Archiv der Kategorie: Allgemein

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Earth Overshoot Day 2020

Wer hat an der Uhr gedreht? Aufgeschoben, nicht aufgehoben!

In diesem Jahr fällt nach Abschätzungen des Global Footprint Networks (GFN) der Earth Overshoot Day, auch Welterschöpfungstag genannt, auf den 22. August1,2. Damit haben wir als Menschheit in diesem Jahr die Rohstoffe und Naturleistungen, die uns die Erde innerhalb eines Jahres zur Verfügung stellen kann, erst 24 Tage später aufgebraucht, als im Jahr 2019.

Darüber könnte man sich freuen, doch diese Verschiebung des Welterschöpfungstages ist nur der Corona-Pandemie und damit unendlichem menschlichem Leid zu verdanken. Nach Angaben des GFN ist die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks durch den geringeren Holzverbrauch und die geringeren CO2-Emissionen infolge der globalen COVID-19 Quarantänen verursacht. Durch den fast weltweiten Lockdown ist der globale Flugverkehr bis Mitte April gegenüber Anfang des Jahres um 64,5%, bei Frachtflügen um 75,2%, zurückgegangen3, wodurch Lieferketten unterbrochen wurden. Die daraus resultierende Störung in der Lebensmittelversorgung führte zu vermehrten Lebensmittelabfällen auf Seite der Produzenten und andererseits zu mehr Unterernährung und Hunger ärmerer Menschen4. Ausländische Saisonarbeiter konnten nicht mehr ins Land kommen, wodurch diese ihre (magere) Einkommensquelle einbüßten und Feldfrüchte konnten nicht geerntet werden. Viele Menschen wurden arbeitslos, weil Betriebe aufgrund fehlender Vorprodukte oder akuter Infektionsfälle schließen mussten. Von den verheerenden Folgen für die Menschen in Krisengebieten, Flüchtlingslagern und Notunterkünften soll hier gar nicht die Rede sein.

Die Corona-Pandemie hat zum einen gezeigt, wie international verflochten und abhängig unsere Wirtschaft ist. Sie hat aber auch gezeigt, zu was wir als Gesellschaft fähig sind, denn durch rasche und entschlossene Maßnahmen konnten bei uns die Infektionszahlen schnell verringert werden. Der Blick in andere Länder wie USA, Großbritannien oder Brasilien zeigt, was ohne diese drastischen Maßnahmen auch in Deutschland hätte geschehen können. Die Warnungen der Virologen und Epidemiologen ernst zu nehmen und deren Ratschläge zu befolgen, hat sich als hilfreich erwiesen, denn dadurch konnte Schlimmeres verhindert werden.

Warum also hören wir nicht auch auf die Wissenschaft, wenn es um unsere Lebensgrundlagen geht?

Die Bundesregierung hat 1992 mit dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) ein Beratergremium eingerichtet, um unter anderem Umwelt- und Entwicklungsprobleme zu analysieren und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. In einem Sondergutachten „Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation: Die vier großen I“5 schlägt der WBGU konkrete Maßnahmen für eine gerechte und nachhaltige Weltwirtschaft vor, die von der Politik weitgehend ignoriert werden. Klimaforscher warnen seit Jahrzehnten vor den Folgen des ungebremsten CO2-Ausstoßes, aber unsere Bundesregierung will das letzte Kohlekraftwerk erst 2038 abschalten lassen6. Statt konsequent die Transformation zu einer dekarbonisierten Wirtschaft voranzutreiben, werden veraltete Technologien künstlich am Leben gehalten. Im Bereich der Erneuerbaren Energien haben wir durch das Festhalten an der Kohleverstromung bereits die Photovoltaikbranche in Deutschland ruiniert. Durch unsichere politische Rahmenbedingungen sind dort mehr als 24.000 Arbeitsplätze verloren gegangen7. Für deutsche Autos mit Verbrennungsmotor wird sich bald niemand mehr auf dem internationalen Markt interessieren. In Norwegen werden ab 2025 keine Autos mehr mit Verbrennungsmotor zugelassen. In Dänemark, Indien, Irland, Israel, Niederlande, Slowenien und Schweden ist ab 2030 Schluss damit und andere Länder folgen8. Das bedeutet, spätestens dann werden bei uns die Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen. Warum also nicht bereits jetzt andere Antriebs- und Mobilitätskonzepte umsetzen, die neue Arbeitsplätze schaffen? Die Corona-Krise wäre dafür ein geeigneter Anlass. Statt jetzt wieder mit viel Geld die Wirtschaft nach altem Muster hochzufahren, könnten die Gelder jetzt für eine echte Transformation eingesetzt werden.

