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Die Erde rechnet ab

Wo wir handeln müssen und was wir tun können, um unsere Zukunft zu retten

Claus-Peter Hutter
Ludwig Verlag 2018, Heyne Verlag 2020, bpb 2019
München. 304 Seiten.

Jahrhundertsturm, Jahrtausendflut, verdorrte Böden, Insektenplagen – extreme Wetter- und Naturereignisse treten inzwischen im Jahresrhythmus auf und finden längst nicht mehr nur in fernen Ländern statt. Und dennoch sind dies erst Vorboten! Umweltexperte Claus-Peter Hutter führt uns eindringlich vor Augen, wie weit der Klimawandel schon vorangeschritten ist, womit wir in den nächsten Jahren noch rechnen müssen und welche Strategien für ein Leben unter verschärften Bedingungen wir alle angehen müssen. Wir alle können und müssen etwas tun. Jeder Tag zählt!

“Die Erde rechnet ab” enthält viele richtige und wichtige Informationen, leider aber auch viel Unsinn. Natürlich sind wir gerade dabei, die Lebensbedingungen auf diesem Planeten dramatisch zu verändern. Das müssen wir aus reinem Eigeninteresse stoppen. Und wir müssen uns auch auf die veränderten Bedingungen einstellen. Wenn der Autor im Kapitel “Kluge Vorsorge statt blindes Vertrauen”  allerdings vorschlägt, man solle wieder lernen, ohne Hilfsmittel in der Wildnis zu überleben, hat es schon etwas Lächerliches.  Einem Großstadtbewohner werden Kenntnisse im Fischfang, wie man Feuer ohne Feuerzeug macht oder die Kenntnis von Pflanzenarten und der Nutzbarkeit wenig bringen.

Wenn Hutter die derzeitige Fleischproduktion und die Erhaltung unserer Kulturlandschaft in einen Zusammenhang bringt, weil diese Landschaften Ergebnisse der Beweidung sind, offenbart das eine romantische Sicht dieser Welt. Das billige Fleisch aus den Supermärkten kommt ganz sicher nicht von Tieren, die vorher auf Wacholderheiden oder Magerwiesen geweidet haben.  Im Gegenteil, die Massentierhaltung zerstört unsere Kulturlandschaft, weil in großem Maßstab Futtermittel in Monokulturen angebaut werden und die Exkremente dieser Tiere unser Grundwasser und die Atmosphäre belasten. Die Tiere für unser billiges Fleisch stehen in großen Ställen und werden unter anderem mit Soja gefüttert, für dessen Anbau Regenwaldfläche gerodet werden musste.  Dass VegetarierInnen und VeganerInnen ebenfalls an dieser Regenwaldzerstörung  Schuld seien, weil das Soja für Tofu aus dem Regenwald käme, ist schlicht falsch.

Dass am Ende des Buches auch noch für den Verzicht auf Kinder geworben wird, weil jedes Kind weniger angeblich 58,6 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen würde, ist absoluter Nonsens. Es kommt in erster Linie nicht darauf an, wie viele Menschen wir auf der Erde sind, sondern welchen Lebensstil wir pflegen. Es sind die relativ wenigen Menschen in den reichen Ländern, die die Ressourcen dieser Erde übermäßig verbrauchen. Eine Beschäftigung mit dem Konzept des Ökologischen Fußabdrucks hätte da Klarheit bringen können.  Aber auch wenn man weiß, dass laut Eurostat der CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr in Deutschland bei etwa 11 Tonnen liegt, muss einem klar werden, dass da etwas an der Rechnung nicht stimmen kann.

Gelegentlich habe ich mich schon gefragt, ob der Autor überhaupt weiß, wovon er schreibt. So behauptet er, der CO2-Gehalt der Atmosphäre hätte bisher immer bei 0,4 Prozent gelegen (er lag  vorindustriell bei 0,028 Prozent und lag im Jahr 2017 bei 0,0405 Prozent). Zur Stützung seiner These von der Überbevölkerung behauptet er, die Vereinten Nationen schätzten den Anstieg der Weltbevölkerung für das Jahr 2100 auf 16 Milliarden Menschen. Tatsächlich liegt die Schätzung bei knapp 11 Milliarden.

