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Und jetzt retten wir die Welt!

Wie du die Veränderung wirst, die du dir wünschst.
Das Handbuch für Idealisten und Querdenker.

jetzt-retten-wir-die-welt Ilona Koglin & Marek Rohde
Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co 2016
Stuttgart. 192 Seiten.

Den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, empfinden immer mehr Menschen als unverzichtbar für ein positives Lebensgefühl. Wie sich Nachhaltigkeit mit spielerischer Leichtigkeit in den Alltag integrieren lässt, dafür haben Ilona Koglin und Marek Rohde spannende Tipps und viele neue Ideen – angefangen von Ernährung und Wohnen bis zu Reisen in die weite Welt. Ihr schön gestalteter, inspirierender Ratgeber beantwortet Fragen, macht Mut und motiviert zum Mitmachen. Wer noch mehr erfahren möchte, kann die Themen auf der bucheigenen Website vertiefen.

Website zum Buch

Weitere Hintergründe und Tipps, wie du die Welt verändern kannst, findest du natürlich auch unter dem Menüpunkt “Verändern“.

Earth Overshoot Day 2016

Ab heute lebt die Menschheit auf Pump

Heute, am 8. August 2016, sind laut Global Footprint Network (GFN) bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir von der Sub­stanz, und somit auf Kosten zukünftiger Generationen. Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den “Welterschöpfungstag” oder “Earth Overshoot Day”, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum regenerieren kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,6 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3,1 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Bereits mit kleinen Verhaltensänderungen kann viel erreicht wer­den.

Wer mit Bahn und Bus fährt, statt das Flugzeug zu nehmen, vermeidet CO2-Emissionen. Ebenso durch Carsharing und indem durch Fahrgemeinschaften die Autos effektiver genutzt werden. Noch besser ist es, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Ebenso wie Energie sparen, mäßig heizen und den Wohnraum gut zu dämmen. Auch eine fleischar­me Ernährung aus biologischer Landwirtschaft verringert den CO2-Ausstoß und ist gesünder für Mensch und Umwelt. Wohl­überlegter und sparsamer Konsum spart Ressourcen und Geld.

Dass dies nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen und weiterführende Links dazu beispielsweise auf folgenden Internetseiten:

https://www.fussabdruck.de
https://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/
https://www.footprint.at
https://take5.plattform-footprint.de
https://www.transition-initiativen.de/
https://www.overshootday.org/

Großer Fuß auf kleiner Erde?

Die Erde ist begrenzt und kann daher nur begrenzt Ressourcen zur Verfügung stellen. Wie viele Ressourcen benötigen wir? Was steht uns zu Verfügung?

Bilanzieren mit dem Ecological Footprint

Erde Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ)
Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) 2010
Bonn & Eschborn, 136 Seiten.

Wo wir auch wohnen, auf dem Dorf oder mitten in der Großstadt: Die Bereitstellung von Lebensmitteln, Kleidung, Energie oder Baumaterial für Häuser und Schulen – unser gesamtes Leben hängt von der Versorgung durch die Ökosysteme des Planeten Erde ab. Der Ecological Footprint ist ein Messinstrument für dieses Naturkapital. Er zeigt, dass wir die Ressourcen für unseren Lebensunterhalt deutlich schneller verbrauchen, als sie erneuert werden können.
Footprint-Daten machen auch globale Unterschiede deutlich und erfahrbar. Vergleicht man z.B. den Naturverbrauch eines durchschnittlichen Deutschen mit dem eines Einwohners von Madagaskar, der sich mit einem Fünftel der Naturressourcen begnügt, stellen sich viele Fragen: Worin genau unterscheiden sich die Lebensstile der Länder? Weiter gefasst: Wie ist die globale Wirtschaft organisiert, wenn sie zu solchen Ergebnissen führt? Oder: Ist das gerecht? Aber auch ganz einfach: Wie will jeder Einzelne von uns leben? Was ist uns wichtig?

Ernährung

Etwa ein Viertel bis ein Drittel des Footprints werden durch die Ernährung verursacht. Rund 80% davon entfallen dabei auf tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Tierische Produkte haben einen deutlich größeren Footprint als pflanzliche Produkte, da für jede Nahrungskalorie 5-10 Kalorien aufgewendet werden müssen. Die Herstellung und Verarbeitung von tierischen Produkten erfordert große Acker- und Weideflächen für die Futtermittelproduktion sowie enorme Energieflächen für den Einsatz von Dünger, Pestiziden und Maschinen. Besonders bei der Massentierhaltung entstehen zusätzlich große Mengen Treibhausgase aus der Verdauung des Rau- und Kraftfutters.

Dazu kommt, dass die Flächen für den Futtermittelanbau in Deutschland nicht ausreichen, sodass wir durch den Import von Futtermitteln Flächen in Afrika, Asien oder Südamerika nutzen. Für unsere Futterimporte gehen nicht nur Urwälder in Asien und am Amazonas unwiederbringlich verloren, sondern es werden auch riesige Mengen an Kohlenstoffdioxid freigesetzt, die bisher in Boden und Vegetation gespeichert waren.