Wenn wir wieder zu einer Wirtschaftsweise wie vor der Corona-Pandemie zurückkehren, wird die Vernichtung des Naturkapitals weitergehen und die Klimakrise wird weiter verschärft werden. Wir könnten aber jetzt auf die Wissenschaft hören und unsere Gesellschaft zu einer solidarischen, gerechten und nachhaltigen Gesellschaft verändern. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Solange jedoch Gewinnmaximierung vor Gemeinwohl geht und mit Ressourcen verschlingenden, klimaschädlichen Geschäften kurzfristig viel Geld verdient werden kann, wird sich nichts ändern. Noch haben die Vertreter der alten Wirtschaftsweise zu viel Einfluss und es fehlt daher in der Politik am Willen, die Vorschläge der Wissenschaft umzusetzen. Aber das kann sich ändern.

Der französische Soziologe und Philosoph Bruno Latour fordert in seinem Essay „Welche Schutzmaßnahmen können wir uns vorstellen, damit wir nicht zum Produktionsmodell der Zeit vor der Krise zurückkehren?“ die LeserInnen auf, die Zeit im Lockdown zu nutzen, um sich selbst zu fragen, welche Aktivitäten nach der Corona-Krise wieder aufgenommen werden sollen und welche nicht. Die Entscheidungen sollen gut begründet und die Folgen gründlich überdacht werden. Diese Beschreibungen sollen zusammengeführt werden und eine Landschaft aus Konfliktlinien, Bündnissen, Kontroversen und Gegensätzen entstehen lassen, die uns bei der Suche nach einem Weg aus dem alten Wirtschaftssystem hilft.

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Menschen in unserem Land auch unpopuläre Entscheidungen akzeptieren und mittragen, wenn die Bedrohung erkannt ist und der Weg klar ist, auf dem man die Bedrohung in den Griff bekommen kann. „Wenn in ein oder zwei Monaten Milliarden von Menschen auf der Stelle in der Lage sind, die neue ’soziale Distanz‘ zu erlernen, Abstand zu halten, um mehr Solidarität zu zeigen, zu Hause zu bleiben, um eine Überfüllung der Krankenhäuser zu vermeiden, können wir uns die transformative Kraft dieser neuen Schutzgesten vorstellen, die sich gegen die Wiederherstellung des Bestehenden richten oder – noch schlimmer – gegen eine Offensive derer, die der Anziehungskraft der Erde für immer entgehen wollen“ (Bruno Latour9,10).

Zu den Ursachen der Corona-Krise und den Lehren daraus hatten wir uns bereits im April in einem Beitrag geäußert11.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten:

http://www.footprintcalculator.org/
https://www.fussabdruck.de/
https://www.footprintnetwork.org/
https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen)
https://take5.plattform-footprint.de
https://www.transition-initiativen.de/
https://www.overshootday.org/ (mit Vorschlägen, wie jeder von uns SOFORT seinen Footprint verkleinern kann)

Keine Wirtschaftshilfen ohne Bedingungen

von Michel Siebert, Jugendrat der Generationenstiftung

Wir reden aktuell oft davon, wie die Welt nach Corona aussehen soll, wie sie aussehen wird, und wie wir sie verändern wollen. Wir betonen es immer wieder, aber: Die Welt nach Corona wird jetzt gestaltet, und jetzt werden die entscheidenden Weichen für unser aller Zukunft gestellt. Und insbesondere die Wirtschaftshilfen der Bundesregierung spielen hier eine zentrale Rolle. Wieso? Sie entscheiden darüber, wie viel Last und von wem in der Zukunft getragen werden muss. Wenn wir hier also von Generationen Gerechtigkeit sprechen, dann muss uns die Bedeutsamkeit dieser wirtschaftspolitischen Entscheidungen immer bewusst sein. Denn: Da entstehen Schulden, die wir, die junge Generation später zurückzahlen werden! Und wer, wenn nicht wir, sollte deswegen mitentscheiden, wie diese Gelder verteilt werden?? 

Nach aktuellen Schätzungen wird die Bundesregierung über 1 Billion Euro für Wirtschaftshilfen ausgeben. Grundsätzlich ist das ja richtig: Viele Menschen brauchen Hilfen, um über die aktuelle Notlage hinwegzukommen. Aber was erschreckend, unvernünftig und auch unverschämt ist: Ökologisch-soziale Bedingungen sind hier ein Fremdwort!