Bei der Lektüre von Hutters “Die Erde rechnet ab” sollte man sich immer eine gute Portion Skepsis bewahren. Aber vielleicht ist das ja auch das Gute an dem Buch: Es ist eine Aufforderung, sich intensiver mit den angerissenen Themen zu beschäftigen. Stefan Simonis

»Klimaschutz muss zu Hause, in jedem Dorf, in jeder Stadt anfangen. Claus-Peter Hutter zeigt konkret, was Sie als Einzelne tun können!« Arved Fuchs, Polarforscher

»Dieses Buch verdient es, von vielen Menschen gelesen zu werden; es ist verständlich geschrieben, reduziert die Komplexität, ohne dadurch banal oder unseriös zu werden« Prof. Dr. Klaus Töpfer

»Viel zu lange hat man auf uns Wissenschaftler nicht gehört – Dieses Buch zeigt mit vielen Beispielen, wie wir die Herausforderung Klimawandel meistern können« Prof. Dr. Mojib Latif, Klimaforscher

Rezension zu “Die Erde rechnet ab” von Eckart Löhr auf re-visionen.

Interview mit Claus-Peter Hutter in der Münchner Abendzeitung.

Leseprobe

 

 

Keine Wirtschaftshilfen ohne Bedingungen

von Michel Siebert, Jugendrat der Generationenstiftung

Wir reden aktuell oft davon, wie die Welt nach Corona aussehen soll, wie sie aussehen wird, und wie wir sie verändern wollen. Wir betonen es immer wieder, aber: Die Welt nach Corona wird jetzt gestaltet, und jetzt werden die entscheidenden Weichen für unser aller Zukunft gestellt. Und insbesondere die Wirtschaftshilfen der Bundesregierung spielen hier eine zentrale Rolle. Wieso? Sie entscheiden darüber, wie viel Last und von wem in der Zukunft getragen werden muss. Wenn wir hier also von Generationen Gerechtigkeit sprechen, dann muss uns die Bedeutsamkeit dieser wirtschaftspolitischen Entscheidungen immer bewusst sein. Denn: Da entstehen Schulden, die wir, die junge Generation später zurückzahlen werden! Und wer, wenn nicht wir, sollte deswegen mitentscheiden, wie diese Gelder verteilt werden?? 

Nach aktuellen Schätzungen wird die Bundesregierung über 1 Billion Euro für Wirtschaftshilfen ausgeben. Grundsätzlich ist das ja richtig: Viele Menschen brauchen Hilfen, um über die aktuelle Notlage hinwegzukommen. Aber was erschreckend, unvernünftig und auch unverschämt ist: Ökologisch-soziale Bedingungen sind hier ein Fremdwort!

An dieser Stelle mal ein Beispiel, um zu illustrieren, was die Folgen dieses Handelns sind: TUI, einer der größten Reiseveranstalter, hat staatliche Rettungsgelder in Milliardenhöhe erhalten. Trotzdem wurden weiter Dividenden ausgezahlt, und um das noch zu toppen werden 8000 Stellen gestrichen. Dies ist kein Einzelfall: Eine Vielzahl von Unternehmen haben angekündigt, die Dividenden vorerst weiter auszuzahlen.  Das ist nicht zu rechtfertigen, und deshalb fordern wir: Es dürfen keine staatlichen Hilfsgelder an Unternehmen ausgezahlt werden, die gleichzeitig Dividenden an Aktionär*innen auszahlen. 

