klimaschädlich zu verhalten. Wer auf sein Auto angewiesen ist, weil er oder sie sonst man­gels Alternativen nicht zur Arbeit oder in die Stadt kommt, hat eben keine Wahl. Wenn Fleisch und Fliegen so verlockend billig ist, braucht es schon viel Überzeugung und Wil­lenskraft, diese Angebote nicht zu nutzen. Und ich bin mir sicher, dass viele gar nicht wissen, was sie anrichten, weil die Auswirkungen des Konsumverhaltens verschleiert wer­den. Wenn in der Werbung für das billige Fleisch die Bilder der leidenden Tiere, deren grausame Schlachtung und der für die Futtermittel abgeholzten Regenwaldflächen gezeigt würden, verginge vielen der Appetit. Wenn der neue SUV im Werbespot nicht durch unbe­rührte Landschaften, sondern durch die infolge des Klimawandels verwüsteten Landstriche führe, dann würde vielleicht auch der Ottomotor-Normalverbraucher verstehen, was diese Dinger anrichten. Wenn in jeder Werbung für Billigflüge auch die Folgekosten in Klima­schäden und Menschenleben angegeben würden, gingen die Fluggastzahlen vermutlich zurück. Im Gegensatz zum Rauchen, bei dem ich selbst entscheide, wie viel Leid mir der „Genuss“ wert ist, wäre das nämlich keine Privatsache mehr.

Daher sind die Forderungen, wie sie von „Fridays for Future“ gestellt werden, Kohleaus­stieg bis 2030 sowie Nettonull-Emission und Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Ener­gie bis 2035, mehr als berechtigt und das absolute Minimum. Sie fordern die Abschaffung der Subventionen für fossile Energieträger bis Ende 2019, die Abschaltung von einem Viertel der Kohlekraftwerke und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen von 180 € pro Tonne CO2, die sich an den Klimafolgekosten orientiert. 15 Einen Schritt weiter geht die Bewegung „Extinction Rebellion“. Sie fordern Nettonull-Emission bis 2025, die Aufhebung aller Gesetze, die der Bewältigung der ökologischen Krise im Wege stehen und mehr Bür­gerbeteiligung. Es klingt alles noch etwas schwammig, aber sie fordern nichts anderes als einen Systemwechsel. Und sie haben damit vermutlich recht. Die nächsten Tage und Wo­chen werden wir sicherlich noch von ihnen hören, denn vom 15. bis zum 29. April soll es an mehreren Orten in Deutschland Aktionen von ihnen geben16. Mit Vorträgen, zivilem Un­gehorsam und friedlichem Protest wollen sie auf den dringend notwendigen Systemwech­sel aufmerksam machen.

In Augsburg haben sich Menschen zusammengefunden, die einen Systemwechsel versu­chen wollen. Rekommunalisierung städtischer Kapitalbetriebe, die Ausrichtung der regio­nalen Wirtschaft auf das Gemeinwohl, solidarische Landwirtschaft, schnellstmögliche Um­stellung auf 100 Prozent erneuerbare Energie und eine Verkehrswende mit kostenlosem ÖPNV sind nur einige Punkte davon17.

Earth Overshoot Day 2018

Unfassbar! Schon wieder pleite!

Welche Bank würde akzeptieren, dass man ständig mit seinem Konto im Minus ist und seine Schulden nicht zurückzahlt? Keine! Würde ein vernünftig haushaltender Mensch dauerhaft mehr verbrauchen, als den Ertrag aus seinem Vermögen? Vermutlich nicht! Aber wir tun so, als wäre das in Bezug auf unseren Naturverbrauch möglich. Doch heute, am 1. August 2018,  sind nach Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir wieder von der Sub­stanz. Und so langsam bemerken wir, dass das nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen und Menschen in anderen Teilen der Welt geht, sondern dass uns das direkt betrifft. Der Klimawandel ist längst im Gange, verändert nicht nur in anderen Weltregionen ganze Ökosysteme, vernichtet nicht nur dort viele Tier- und Pflanzenarten und treibt Menschen zur Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können. Auch hier bekommen wir es jetzt zu spüren. Außergewöhnliche Hitze und Trockenheit sorgt auch in Deutschland für Ernteausfälle. Tier- und Pflanzenarten werde auch bei uns durch den Klimawandel bedroht. Bisher hier unbekannte Arten wandern dagegen ein und verändern die Artengemeinschaften. Extremwetterlagen sorgen dafür, dass Ernten auf den Äckern verdorren oder wertvoller Ackerboden fortgespült wird. Während die Einen  das Badewetter genießen, bangen die Anderen um ihre Existenz. Aber wir werden bald alle merken, dass auch wir vom Klimawandel bedroht sind. Nicht nur an den steigenden Nahrungsmittelpreisen.

Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den “Welterschöpfungstag” oder “Earth Overshoot Day”, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum wieder neu bilden kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Kennzahlen des Earth Overshoot Day 2018

Die Biokapazität der Erde ist zwischen 1961 und 2014 zwar fast um 27% angestiegen, doch gleichzeitig hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Dadurch hat sich die Biokapazität pro Kopf global von 3,1 gha auf 1,7 gha fast halbiert. In diesem Zeitraum hat sich der Ökologische Fußabdruck pro Kopf global um ca. 24% von 2,29 gha auf 2,84 gha vergrößert.

Stärker als im globalen Trend ist in Deutschland zwischen 1961 und 2014 die Biokapazität absolut um ca. 44% angestiegen, das Bevölkerungswachstum dagegen nur um etwa 9,5%.  Damit ergibt sich eine Zunahme der Biokapazität pro Kopf um 31% von 1,36 gha auf 1,79 gha und eine Vergrößerung des  Footprints pro Kopf um 18% von 4,27 gha auf 5,05 gha.

Der Anstieg der Biokapazität, darüber sollte sich niemand täuschen lassen, war nur durch den Einsatz billigen Erdöls in der industriellen Landwirtschaft möglich. Der Einsatz von immer größeren Maschinen, Dünger und Pestiziden hat zu höheren Erträge geführt. Doch erkauft haben wir uns den Anstieg der Biokapazität auf der anderen Seite mit der Verdichtung, Auslaugung und Abschwemmung der Ackerböden, Grundwasserverschmutzung durch Gülle, Pestizide und Dünger sowie einem ständig zunehmenden CO2-Ausstoß. Das wird auf Dauer aber die Biokapazität verringern.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,7 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Es bleibt dabei: Grundsätzliches Umdenken in Politik und Wirtschaft und Verhaltensänderungen jedes Einzelnen sind zwingend notwendig.

Es hat keinen Sinn, sich immer nur an den Symptomen abzuarbeiten. Fluchtursachen bekämpfen heißt nicht, Zäune zu ziehen und Lager zu bauen. Fluchtursachen bekämpfen bedeutet, Lebensbedingungen auch in anderen Regionen der Erde zu erhalten, unter denen Menschen dort gut leben können. Dürreschäden bei uns kann man nicht durch Soforthilfen in Milliardenhöhe beikommen, sondern nur durch eine geänderte Landwirtschaft und mit der drastischen Verringerung des CO2-Ausstoßes. Das bedeutet aber das Ende der industriellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung, Pestizid-  und  Düngereinsatz, eine andere Verkehrspolitik mit deutlicher Verringerung des Individualverkehrs und dem Ausbau des Schienennetzes sowie einem sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Und ganz Grundsätzlich müssen wir weg von dem Gedanken des grenzenlosen Wirtschaftswachstums, denn das ist mit einem immer weiter zunehmenden Ressourcenverbrauch verbunden. Grenzenloser Konsum als Voraussetzung für grenzenloses Wachstum ist aber in einer begrenzten Welt schon logisch nicht möglich.

Wenn Bruno Latour in seinem kürzlich erschienenen Buch “Das terrestrische Manifest” recht hat (und ich befürchte er hat recht), dann können wir von den Eliten dieser Welt nichts mehr erwarten. Sie wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber sie machen so weiter, weil es sie nicht interessiert, wie es den Menschen ergehen wird. Sie haben die Zukunft aufgegeben und leben nur noch im hier und jetzt. Und machen jetzt ihre Profite. Statt uns abzuschotten in der sinnlosen Hoffnung, wir könnten unseren kleinen Wohlstand erhalten, sollten wir endlich Mitgefühl und Solidarität mit allen Wesen auf diesem Planeten entwickeln. Denn die Nächsten, die nicht mehr wissen werden, wie sie überleben können und wohin sie fliehen sollen, werden wir sein. Dabei geht es, das sollte deutlich geworden sein, nicht darum, über die Aufnahme von Flüchtlingen zu streiten, sondern darum, dass wir unseren Lebensstil so ändern, dass wir nicht auf Kosten anderer leben.

Dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten:

http://www.footprintcalculator.org/#!/
https://www.fussabdruck.de
https://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/
https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen)
https://take5.plattform-footprint.de
https://www.transition-initiativen.de/
https://www.overshootday.org/ (mit Vorschlägen, wie jeder von uns SOFORT seinen Footprint verkleinern kann)

Aufzeichnung des Livestreams vom 1. August 2018 ,  8:00 Uhr MEZ

Bundestagswahl 2017

Es ist mal wieder so weit: Am 24. September 2017 ist die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag, der Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland. Das ist die Gelegenheit, die Richtung der Politik zu bestimmen. Bestimmt braucht es im Anschluss an die Bundestagswahl noch oft unsere Einmischung als mündige Bürger, um klar zu machen, was wir für nötig und richtig halten. Eine friedliche und zukunftsfähige Welt wird nicht durch Meckern erreicht, sondern durch echte Veränderung und persönliches Engagement. Denn nicht nur unser persönliches (Konsum-)Verhalten bestimmt den Ökologischen Fußabdruck. Der Graue Footprint lässt sich nur durch gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen. Dazu ist am 24. September wieder eine Gelegenheit. Wir haben die Wahl!

Die Programme der größeren Parteien, die sich für den neuen Bundestag zur Wahl stellen, in alphabetischer Reihenfolge.

Insgesamt hat der Bundeswahlausschuss 48 Vereinigungen als Parteien anerkannt.
Hier findest du die Programme der Parteien mit den größten Aussichten.

AfD (Alternative für Deutschland)
BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN

CDU/CSU (Christlich Demokratische Union Deutschlands)

DIE LINKE

FDP (Freie Demokratische Partei)

SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)

BundestagswahlVielleicht darfst du in diesem Jahr zum ersten Mal wählen und weißt nicht so richtig, welche Partei deine Interessen am besten vertritt. Vielleicht hast du schon einige Wahlen hinter dir, bist aber mit der Partei, die du bisher gewählt hast, unzufrieden. Ab dem 30. August hast du die Möglichkeit, mit dem Wahl-O-Mat zu ermitteln, welche Partei deine Interessen am ehesten vertritt.

Wir haben die Wahl

Ein Buchempfehlung von Petra Stechele

Unser Thema ist der Ökologische Fußabdruck, weil wir uns verantwortlich fühlen, dass auch andere Menschen auf diesem Planeten, die nicht das Glück haben, den reichen Ländern anzugehören, bekommen, was sie zu einem gelungenen Leben brauchen. Heute, aber auch in der Zukunft, jene Generationen, die uns folgen. Nicht zuletzt ist das der einzige Weg, so etwas wie “Frieden” auf diesem Globus zu erreichen. Denn wir sind – und dies nicht als einzige – der Überzeugung, dass die meisten Auseinandersetzungen, die es zur Zeit weltweit gibt, Kriege um Ressourcen und die Verteilung sowohl von Gütern, als auch von Lebenschancen sind. Da wir, seit wir uns mit diesem Thema beschäftigen, immer mehr sehen, dass alles mit allem verflochten ist, wie das schon Mitte des vorigen Jahrhunderts Aldo Leopold festgestellt hat, möchten wir jene unterstützen, die mit uns sich gegen die populistischen “einfachen Lösungen” wenden und damit das fragile Gleichgewicht des Planeten noch weiter destabilisieren.
 