An dieser Stelle mal ein Beispiel, um zu illustrieren, was die Folgen dieses Handelns sind: TUI, einer der größten Reiseveranstalter, hat staatliche Rettungsgelder in Milliardenhöhe erhalten. Trotzdem wurden weiter Dividenden ausgezahlt, und um das noch zu toppen werden 8000 Stellen gestrichen. Dies ist kein Einzelfall: Eine Vielzahl von Unternehmen haben angekündigt, die Dividenden vorerst weiter auszuzahlen.  Das ist nicht zu rechtfertigen, und deshalb fordern wir: Es dürfen keine staatlichen Hilfsgelder an Unternehmen ausgezahlt werden, die gleichzeitig Dividenden an Aktionär*innen auszahlen. 

Genauso kurzsichtig sind die aktuellen Diskussionen rund um die Lufthansa: Ohne eine Verpflichtung, in nachhaltige Rohstoffe zu investieren, wird dieses sinnfreie Mantra der Liquidität immer an erster Stelle stehen, und der Klimaschutz und auch die Mitarbeiter*Innen stehen wieder hinten an. Frankreich, und viele andere Staaten machen es doch vor, warum ziehen wir nicht nach? Alle Krisenhilfen für Großkonzerne müssen an strenge, transparente, soziale und ökologische Bedingungen geknüpft werden. 

Anderer Punkt: Während viele Menschen aktuell von ihrem gesamten Ersparten leben müssen, können Unternehmen ihre Verluste vergesellschaften. Was ist das für eine Logik: Gewinne sind fast immer privatisierbar und werden in Steueroasen geparkt. Wenn dann jedoch Verluste erwirtschaftet werden, werden diese sofort an die Allgemeinheit weitergegeben, ohne dass diese viel mitreden kann? So unterstützt die Bundesregierung die Umverteilung vom ganzen Volk weg hin zu den Reichen! Was ist das ein Verständnis von Verantwortung und Gerechtigkeit? Unseres sieht so aus: Es ist nur fair, dass alle Unternehmen dazu verpflichtet werden Krisenhilfen von künftigen Gewinnen zurückzuzahlen. Oder wollen wir wirklich den Grundstein dafür legen, dass klimaschädliche und Menschen ausbeutende Unternehmen auf unsere Kosten wieder extrem profitabel in der Zukunft werden.? 

Nein, das wollen wir nicht. Und genau deshalb braucht dieses kapitalistische System einen grundlegenden Wandel. Und diese Forderungen sind dafür der erste Schritt. 

Die Forderungen des Jugendrates der Generationenstiftung  hier unterstützen.

Ihr habt keinen Plan

Darum machen wir einen – 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft

Der Jugendrat der Generationenstiftung
Karl Blessing Verlag 2019
München. 272 Seiten.
Paperback 12,00 €
eBook (EPUB) 9,99 €

Eine Generation, die lange Zeit als unpolitisch belächelt wurde, steht auf, organisiert Proteste, an denen landesweit Hunderttausende und weltweit Millionen teilnehmen. Angesichts schwindender Ressourcen und globaler Vermüllung stellen sie die Forderung nach nachhaltigem Klima- und Umweltschutz.

Acht Autoren und Aktivisten, Mitglieder des Jugendrates Generationen Stiftung, warnen nicht nur vor den Gefahren, denen sich die heutigen 14- bis 25-Jährigen ausgesetzt sehen. In genau recherchierten Beiträgen, die mit den Erkenntnissen anerkannter Wissenschaftler abgeglichen sind, stellen sie konkrete Forderungen, nehmen uns alle in die Verantwortung und entwerfen eine Vision, die die Kraft hat, Generationen zu vereinen.

Der Jugendrat der Generationenstiftung

Franziska Heinisch, 20 Jahre, studiert in Heidelberg Jura und arbeitet für den Jugendrat der Generationen Stiftung. In der Wochenzeitschrift ZEIT erregte am 29. März 2019 ihr Artikel zum Klimastreik großes Aufsehen.

Lucie Hammecke, 22 Jahre, studiert in Leipzig Politikwissenschaft und ist Expertin für Demokratie. Als jüngste Abgeordnete zog sie 2019 für die Grünen in den Sächsischen Landtag ein.

Niklas Hecht, 21 Jahre, studiert in Leipzig Lehramt für die Fächer Deutsch und Sport ist der Experte für Bildungsfragen. Er war von 2012 bis 2016 Mitglied der Nationalmannschaft im Kanu-Slalom.

Jonathan Gut, 20 Jahre, studiert in Dresden Verkehrsingenieurwesen.

Daniel Al-Kayal, 25 Jahre, studiert Politikwissenschaft in Heidelberg, ist Bezirksbeirat in Kirchheim, kandidiert für die SPD und interessiert sich vor allem für kommunale Themen.