Genauso kurzsichtig sind die aktuellen Diskussionen rund um die Lufthansa: Ohne eine Verpflichtung, in nachhaltige Rohstoffe zu investieren, wird dieses sinnfreie Mantra der Liquidität immer an erster Stelle stehen, und der Klimaschutz und auch die Mitarbeiter*Innen stehen wieder hinten an. Frankreich, und viele andere Staaten machen es doch vor, warum ziehen wir nicht nach? Alle Krisenhilfen für Großkonzerne müssen an strenge, transparente, soziale und ökologische Bedingungen geknüpft werden. 

Anderer Punkt: Während viele Menschen aktuell von ihrem gesamten Ersparten leben müssen, können Unternehmen ihre Verluste vergesellschaften. Was ist das für eine Logik: Gewinne sind fast immer privatisierbar und werden in Steueroasen geparkt. Wenn dann jedoch Verluste erwirtschaftet werden, werden diese sofort an die Allgemeinheit weitergegeben, ohne dass diese viel mitreden kann? So unterstützt die Bundesregierung die Umverteilung vom ganzen Volk weg hin zu den Reichen! Was ist das ein Verständnis von Verantwortung und Gerechtigkeit? Unseres sieht so aus: Es ist nur fair, dass alle Unternehmen dazu verpflichtet werden Krisenhilfen von künftigen Gewinnen zurückzuzahlen. Oder wollen wir wirklich den Grundstein dafür legen, dass klimaschädliche und Menschen ausbeutende Unternehmen auf unsere Kosten wieder extrem profitabel in der Zukunft werden.? 

Nein, das wollen wir nicht. Und genau deshalb braucht dieses kapitalistische System einen grundlegenden Wandel. Und diese Forderungen sind dafür der erste Schritt. 

Die Forderungen des Jugendrates der Generationenstiftung  hier unterstützen.

Ihr habt keinen Plan

Darum machen wir einen – 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft

Der Jugendrat der Generationenstiftung
Karl Blessing Verlag 2019
München. 272 Seiten.
Paperback 12,00 €
eBook (EPUB) 9,99 €

Eine Generation, die lange Zeit als unpolitisch belächelt wurde, steht auf, organisiert Proteste, an denen landesweit Hunderttausende und weltweit Millionen teilnehmen. Angesichts schwindender Ressourcen und globaler Vermüllung stellen sie die Forderung nach nachhaltigem Klima- und Umweltschutz.

Acht Autoren und Aktivisten, Mitglieder des Jugendrates Generationen Stiftung, warnen nicht nur vor den Gefahren, denen sich die heutigen 14- bis 25-Jährigen ausgesetzt sehen. In genau recherchierten Beiträgen, die mit den Erkenntnissen anerkannter Wissenschaftler abgeglichen sind, stellen sie konkrete Forderungen, nehmen uns alle in die Verantwortung und entwerfen eine Vision, die die Kraft hat, Generationen zu vereinen.

Der Jugendrat der Generationenstiftung

Franziska Heinisch, 20 Jahre, studiert in Heidelberg Jura und arbeitet für den Jugendrat der Generationen Stiftung. In der Wochenzeitschrift ZEIT erregte am 29. März 2019 ihr Artikel zum Klimastreik großes Aufsehen.

Lucie Hammecke, 22 Jahre, studiert in Leipzig Politikwissenschaft und ist Expertin für Demokratie. Als jüngste Abgeordnete zog sie 2019 für die Grünen in den Sächsischen Landtag ein.

Niklas Hecht, 21 Jahre, studiert in Leipzig Lehramt für die Fächer Deutsch und Sport ist der Experte für Bildungsfragen. Er war von 2012 bis 2016 Mitglied der Nationalmannschaft im Kanu-Slalom.

Jonathan Gut, 20 Jahre, studiert in Dresden Verkehrsingenieurwesen.

Daniel Al-Kayal, 25 Jahre, studiert Politikwissenschaft in Heidelberg, ist Bezirksbeirat in Kirchheim, kandidiert für die SPD und interessiert sich vor allem für kommunale Themen.