Footprint Ernährung verändert nach Plattform Footprint [footprint.at] auf Grundlage der Daten des
Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Wer statt fünfmal nur einmal in der Woche Fleisch oder Fleischprodukte isst, reduziert seinen Footprint im Bereich Ernährung um ca. 50%. Die Umstellung auf vegetarische oder vegane Ernährung reduziert deinen Footprint noch deutlicher um etwa 60 bis 70%.

Grauer Footprint

Aus dem Ressourcenverbrauch, der nicht eindeutig einer Person zugeordnet werden kann, ergibt sich ein Grauer Footprint oder “gesellschaftliche Overhead”. Er umfasst alle Leistungen, die von einer Gesellschaft für die Allgemeinheit erbracht werde, wie der Bau und Unterhaltung von Schulen, Krankenhäusern, Wohnraum und Verkehrswegen. Auch der Betrieb von Banken, Versicherungen, Polizei, Feuerwehr, Militär und Aufwendungen für Parlamente und Regierungen gehören dazu.

Zwar wird der Wohnraum von einzelnen Personen genutzt, denen für das Wohnen selbst ein Footprint  zugeordnet werden kann, aber der Footprint für die Errichtung des Wohnraums wird allen Bewohnern zugeteilt. Es erfolgt also gewissermaßen eine Abschreibung des Footprints über die Nutzungsdauer des Wohnraums.

Grauer Footprint ist Ressourcennutzung, für die alle verantwortlich sind.

Der Graue Footprint macht etwa ein Drittel des Ökologischen Fußabdrucks aus. Er kann von dir alleine nicht beeinflusst werden, sondern ist nur von unserer Gesellschaft als Gemeinschaft veränderbar. Deshalb ist dein gesellschaftliches Engagement so wichtig.

Diese gesellschaftlichen Veränderungen werden stattfinden. Sie werden aber immer angestoßen von einzelnen Menschen und Gruppen. Hier hast du Möglichkeiten, Veränderungen voranzutreiben.

Wohnen

Der Bereich Wohnen macht etwa ein Sechstel des Footprints aus. Hier kommt vor allem der hohe Energieverbrauch für das Heizen und der Stromverbrauch zum Tragen.

Der Footprint wird zum einen bestimmt von der Größe und der Wärmedämmung der bewohnten und damit beheizten Räume. Zum anderen entscheidet über die Größe des Footprints die Art der Primärenergie, die zum Heizen und der Warmwasserbereitung verwendet wird. Kohle oder Öl verursachen einen höheren CO2-Ausstoß als Gas und führen damit zu einem größeren Footprint. Durch den Umstieg auf Holz vergrößert sich allerdings der Footprint, weil Holz pro kWh etwa 50 Prozent mehr CO2 freisetzt als Heizöl. Holz hat dadurch einen etwa dreimal größeren Footprint als Öl, ist aber “CO2-neutral”. Holz benötigt einen Teil der Erdoberfläche und ist damit ebenfalls begrenzt.

Durch gute thermische Sanierung können 35% des “Heiz-Footprints” eingespart werden. Ein Nullenergiehaus kann in diesem Bereich sogar zu einer Reduktion um 95% führen. Der Umstieg auf Ökostrom reduziert den “Strom-Footprint ” um 90%. Erfolgt die Warmwasserbereitung mittels Sonnenkollektoren, kann sich der Footprint hierfür um bis zu 80% reduzieren.

Natürlich kann nicht jede/r sofort in ein Nullernergie- oder sogar Plusenergiehaus umziehen. Obwohl sie schon lange machbar sind. Bis sich diese Standards durchgesetzt haben, kannst du mit anderen Mitteln deinen Footprint verkleinern.

  • Sparsamer Umgang mit Wasser.
  • Umstieg auf Ökostrom, wobei die Mehrkosten durch sparsameren Umgang mit Strom ausgeglichen werden können.
  • Raumtemperatur im Winter nicht höher als 20°C und in Nebenräumen deutlich kühler reduzieren den Verbrauch an Heizenergie.
  • Stoßlüften
  • Verwendung von Energiesparlampen und LED.
  • Stand-by-Funktionen meiden.
  • Nicht benötigte Geräte und Licht ausschalten.

Prinzipiell gilt, je mehr Personen den Wohnraum nutzen und je dichter man wohnt, desto kleiner wird der persönliche Footprint.

Mobilität

Mit ungefähr einem Sechstel des Footprints schlägt die Mobilität zu Buche. Sie ist der am stärksten zunehmende Bereich. Hierfür sind mit rund 90% Anteil in erster Linie der Individualverkehr und der Flugverkehr verantwortlich.