Sarah Hadj Ammar, 20 Jahre, studiert Biomedizin in Würzburg, ist seit neun Jahren unter anderem bei Plant-for-the-Planet aktiv, war dort ein Jahr im Global Board (dem Jugendweltvorstand) aktiv. Sie befasst sich mit Klimafragen.

Hannah Lübbert, 18 Jahre, kommt aus Berlin, studiert Umweltwissenschaften und Psychologie in Lüneburg.

Jakob Nehls, 25 Jahre, studiert Geografie und Politik in Göttingen und ist Jugendvertreter von Amnesty International Deutschland.

Leseprobe

Planvorstellung „Ihr habt keinen Plan“

Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen! Der Jugendrat der Generationen-Stiftung

 

CO2-Abgabe



Hier findest du Videos zum Thema CO2-Steuer oder CO2-Abgabe. Stellungnahmen und Erklärvideos, über den Sinn oder Unsinn einer solchen Abgabe, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Leider nicht mehr ganz aktuell, weil sich unsere Bundesregierung auf das schwächste Werkzeug geeinigt hat. Mehr Informationen zur CO2-Abgabe findest du beim Verein CO2 Abgabe e.V.

CO2-Steuer – sinnvolle Maßnahme oder unfaire Belastung?
Gut verständliches Erklärvideo zur CO2-Abgabe von Joul.



BR24: Rettet die CO2-Steuer unser Klima?
Domimic Possoch stellt die Positionen der Parteien vor und erklärt was die Abgabe bedeutet.



Terra X Lesch & Co: Brauchen wir wirklich eine CO2-Steuer?
Karen Pittel zu Gast bei Harald Lesch erklärt, was hinter der CO2-Abgabe steckt und wie sie wirkt.



Warum wir einen CO2-Preis brauchen.
Prof. Ottmar Edenhofer (PIK) erklärt die Funktionsweise und Hintergründe der CO2-Abgabe.



3Sat (13.12.20): Die Macht der Treibhausgase
Das Klimapaket der Bundesregierung wird kritisch hinterfragt und am Beispiel Schweden gezeigt, wie die CO2-Steuer funktioniert. Abrufbar bis zu 11.12.2023.



Was wir aus der Corona-Pandemie lernen können

von Petra Stechele und Stefan Simonis

Was in der Diskussion über unseren Umgang mit der Klimakrise in der Zeit vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie undenkbar sein sollte, plötzlich ist es möglich. Sogar mehr als das.

Es ging in der Diskussion um die Klimakrise unter anderem darum, Flugreisen zu reduzieren und stattdessen mehr Videokonferenzen abzuhalten, weniger Fleisch zu essen und generell weniger zu konsumieren. Niemand hatte je Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverbote, Einschränkung der Reisefreiheit oder ähnliches gefordert. Aber seit vier Wochen werden diese Maßnahmen akzeptiert, weil die Gefahr unmittelbar ist, für jeden einzelnen bedrohlich und somit allen die Notwendigkeit einleuchtet.

So wie es zurzeit aussieht, haben diese Maßnahmen auch den gewünschten Erfolg. Das bedeutet, wenn wir einer Gefahr gemeinsam entgegentreten, können wir sie meistern. Wie wäre es also, wenn wir aus dieser Erfahrung lernen und uns nun mit der gleichen Ernsthaftigkeit und dem gleichen Verständnis für die drohende Gefahr auch der Klimakrise zuwenden?

Die Klimakrise, wie übrigens auch die generelle Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen, ist zwar durch Corona aus der Diskussion verschwunden, aber sie ist nach wie vor eine drohende Gefahr. Das sehen wir aktuell an der wiederholten Dürre in Deutschland, welche die heimische Nahrungsmittelproduktion gefährdet und für die Landwirte und die Wälder zunehmend zum Problem wird, mit gleichzeitigen Überschwemmungen und Erdrutschen in Nordspanien und Südfrankreich. Auch aktuell ist es in Deutschland wieder zu warm und zu trocken, sodass wieder mit Dürre zu rechnen ist1.