Sarah Hadj Ammar, 20 Jahre, studiert Biomedizin in Würzburg, ist seit neun Jahren unter anderem bei Plant-for-the-Planet aktiv, war dort ein Jahr im Global Board (dem Jugendweltvorstand) aktiv. Sie befasst sich mit Klimafragen.

Hannah Lübbert, 18 Jahre, kommt aus Berlin, studiert Umweltwissenschaften und Psychologie in Lüneburg.

Jakob Nehls, 25 Jahre, studiert Geografie und Politik in Göttingen und ist Jugendvertreter von Amnesty International Deutschland.

Leseprobe

Planvorstellung “Ihr habt keinen Plan”

Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen! Der Jugendrat der Generationen-Stiftung

 

CO2-Abgabe



Hier findest du Videos zum Thema CO2-Steuer oder CO2-Abgabe. Stellungnahmen und Erklärvideos, über den Sinn oder Unsinn einer solchen Abgabe, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Leider nicht mehr ganz aktuell, weil sich unsere Bundesregierung auf das schwächste Werkzeug geeinigt hat. Mehr Informationen zur CO2-Abgabe findest du beim Verein CO2 Abgabe e.V.

CO2-Steuer – sinnvolle Maßnahme oder unfaire Belastung?
Gut verständliches Erklärvideo zur CO2-Abgabe von Joul.



BR24: Rettet die CO2-Steuer unser Klima?
Domimic Possoch stellt die Positionen der Parteien vor und erklärt was die Abgabe bedeutet.



Terra X Lesch & Co: Brauchen wir wirklich eine CO2-Steuer?
Karen Pittel zu Gast bei Harald Lesch erklärt, was hinter der CO2-Abgabe steckt und wie sie wirkt.



Warum wir einen CO2-Preis brauchen.
Prof. Ottmar Edenhofer (PIK) erklärt die Funktionsweise und Hintergründe der CO2-Abgabe.



3Sat (13.12.20): Die Macht der Treibhausgase
Das Klimapaket der Bundesregierung wird kritisch hinterfragt und am Beispiel Schweden gezeigt, wie die CO2-Steuer funktioniert. Abrufbar bis zu 11.12.2023.



Die Kunst der Reparatur

Ein Essay

Die Kunst der ReparaturWolfgang Schmidbauer
oekom Verlag 2020
München. 192 Seiten.

Schnelles Wegwerfen hat Konjunktur – mit fatalen Folgen. Massenhafte Produktion, gedankenloser Verbrauch, baldiges Entsorgen: Unser Konsummodell setzt nicht nur der Umwelt zu, sondern auch uns selbst.

Wir verlieren zunehmend die Fähigkeit, stabile Bindungen aufzubauen. Auch unsere Arbeit büßt an Wert und Würde ein, wenn sie allein dem schnellen Nutzen dient und Menschen austauschbare Glieder einer Produktionskette werden.

Für den Psychologen und Bestsellerautor Wolfgang Schmidbauer ist klar: Wir müssen Reparaturen (wieder) erlernen und wertschätzen. Sie ersparen uns nicht nur Neukäufe, sondern strahlen zugleich positiv in unsere emotionalen Beziehungen aus – zu Dingen, aber auch zu anderen und uns selbst.

Leseprobe

 

Brokkoli-Möhren-Reis

Das Originalrezept findest du hier, aber da man kaltgepresstes Rapsöl besser nicht zum Kochen und Braten verwendet und ich auch nicht alle Zutaten im Haus hatte, habe ich das Rezept etwas abgewandelt. Für 4 Personen.