Solch ein Projekt ist auch dieses Buch des Piper Verlages: Wir haben die Wahl. Warum wir gerade jetzt für unsere Freiheit einstehen sollten, das am 1. August erschienen ist. Die Autoren haben ihre Beiträge honorarfrei zur Verfügung gestellt.
“Die Gedanken und Konzepte der versammelten Beiträge sind so vielfältig wie die Demokratie selbst. Persönlich und nachdenklich machend, aufwühlend und kritisch möchten Andreas Altmann, Lamya Kaddor, Hape Kerkeling, Stephan Orth, Gisa Pauly, Jörg Steinleitner, Su Turhan und viele weitere Piper-Autorinnen und -Autoren ein Zeichen für eine Gesellschaft der Freiheit und Akzeptanz setzen.
Alle Beitragenden und Mitwirkenden, ob Drucker, Setzer oder Grafiker, haben auf ein Honorar verzichtet. Die gesamten Erlöse aus diesem Buch werden an gemeinnützige Organisationen gespendet: an die Münchner »SchlaU-Schule«, die junge Geflüchtete darin unterstützt, ihr Menschenrecht auf Bildung wahrzunehmen und das »Theater Grenzenlos«, ein inklusives Theaterprojekt, das unbegleitete minderjährige Geflüchtete und Münchner Schülerinnen und Schüler zusammenbringt.”
So heißt es im Pressetext des Verlages.
 
Und im Vorwort sagt Felicitas von Lovenberg, dass die “Texte, durch Reflexion das Bewusstsein dafür schärfen wollen, was derzeit auf dem Spiel steht”. “Es geht darum, wie wir gemeinsam und als Einzelne dazu beitragen können, dass die politischen und gesellschaftlichen Werte der Demokratie erhalten und gelebt werden, also darum, die Welt, so wie sie ist, ‘wohnlicher einzurichten’, wie Andreas Altmann mit Bert Brecht mitreißend formuliert.” “Der Prozess ihres Zustandekommen ist der beste Beweis für die Kraft eines gemeinsamen Anliegens” und wendet sich “gegen die Bequemlichkeit jener Einstellung, dass es auf den Einzelnen nicht ankomme.”
 
Wir wissen, wie sehr es heute auf jeden von uns ankommt und wie viel demokratisches Engagement nötig ist, um die anstehenden Probleme zu lösen. So ist es auch unser Anliegen die Vielfalt dieser Gesellschaft zu erhalten, die Vielfalt allen Lebens auf unserem Planeten gegen Rassismus, Hass und ausgrenzende Aggression zu verteidigen und uns für Solidarität, Freiheit und Toleranz einzusetzen.
Dieses Buch ist Denkanstoß, Anregung und Ermutigung dazu.

Earth Overshoot Day 2017

Jetzt geht’s ans Eingemachte

Es ist mal wieder soweit. Heute, am 2. August 2017 ist Earth Overshoot Day 2017. Das heißt, nach Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) sind bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir von der Sub­stanz, und somit auf Kosten zukünftiger Generationen. Wobei das nicht so ganz stimmt, denn die Menschheit zahlt die Zeche für den Lebensstil in den reichen Industrienationen bereits jetzt. Der Klimawandel ist längst im Gange, verändert ganze Ökosysteme, vernichtet viele Tier- und Pflanzenarten und treibt Menschen zur Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können.

Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den “Welterschöpfungstag” oder “Earth Overshoot Day”, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum wieder neu bilden kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Kennzahlen des Earth Overshoot Day 2017

Die Biokapazität der Erde ist zwischen 1990 und 2013 zwar fast um 10% angestiegen, doch gleichzeitig hat auch die Weltbevölkerung um etwa 35% zugenommen. Dadurch ist die Biokapazität pro Kopf global von 2,1 gha auf 1,7 gha um 19% zurückgegangen. In diesem Zeitraum hat sich der Ökologische Fußabdruck pro Kopf global um ca. 7% von 2,68 gha auf 2,87 gha vergrößert.

Stärker als im globalen Trend ist in Deutschland zwischen 1990 und 2013 die Biokapazität absolut um 32% angestiegen, das Bevölkerungswachstum dagegen nur um etwa 2%. Der Ökologische Fußabdruck hat in diesem Zeitraum entgegen dem globalen Trend absolut um fast 20% abgenommen. Damit ergibt sich eine Zunahme der Biokapazität pro Kopf um 29% von 1,74 gha auf 2,25 gha und eine Verringerung des  Footprints pro Kopf um 21% von 6,92 gha auf 5,46 gha. Um auf einen global verträglichen Ökologischen Fußabdruck zu kommen, müssen wir uns aber noch ein bisschen anstrengen.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,7 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3,2 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Es braucht beides: Grundsätzliches Umdenken in Politik und Wirtschaft und Verhaltensänderungen jedes Einzelnen.