Durch unser Wirtschaftssystem und somit durch unseren Lebensstil wird übrigens nicht nur die Klimakrise verursacht, sondern es werden auch Pandemien, wie wir sie gerade erleben, begünstigt und immer wahrscheinlicher werden. Weil der Mensch durch seine Wirtschaftsweise die Lebensräume für Wildtiere immer weiter verkleinert, dringen Wildtieren vermehrt in Kulturräume ein2, 3.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass über 70% der Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden, von Wildtieren stammen. Im Falle des Corona-Virus sind auf jeden Fall Schuppentiere und/oder Fledermäuse die Überträger gewesen, die auch auf chinesischen Märkten gehandelt werden und dort auf den Menschen überspringen können4. Aus unserer Intensivtierhaltung gelangen gelegentlich Hepatitis E (Schweine), Influenza-A-Virus H1N1 (Schweine/Geflügel), Influenza-A-Virus H5N1 (Geflügel), Influenza-A-Virus H7N9 (Geflügel) oder Noroviren (Rinder/Schweine) auf den Menschen5.

Unser weltumspannender Handel und unsere Reisefreude fördern die schnelle Ausbreitung dieser Krankheitserreger. Weiterhin vermuten Wissenschaftler, dass die Zahl der Infektionen mit der Klimakrise zunehmen wird, da hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit optimale Bedingungen schaffen6. Bereits im Jahr 2018 hatte Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Institutes, vor einer drohenden Pandemie gewarnt.7 Er war übrigens nicht der einzige Wissenschaftler, denn es geht schon länger diese Warnung in der Wissenschaft um8, die man genauso wenig wie die Warnung vor der Klimakrise beachtet hat. Denn sie ernst zu nehmen hätte bedeutet, dass man Konsequenzen hätte ziehen müssen, die Geld gekostet hätten, ohne sofortigen ersichtlichen Nutzen zu stiften, wie das mit der Gesundheitsvorsorge meist der Fall ist.

Da wir unsere Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlegt haben, wurden nicht nur Teile für die heimische Industrieproduktion knapp, sondern auch Medikamente und Schutzmasken9. Die Globalisierung fordert ihre Opfer nicht nur am anderen Ende der Welt, sondern auch bei uns. Nun wird auch deutlich, dass wir auf diejenigen, die bei uns die Opfer der Kosteneffizienz waren, alle dringend angewiesen sind. Statt weiterhin das Gesundheitswesen knappzuhalten, sollten wir uns beispielsweise den „Luxus“ einer gut funktionierenden Krankenversorgung mit ausreichenden und fair bezahlten Pflegekräften leisten.

Die Ursachen der Klimakrise, der Zerstörung von Ökosystemen und der immer wieder auftretenden Pandemien sind bekannt. Sie liegen in der Übernutzung unseres Planeten durch unseren Lebensstil.

Warum also nehmen wir die aktuelle Pandemie nicht zum Anlass, unseren Lebensstil und unser Wirtschaftssystem endlich grundsätzlich zu überdenken? Statt zu versuchen, mit Konsumanreizen neues Wachstum zu erzwingen, könnten wir jetzt eine nachhaltige Wirtschaftsweise fördern. Erneu­erbare Energien ausbauen, weniger und eher lokale Produkte konsumieren, mehr reparieren, sich gegenseitig helfen und akzeptieren, dass es Vollbeschäftigung in einer reifen Volkswirtschaft nur dann geben kann, wenn alle weniger arbeiten. Für einige wird es vielleicht keine Arbeit mehr geben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann dabei ein Teil der Lösung sein.10

Vor 50 Jahren hat die NASA aus einem Desaster einen Erfolg gemacht. Die Besatzung der Apollo 13 schwebte in Lebensgefahr, aber durch kluges und entschlossenes Handeln konnte sie gerettet werden. Heute ist die Besatzung des Raumschiffs Erde in Lebensgefahr. Handeln wir.

Anmerkung vom 2. Mai 2020: Siehe hierzu das Video Klartext Klima Folge 3.

Anmerkung vom 2. Juni 2020: Siehe hierzu das Video Droht uns ein Schocksommer?

1 https://www.dw.com/de/coronavirus-und-hitze-wie-wird-der-sommer-in-europa/a-53074424

2 https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/pandemien-und-ihre-ursachen-so-zuechtet-der-mensch-ungewollt-neue-seuchen-a-00000000-0002-0001-0000-000170323296

3 https://www.derstandard.de/story/2000116743480/wie-man-pandemien-in-zukunft-verhindern-kann

4 https://www.arte.tv/de/videos/096140-000-A/umweltzerstoerung-beeinflusst-epidemien/

5 https://www.deutschlandfunk.de/kampf-gegen-zoonosen-wenn-tiere-den-menschen-anstecken.724.de.html?dram:article_id=414993

6 https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fataler-klimawandel-erderwaermung-bringt-neue-epidemien-a-201934.html

7 https://www.derstandard.de/story/2000084471524/durch-klimawandel-drohen-pandemien-warnen-experten

8 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2176051/

9 https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/swr/corona-lieferketten-deglobalisierung-100.html

10 https://www.zeit.de/kultur/2020-04/neoliberalismus-krisen-kapitalismus-coronavirus-politik

Linkliste Klima Energie

In der Linkliste Klima Energie sind Artikel und Quellen zu verschiedenen Themen, wie Klimawandel, Kippelemente, Treibhausgasen, Energiewende oder auch Elektromobilität zusammengetragen. Diese Links sollen dem Faktencheck dienen. Wer neue und darüberhinausgehende Informationen kennt, darf sie gerne in den Kommentar stellen.