400 g Langkornreis
250 g Möhren
400 g Brokkoliröschen
1 Zwiebel
etwas Lauch
Petersilie nach Geschmack
250 ml Bier
2 EL Olivenöl
1 EL Rapsöl
Salz
Pfeffer
Muskatnuss
1 EL Erdnussmus

Zubereitung:

Den Brokkoli waschen und in kleine Röschen zerteilen, die Möhren schälen und in dünne Scheiben schneiden, die Zwiebel fein hacken und etwas Lauch in feine Streifen schneiden.
Die Zwiebel in dem Olivenöl glasig dünsten, dann Möhren, Brokkoliröschen und etwas Salz dazugeben und 5 bis 10 Minuten dünsten. Anschließend die Lauchstreifen und das Bier dazugeben und noch einmal 5 Minuten leicht kochen lassen.
In der Zwischenzeit den Reis waschen und in etwa der doppelten Menge leicht gesalzenem Wasser gar kochen. Wenn der Reis fertig ist, das Erdnussmus dazugeben und gut mischen.
Wenn das Gemüse fertig ist, mit Pfeffer, Muskatnuss und etwas Rapsöl abschmecken.

Was wir aus der Corona-Pandemie lernen können

von Petra Stechele und Stefan Simonis

Was in der Diskussion über unseren Umgang mit der Klimakrise in der Zeit vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie undenkbar sein sollte, plötzlich ist es möglich. Sogar mehr als das.

Es ging in der Diskussion um die Klimakrise unter anderem darum, Flugreisen zu reduzieren und stattdessen mehr Videokonferenzen abzuhalten, weniger Fleisch zu essen und generell weniger zu konsumieren. Niemand hatte je Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverbote, Einschränkung der Reisefreiheit oder ähnliches gefordert. Aber seit vier Wochen werden diese Maßnahmen akzeptiert, weil die Gefahr unmittelbar ist, für jeden einzelnen bedrohlich und somit allen die Notwendigkeit einleuchtet.

So wie es zurzeit aussieht, haben diese Maßnahmen auch den gewünschten Erfolg. Das bedeutet, wenn wir einer Gefahr gemeinsam entgegentreten, können wir sie meistern. Wie wäre es also, wenn wir aus dieser Erfahrung lernen und uns nun mit der gleichen Ernsthaftigkeit und dem gleichen Verständnis für die drohende Gefahr auch der Klimakrise zuwenden?

Die Klimakrise, wie übrigens auch die generelle Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen, ist zwar durch Corona aus der Diskussion verschwunden, aber sie ist nach wie vor eine drohende Gefahr. Das sehen wir aktuell an der wiederholten Dürre in Deutschland, welche die heimische Nahrungsmittelproduktion gefährdet und für die Landwirte und die Wälder zunehmend zum Problem wird, mit gleichzeitigen Überschwemmungen und Erdrutschen in Nordspanien und Südfrankreich. Auch aktuell ist es in Deutschland wieder zu warm und zu trocken, sodass wieder mit Dürre zu rechnen ist1.

Durch unser Wirtschaftssystem und somit durch unseren Lebensstil wird übrigens nicht nur die Klimakrise verursacht, sondern es werden auch Pandemien, wie wir sie gerade erleben, begünstigt und immer wahrscheinlicher werden. Weil der Mensch durch seine Wirtschaftsweise die Lebensräume für Wildtiere immer weiter verkleinert, dringen Wildtieren vermehrt in Kulturräume ein2, 3.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass über 70% der Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden, von Wildtieren stammen. Im Falle des Corona-Virus sind auf jeden Fall Schuppentiere und/oder Fledermäuse die Überträger gewesen, die auch auf chinesischen Märkten gehandelt werden und dort auf den Menschen überspringen können4. Aus unserer Intensivtierhaltung gelangen gelegentlich Hepatitis E (Schweine), Influenza-A-Virus H1N1 (Schweine/Geflügel), Influenza-A-Virus H5N1 (Geflügel), Influenza-A-Virus H7N9 (Geflügel) oder Noroviren (Rinder/Schweine) auf den Menschen5.