Der Verkehr ist bereits jetzt für etwa 30% des Ausstoßes an Treibhausgasen verantwortlich. Durch den Flugverkehr wurden nach Angaben der US Regierung  im Jahr 2010 weltweit täglich über 5,2 Millionen Barrel Kerosin verbrannt. Das sind umgerechnet mehr als 621 Millionen Liter Kerosin. Die dabei entstehenden Abgase landen in der Tropopause und der Stratosphäre, empfindlichen Bereichen der Atmosphäre, wo sie eine 3-5 mal stärkere Klimawirksamkeit entfalten als am Boden.

Verglichen mit der Bahn, hat die gleiche Entfernung mit dem Flugzeug zurückgelegt pro Person einen 20 mal höheren Footprint.

Footprint Mobilität
© Michael Schwingshackl, Plattform Footprint [footprint.at]

Hinzu kommt, dass bei einer Flugreise schnell viele Kilometer zusammenkommen, die man mit der Bahn oder dem Auto niemals zurücklegen würde.

3.2.6.4_Ergebnisse_2012-2013_Grafik Das häufig vorgetragene Argument, fliegen sei billiger als die Fahrt mit der Bahn, lässt sich nicht halten.
Eine im Dezember 2013 veröffentliche Untersuchung des Verkehrsclub Deutschland  hat gezeigt, dass trotz der steuerlichen Bevorzugung des Flugverkehrs in vielen Fällen der Flug die teurer Variante ist, innereuropäische Städte zu verbinden.

Mobilität mit kleinem Footprint ist bereits heute möglich, durch die Kombination von öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bahn oder Bus und Elektrofahrzeugen als Zubringer zu den öffentlichen Verkehrsmittel. Die Nutzung von Carsharing spart zusätzliche Ressourcen. Durch geschickte Stadt- und Raumplanung können in Zukunft unnötige Wege zwischen den Orten des Wohnens, Freizeitgestaltung, Einkauf und Arbeitsplatz vermieden werden.

Konsum

Der Konsum ist für rund ein Fünftel des Footprints verantwortlich. Hierzu zählt die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen, wie Bekleidung, Möbel, Papier, Elektronik oder Kino-, Hotel- und Restaurantbesuche. Der Footprint für Dienstleistungen lässt sich jedoch nicht scharf vom “Grauen Footprint” abgrenzen.

Der Footprint für Waren (Produkt-Footprint) wird aus dem gesamten Ressourcenverbrauch  des Produktes, von der Herstellung bis zur Entsorgung, errechnet. Dazu zählt auch der Ressourcenverbrauch der Vorprodukte. Beispielsweise wird für den Footprint eines Autos der Ressourcenverbrauch bei der Erzgewinnung, der Stahlherstellung, beim Schweißen bis zur Schrottpresse einbezogen. Dieser Footprint fällt eigentlich zum Zeitpunkt des Kaufs an, doch wird er auf die gesamte Lebensdauer des Produktes aufgeteilt. Sonst hätte der Käufer den gesamten Footprint zu tragen, jeder spätere Besitzer dieses Produktes jedoch nichts. Erst wenn das Produkt seine geplante Lebensdauer überschritten hat, ist es “ökologisch abgeschrieben” und sein Footprint beschränkt sich auf die Instandhaltung.

Um deinen Footprint im Bereich Konsum klein zu halten, achte beim Einkauf auf:

  • Qualität
  • Langlebigkeit
  • Reparierbarkeit
  • Recyclierbarkeit
  • Produktionsbedingungen

Diese Produkte sind zwar naturgemäß teurer, aber durch die längere Nutzungsdauer und Reparierbarkeit sparst du die Kosten wieder ein. Mit den höheren Ausgaben für qualitativ gute und damit langlebige Produkte schonst du Ressourcen und den Geldbeutel.

Preisfrage: Wem nützt beispielsweise alle 18 Monate ein neues Handy, wenn das “alte” noch funktioniert? Antwort: Den Produzenten! Die Hersteller verdienen daran, dass wir “alte” Produkte “uncool” finden. Wir halten uns für besonders cool und trendy, wenn wir immer das neueste Produkt kaufen. Unabhängig davon, ob wir es wirklich brauchen und ob wir uns das finanziell leisten können. Es gibt aber bereits Leute, die sich nicht länger ausnehmen lassen. (Wenn der Joke nicht so alt wäre, würde an dieser Stelle das Wort “ver-apple-n” passen.) Clever konsumieren, also vorher überlegen, ob die Neuanschaffung wirklich nötig ist und die Nutzung von Alternativen, wie Teilen, Leihen, Tauschen oder Second-Hand, verkleinert den persönlichen Footprint und nützt allen. Außer vielleicht den Herstellern.

Wer sich eine neues Auto kauft, vergrößert damit seinen Footprint um ca. 3 gha, der durch die Produktion des Fahrzeugs entsteht. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer des Autos von 15 Jahren, ergibt das einen zusätzlichen Footprint von 2000 gm² pro Jahr. Dabei sind die Fahrten mit dem Auto noch nicht mit eingerechnet. Durch Carsharing kann dieser Footprint auf einen Bruchteil verkleinert werden, welcher der Anzahl der BenutzerInnen entspricht.