Klimawandel

siehe auch Ansehen/Klimawandel

IPCC: Klimaänderungen 2013 – Naturwissenschaftliche Grundlagen.
skepticalscience:
Fakten und Irrglaube
skepticalscience:
Das Handbuch zum Klimakonsens mit Antworten auf „Skeptiker“.
Süddeutsche Zeitung:
Anatomie einer Katastrophe  – Was die Klimakrise…
Fakt ist:
Über 90 Prozent der Klimaforscher sind überzeugt, dass maßgeblich der Men…
Bloomberg Businessweek (Grafik): What’s Really Warming the World?
Friedrich Ebert Stiftung (Podcast): Mythen um den Klimaschutz entzaubern.
Stefan Rahmstorf: Klimalounge. Wie viel CO2 kann Deutschland noch ausstoßen?
Volker Quaschning: Erneuerbare Energien und Klimaschutz.
Quaschning/Rahmstorf/Terli (12.12.19): Klartext Klima.
Quaschning/Rahmstorf/Terli (07.02.20): Klartext Klima Folge 2.
Quaschning/Rahmstorf/Terli/Göpel (01.05.20):
Klartext Klima Folge 3.
Quaschning/Rahmstorf/Terli/Kemfert (26.05.20):
Klartext Klima Folge 4.
UBA (Dez. 2019):
So erreicht Deutschland seine Klimaschutzziele…
Bildungsserver: Klimaprojektionen Afrika.
Bildungsserver: Klimaänderungen und Landwirschaft Afrika.
gesichter-afrikas.de:
Klimawandel und seine Auswirkungen in Afrika
Julia Schilly (08.10.17): Knappheit entsteht in Afrika nicht nur durch den Klimawandel.
Marlene Weiß (07.07.17): Lässt der Klimawandel Afrika ergrünen?
ZEITonline (14.02.20): Forscher messen neuen Temperaturrekord in der Antarktis.
Joachim Wille (22.02.20): Die Sahara ergrünt – ein bisschen.
Jürgen Paeger: Die Kosten des Klimawandels. Download: Stern-Report.
New Climate Economy (2014): Better Growth, Better Climate.

Tipping Points

Monika Seynsche (19.09.19): Was die Brände im Amazonas für die Zukunft bedeuten.
Monika Seynsche (24.09.19): Die Folgen der Amazonas-Brände.
Timothy Lenton et al. (29.11.19): Kipp-Elemente: Zu riskant, um gegen sie zu wetten.
Shanna Hanbury (20.12.19): „The tipping point is here, it is now“
Dom Phillips (23.10.19): Amazon rainforest ‚close to irreversible tipping point‘

Treibhausgasemissionen

UBA (05.03.20): Tempolimit. Download: Klimaschutz durch Tempolimit.
UBA (25.04.19):
Treibhausgas-Emissionen in Deutschland.
UBA (25.04.19):
Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgasemissionen.
EU Parlament (07.03.18):
Treibhausgasemission nach Ländern und Sektoren.
UBA (10.01.16): Emissionquellen.
Weltagrarbericht: Klima und Energie (Treibhausgase in der Landwirtschaft)
Volker Quaschning: Spezifische Kohlenstoffemissionen verschiedener Brennstoffe.

Atomkraft als Mittel gegen den Klimawandel

Österreichische Energieagentur: Atomkraft weder klimafreundlich noch wirtschaftlich.
Andreas Wilkens (25.09.19): Atomkraft nicht geeignet als Lösung gegen Klimawandel.
Harald Lesch (17.05.17): Atomkraft ohne Risiko? Der Flüssigsalzreaktor.
Harald Lesch (18.12.19): Atomkraft jetzt! Rettung für das Klima?
Jan Oliver Löfken/Peter Fairley (25.03.19): Atomkraft – Die letzten ihrer Art.
Kai Stoppel (19.09.19): Rettet Atomkraft uns vor dem Klimakollaps?
Joachim Wille (29.10.19): Aussterbende Atomkraft.
Manfred Lindinger (05.12.19): Klimaschutz mit Kernfusion.
Sara Grasel (19.12.19): Fusionsenergie „Es gibt die Sonne schon, …“