Unser weltumspannender Handel und unsere Reisefreude fördern die schnelle Ausbreitung dieser Krankheitserreger. Weiterhin vermuten Wissenschaftler, dass die Zahl der Infektionen mit der Klimakrise zunehmen wird, da hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit optimale Bedingungen schaffen6. Bereits im Jahr 2018 hatte Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Institutes, vor einer drohenden Pandemie gewarnt.7 Er war übrigens nicht der einzige Wissenschaftler, denn es geht schon länger diese Warnung in der Wissenschaft um8, die man genauso wenig wie die Warnung vor der Klimakrise beachtet hat. Denn sie ernst zu nehmen hätte bedeutet, dass man Konsequenzen hätte ziehen müssen, die Geld gekostet hätten, ohne sofortigen ersichtlichen Nutzen zu stiften, wie das mit der Gesundheitsvorsorge meist der Fall ist.

Da wir unsere Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlegt haben, wurden nicht nur Teile für die heimische Industrieproduktion knapp, sondern auch Medikamente und Schutzmasken9. Die Globalisierung fordert ihre Opfer nicht nur am anderen Ende der Welt, sondern auch bei uns. Nun wird auch deutlich, dass wir auf diejenigen, die bei uns die Opfer der Kosteneffizienz waren, alle dringend angewiesen sind. Statt weiterhin das Gesundheitswesen knappzuhalten, sollten wir uns beispielsweise den „Luxus“ einer gut funktionierenden Krankenversorgung mit ausreichenden und fair bezahlten Pflegekräften leisten.

Die Ursachen der Klimakrise, der Zerstörung von Ökosystemen und der immer wieder auftretenden Pandemien sind bekannt. Sie liegen in der Übernutzung unseres Planeten durch unseren Lebensstil.

Warum also nehmen wir die aktuelle Pandemie nicht zum Anlass, unseren Lebensstil und unser Wirtschaftssystem endlich grundsätzlich zu überdenken? Statt zu versuchen, mit Konsumanreizen neues Wachstum zu erzwingen, könnten wir jetzt eine nachhaltige Wirtschaftsweise fördern. Erneu­erbare Energien ausbauen, weniger und eher lokale Produkte konsumieren, mehr reparieren, sich gegenseitig helfen und akzeptieren, dass es Vollbeschäftigung in einer reifen Volkswirtschaft nur dann geben kann, wenn alle weniger arbeiten. Für einige wird es vielleicht keine Arbeit mehr geben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann dabei ein Teil der Lösung sein.10

Vor 50 Jahren hat die NASA aus einem Desaster einen Erfolg gemacht. Die Besatzung der Apollo 13 schwebte in Lebensgefahr, aber durch kluges und entschlossenes Handeln konnte sie gerettet werden. Heute ist die Besatzung des Raumschiffs Erde in Lebensgefahr. Handeln wir.

Anmerkung vom 2. Mai 2020: Siehe hierzu das Video Klartext Klima Folge 3.

Anmerkung vom 2. Juni 2020: Siehe hierzu das Video Droht uns ein Schocksommer?

1 https://www.dw.com/de/coronavirus-und-hitze-wie-wird-der-sommer-in-europa/a-53074424

2 https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/pandemien-und-ihre-ursachen-so-zuechtet-der-mensch-ungewollt-neue-seuchen-a-00000000-0002-0001-0000-000170323296

3 https://www.derstandard.de/story/2000116743480/wie-man-pandemien-in-zukunft-verhindern-kann

4 https://www.arte.tv/de/videos/096140-000-A/umweltzerstoerung-beeinflusst-epidemien/

5 https://www.deutschlandfunk.de/kampf-gegen-zoonosen-wenn-tiere-den-menschen-anstecken.724.de.html?dram:article_id=414993

6 https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fataler-klimawandel-erderwaermung-bringt-neue-epidemien-a-201934.html

7 https://www.derstandard.de/story/2000084471524/durch-klimawandel-drohen-pandemien-warnen-experten

8 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2176051/

9 https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/swr/corona-lieferketten-deglobalisierung-100.html

10 https://www.zeit.de/kultur/2020-04/neoliberalismus-krisen-kapitalismus-coronavirus-politik

Erneuerbare Energien und Klimaschutz

Hintergründe – Techniken und Planung – Ökonomie und Ökologie – Energiewende

Erneuerbare EnergienVolker Quaschning
5., aktualisierte Auflage
Carl Hanser Verlag 2020
München. 394 Seiten.