Gerade wurde uns wieder vor Augen geführt wo das Problem liegt: Im unerschütterlichen Glauben an die Sicherung des Wohlstandes durch Wirtschaftswachstum. Weil Politiker glauben, unseren Wohlstand nur durch die Förderung des Industriestandortes Deutschland sichern zu können, sterben hierzulande  jährlich über 20.000 Menschen an Feinstaub und Stickoxiden aus Dieselmotoren. Statt die Industrie durch strenge Vorgaben zur Entwicklung umweltverträglicher Technologien anzuhalten, deckt unsere Bundesregierung die Betrügereien der Autoindustrie. Es ist an der Zeit, dass sich etwas Grundlegendes ändert. Die Sicherung von Arbeitsplätzen darf nicht auf Kosten der Umwelt und damit der Gesundheit und des Lebens andere Menschen gehen. Es hat keinen Sinn, eine Technologie “umweltfreundlicher” zu machen, die sich als unverträglich mit unseren Lebensgrundlagen erwiesen hat. Es müssen andere Lebens- und Mobilitätskonzepte her. Warum müssen immer mehr Menschen mit der Bahn oder dem Auto zur Arbeit? Fast 60 Prozent der Arbeitnehmer sind Pendler.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, vermeidet CO2-, Stickoxid- und Feinstaub-Emissionen. Ebenso indem durch Fahrgemeinschaften die Autos effektiver genutzt werden. Noch besser ist es, mit dem Fahrrad zu fahren. Wer mit Bahn und Bus in den Urlaub fährt, statt das Flugzeug zu nehmen, vermeidet CO2-Emissionen. Aber grundsätzlich ist auch die Frage zu stellen, warum man überhaupt so weit weg will? Einsparung von CO2-Emissionen sind auch möglich, indem wir Energie sparen, mäßig heizen und den Wohnraum gut zu dämmen. Auch eine fleischar­me Ernährung aus biologischer Landwirtschaft verringert den CO2-Ausstoß und ist gesünder für Mensch und Umwelt. Wohl­überlegter und sparsamer Konsum spart Ressourcen und Geld. Wenn Konsum nur dazu dient, uns kurzzeitig ein Glücksgefühl zu vermitteln, stimmt etwas in unserer Gesellschaft nicht.

Dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten:

http://www.footprintcalculator.org/#!/
https://www.fussabdruck.de
https://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/
https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen)
https://take5.plattform-footprint.de
https://www.transition-initiativen.de/
https://www.overshootday.org/

Earth Overshoot Day 2017

 

Risikowahrnehmung

Dass unsere Risikowahrnehmung, also die Wahrnehmung von Gefahr wenig mit der Realität zu tun hat, ahnen wir alle. Wir fürchten uns vor Gewalttätern, obwohl die Zahl der Straftaten in den letzten Jahren etwa gleich blieb und die Zahl der Raubdelikte sogar rückläufig ist.  Zugenommen haben laut polizeilicher Kriminalstatistik vor allem politisch motivierte Gewalttaten. Wir sind von der Zahl von knapp 3.000 Toten beim Anschlag auf das World Trade Center in New York 2011 schockiert, interessieren uns aber nicht dafür, dass laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jeden Tag über 16.000 Kleinkinder an Hunger sterben. Das bedeutet, alle viereinhalb Stunden sterben genau so viele Kleinkinder, wie Menschen am 11. September 2011 im WTC starben.

Auch die Wahrnehmung der Gefahren, die uns direkt bedrohen ist verzerrt. Ein Beitrag im politischen Feuilleton des Deutschlandfunks vom 25. Juli 2017 bringt das sehr schön auf den Punkt. In seinem Beitrag “Wenn Abgase gefährlicher als Attentäter sind” zeigt Stefan Kühl, wie verzerrt unsere Wahrnehmung von Gefahr ist.