Energiewende

siehe auch Ansehen/Energie

Volker Quaschning: Solarstromausbau für den Klimaschutz
Volker Quaschning:
Energie­aufwand zur Herstellung von Photovoltaik Anlagen
Gero Rueter (DW 26.02.20):
Was behindert die Energiewende?
Fraunhofer ISE (10.06.20):
Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland.
IWR (18.02.20):
Billiger Solarstrom setzt indische Kohlekraftwerke unter Druck.
pv magazin (14.02.20):
Klimaneutrales Energiesystem in Deutschland bis 2050…
Claudia Kemfert (20.11.19):
Energiewende -Mythen reloaded.
Jana Heck (25.03.19): Welche Art von Strom ist am günstigsten?
Fraunhofer ISE (02.01.20): Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland 2019
EneryWatchGroup (12.04.19): Globales Energieystem mit 100% Erneuerbaren Energien.
Joul (10.06.18):
Video – 5 Energiespeicher für die Zukunft der Energiewende.
Joul (25.03.18): Video – Energiewende Level 2: Sektorenkopplung
Fraunhofer ISE: Energy Charts Interaktive Grafiken zu Stromproduktion u. Börsenpreisen

Elektromobilität

siehe auch Ansehen/Elektromobilität

Move electric (27.02.21): Video: Umweltverschmutzer – Elektroautos gegen Verbrenner
electrive.net:
Informationen rund um Elektromobilität
Julian Affeldt (15.01.2018):
So viel Strom brauchen Autos mit Verbrennungsmotor.
Auke Hoekstra (16.02.20):
Producing gasoline and diesel emits more CO2 …
Manfred Schrödl (Podcast):
Wasserstoffautos sind keine Alternative zu Elektromobilität.
UBA (Sep. 2019): Sensitivität zur Bewertung der Kosten verschied…
Stefan Hajek (12.11.19): Wann Elektroautos sauberer sind als Verbrenner.
Martin Randelhoff (05.07.19): Batterieelektrisch vs. Brennstoffzelle vs. Power-to-X
Lisa Diez-Holz (08.11.19): Wie Akkus von Elektroautos recycelt werden.
Mario Hommen (19.12.19): Warum das Elektroauto ein zweites Leben hat.
Kira Welling (08.09.19): Lithium – Diese Länder haben die größten Reserven.
Laurence Kavanagh et al. (17.09.18): Global Lithium Sources – A Review.
Der Graslutscher (24.01.20): Über die wundersame Märchenrechnung …
Ecario (01.05.2020): Neue Studie – Elektroautos viel umweltfreundlicher.
Transport & Environment: How clean are electric cars? Mit CO2-Rechner.

E-Fuels & Agrokraftstoffe

Altemeier, I. & Buchen, S. (05.03.20): Biodiesel – Urwaldvernichtung fürs Klima.
Peter Ilg (07.03.20):
E-Fuels – Eine trügerische Hoffnung.

Energieverbrauch

Jürgen Paeger: Eine kleine Geschichte des menschlichen Energieverbrauchs.

Mir reichts! Greta!

von Grit Maroske
 
Dies ist der vollständige Text, den Grit Maroske am 16.  August 2019 auf Facebook veröffentlicht hat und der uns aus der Seele spricht. Da wir keine Freunde von Facebook sind und auch niemanden verleiten wollen, dort die eigenen Daten abzugeben, hier also der vollständige Text. Die Bilder haben wir aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.
Wer möchte, kann sich den Originalbeitrag von Grit Maroske hier ansehen.
 
Wir danken Grit Maroske sehr herzlich für die Genehmigung, den Text hier noch einmal posten zu dürfen. Dank auch an Alina Kalk, die den Kontakt herstellte und das ermöglichte.
 
Seit Wochen lese ich jetzt Kommentare unter den Berichten über die von Greta Thunberg ins Leben gerufene Bewegung “Fridays For Future”. Seit Wochen versuche ich, maßvoll und vernünftig zu argumentieren. Seit Tagen sehe ich mit zunehmendem Entsetzen, wie sich auch in meinem Freundeskreis hier immer mehr Greta-Hasser outen, wie sie Fakebildchen und Fakeberichte teilen, wie sie sich echauffieren, wie sie sie plötzlich von erwachsenen, gebildeten, vernünftigen Leuten in einen geifernden Mob verwandeln, der seine Verachtung für dieses Mädchen und ihre Bewegung in die Kommentarspalten und auf die Timeline rotzt. Seit Stunden sitze ich hier und grüble – bis heute war ich geduldig und tolerant, aber JETZT REICHTS!!!