Klappentext: “Erneuerbare Energien & Klimaschutz für alle – einfach erklärt & mit praktischen Umsetzungstipps!

Um die Klimakrise nicht außer Kontrolle geraten zu lassen, muss unsere Energieversorgung in den nächsten 20 Jahren vollständig auf regenerative Energien umgestellt werden. Doch wie kann das gelingen? Auf solche und andere Fragen rund um erneuerbare Energien und Klimaschutz geht dieses anschaulich aufbereitete Buch ein. Es setzt keine Fachkenntnisse voraus und richtet sich an alle, die sich für das Thema interessieren.

Das Buch behandelt die gesamte Bandbreite der erneuerbaren Energien, angefangen bei der Solarenergie über die Wind- und Wasserkraft bis hin zur Nutzung von Erdwärme und Biomasse. Neben allgemein verständlichen Beschreibungen der jeweiligen Technik, des Entwicklungsstandes und künftiger Potenziale enthält es konkrete Anleitungen zur Planung und Umsetzung eigener regenerativer Anlagen. Hinweise auf Vorschriften und Fördermöglichkeiten geben zusätzliche Hilfestellungen. Darüber hinaus erläutert das Buch die Umweltverträglichkeit sowie das Zusammenspiel der verschiedenen Technologien und deren Wirtschaftlichkeit. Es liefert interessante Hintergrundinformationen und zeigt anhand von bereits realisierten Beispielen eindrucksvoll, dass eine komfortable Energieversorgung ganz ohne schädliche Klimaeinflüsse möglich ist. Damit leistet dieses Buch einen wichtigen Beitrag zur Klimadebatte.

Die 5. Auflage berücksichtigt alle aktuellen Entwicklungen in der (inter)nationalen Klimapolitik sowie neueste technologische und gesellschaftliche Trends. Die Website www.volker-quaschning.de bietet eines der größten und unabhängigen Informationsangebote zu regenerativen Energien und Klimaschutz sowie interessante Zusatzinformationen zum Buch.

Leseprobe

Videos von Volker Quaschning  auch unter Ansehen/Klimawandel. Täglich frische Informationen auf volker-quaschning.de.

Interview mit Volker Quaschning von Tilo Jung (Jung & Naiv: Folge 418)

Unsere Welt neu denken

Eine Einladung

Unsere Welt neu denkenMaja Göpel
Ullstein Verlag 2020
Berlin. 208 Seiten.

Klappentext von Unsere Welt neu denken: “Unsere Welt steht an einem Kipp-Punkt, und wir spüren es. Einerseits geht es uns so gut wie nie, andererseits zeigen sich Verwerfungen, Zerstörung und Krise, wohin wir sehen. Ob Umwelt oder Gesellschaft – scheinbar gleichzeitig sind unsere Systeme unter Stress geraten. Wir ahnen: So wie es ist, wird und kann es nicht bleiben. Wie finden wir zu einer Lebensweise, die das Wohlergehen des Planeten mit dem der Menschheit versöhnt? Wo liegt der Weg zwischen Verbotsregime und Schuldfragen auf der einen und Wachstumswahn und Technikversprechen auf der anderen Seite? Diese Zukunft neu und ganz anders in den Blick zu nehmen – darin besteht die Einladung, die Maja Göpel ausspricht.

Rezensionen

“Ihr Befund ist präzise, ihr Buch kommt zur richtigen Zeit – einer Zeit, in der die Folgen des Klimawandels ebenso unübersehbar sind wie die Halbherzigkeiten der Politik. Es ist ein eindringlich vorgetragenes Plädoyer für ein zukunftsorientiertes Denken, „eine Einladung“, von der man sich wünscht, dass sie von vielen angenommen wird.

Ralph Gerstenberg, Deutschlandfunk

Letztlich geht es um nichts weniger als ein neues Modell des nachhaltigen Wirtschaftens. Göpel will dafür ein paar heilige Kühe der Wachstumserzählung schlachten und neue, gerechte Wege gehen; Wachstum als Mittel, nicht als absoluter Zweck; höhere Produktpreise, die die wahren Kosten anzeigen, die bei Herstellung, Transport und Entsorgung anfallen; klügerer Umgang mit den natürlichen Ressourcen und nicht zuletzt schärfere Besteuerung hoher Einkommen.

Robert Probst, Süddeutsche Zeitung

 

Drawdown – Der Plan

Wie wir die Erderwärmung umkehren können

Drawdown - Der PlanPaul Hawken (Hg.)
Gütersloher Verlagshaus 2019
Gütersloh. 408 Seiten.

Klappentext von Drawdown – Der Plan: “Klimaerwärmung heißt, dass wir auf eine Zivilisationskrise unvorstellbaren Ausmaßes zusteuern. Und wir haben keinen Plan, wie wir das verhindern können. Oder doch? Dieses Buch beschreibt 100 existierende Ansätze der Verringerung von klimaschädlichen Gasen, die das Klimaproblem lösen können, wenn man sie vernetzt. Verblüffendes wird dabei deutlich und eine gut begründete Hoffnung entsteht: Es ist möglich, bis 2050 die Klimawende zu erreichen und die Erderwärmung zurückzudrehen. Ein Buch über ideenreiche Menschen, clevere Technologien und die Möglichkeit, die Dinge endlich anzupacken. Ein Zukunftsbuch!

  • Der konkrete Plan, die Erderwärmung umzukehren – mit weltweitem Netzwerk

  • 100 Stellschrauben gegen den Klima-Kollaps

  • Die Antwort auf Donald Trumps Klima-Ignoranz

  • Ein Buch, das Hoffnung macht und Zukunftsmut befeuert

  • Kooperation mit der Deutschen Energieagentur

Leseprobe

Drawdown – Der Plan ist eine Sammlung der Möglichkeiten, wie wir unsere CO2-Emissionen drastisch reduzieren und CO2 aus der Atmosphäre binden können. Leider ist das Buch sehr fokussiert auf Nordamerika und durch die Kürze der einzelnen Kapitel manchmal etwas zu sehr verkürzt. So sind manche Aussagen nicht ganz korrekt oder auch kaum nachvollziehbar. Die Kalkulationen am Ende jedes Kapitals, wie viel CO2 mit dieser Maßnahme eingespart bzw. gebunden werden könnte sowie die Angaben über Kosten und möglicher finanzieller Gewinn, hätte man sich sparen können. Dafür sind sie mir zu speziell, zu wenig nachvollziehbar und für EinsteigerInnen in die Thematik nicht wirklich interessant. Dagegen ist Drawdown sicherlich kein Handbuch für Entscheider, denn dafür sind die Kapitel zu oberflächlich. Was in diesem Buch auf jeden Fall zu kurz kommt, ist die eigentliche Ursache (nicht nur) für die Klimakrise: unser Wirtschaftssystem und der damit verbundene Zwang zum ständigen Wachstum. Vielleicht lässt sich die Klimaproblematik wirklich mit den hier vorgestellten Maßnahmen lösen, aber ohne eine Änderung des Wirtschaftssystems werden diese Maßnahmen nicht ausreichen, die Übernutzung unseres Planeten zu beenden. Daher an dieser Stelle der Verweis auf das Buch “Unsere Welt neu denken” von Maja Göpel. Aber für Menschen, die sich mit dem Thema neu befassen ist das Drawdown – Der Plan eine schöne Einstiegshilfe.

Stefan Simonis