Du da draußen, der du es nötig hast, Bilder von 16jährigen Mädchen zu klauen, zu verfremden und ungefragt tausendfach zu teilen, der du kein Problem darin siehst, Persönlichkeitsrechte zu verletzen und Falschmeldungen zu verbreiten und Hass gegen einen Teenager zu schüren, dessen einziges Verbrechen es ist, sich Sorgen um die Zukunft zu machen: Schämst du dich eigentlich gar nicht? Hast DU Kinder?
Wie wäre es, wenn du mal einen Moment dein Resthirn nutzt und dich fragst wie du es fändest, wenn man dasselbe mit Fotos deiner Kinder machte? Ganz ehrlich: wäre Greta meine Tochter, würde ich dir dafür so in den Arsch treten, dass du klimaneutral bis Timbuktu fliegen könntest.
Du, mir persönlich ist es völlig egal, ob du weiter der Religion der Schnitzelanbeter frönst. Von mir aus iss jeden Tag ein halbes Schwein, das stört mich nicht. Kauf dein Billigfleisch im Supermarkt und genieße es. Mir buchstäblich Wurscht.

Es interessiert mich auch nicht wirklich, ob du persönlich gern -zigmal im Jahr in den Urlaub fliegst. Ob du gern auf Kreuzfahrtschiffen fährst. Ob in deiner Garage nun ein SUV steht oder ob es zwei sind. Ich gönn dir das.

Von mir aus kannst du in deinem Vorgarten Altreifen verbrennen oder alles schön sauber zubetonieren, damit es immer schön ordentlich aussieht und die Nachbarn nichts zu meckern haben. Ist doch dein Leben. Dein Vorgarten. Deine Betonwüste.

Dein Lifestyle ist mir egal. Ich will dich weder überzeugen noch überreden. Ich will dir nichts wegnehmen oder verbieten. Wenn du glaubst, deine Glückseligkeit hängt an Plastetüten, Strohhalmen und Einweggeschirr: von mir aus werde glücklich damit, behäng dich damit und freu dich.

Kauf dir von mir aus jedes Jahr ein neues Auto, ein neues Handy, einen noch größeren Fernseher oder was du sonst zum Leben brauchst. Schön, dass du es dir leisten kannst – lass krachen. Kapitalismus lebt von Konsum, Baby.


Aber halte doch bitte, bitte einfach die Klappe, wenn andere Leute den Ernst der Lage erkannt haben und für sich persönlich entscheiden: ein WEITER SO geht nicht.

Halte einfach die Finger still, freu dich dass es dir (noch) gut geht und du in Saus und Braus leben kannst ohne auf etwas zu verzichten.

Was mir nicht egal ist: die Zukunft meiner 5 Kinder, meiner zwei Enkelkinder, meiner noch ungeborenen Urenkel. Was mir nicht egal ist: Die Zukunft dieses Landes, dieses Planeten.

Was mir nicht egal ist: wenn meine 10-jährige Tochter vor mir steht und sagt: “Mama, ich habe echt Angst, wie die Welt in 10 Jahren aussieht. Ihr habt es verkackt, aber gründlich!” und ich ihr beschämt zugestehen muss, dass sie Recht damit hat. Wir haben aus dieser Welt einen einzigen Sauhaufen gemacht. Immer weiter, schneller, besser, mehr.

Was mir nicht egal ist: die Kinder, die in Asien, in Afrika und Lateinamerika in unserem MÜLL wühlen, die in Indien auf Müllkippen leben und mit bloßen Händen Elektroschrott sortieren und an die giftigen Dämpfen verrecken, während sie Plaste vom Metall brennen.
 
Was mir nicht egal ist: dass die Polkappen schmelzen, so schnell, dass man es mit bloßem Auge beobachten kann. Die Folge: meterhoher Schnee in Australien, Überschwemmungen in Nordamerika, Menschen verlieren schon jetzt dort ihre Heimat durch den ansteigenden Meeresspiegel, Tierarten verlieren ihren Lebensraum und sterben aus.
 
Was mir nicht egal ist: Ganze Länder und Meere versinken im Müll, den wir hinterlassen. In 50 Jahren wird sich kaum noch ein Mensch an mich erinnern. Der Müll, den ich in den letzten 50 Jahren meines Lebens produziert habe, wird dann größtenteils immer noch in der Pampa liegen und verrotten. Eine Einkaufstüte schwimmt 10 bis 20 Jahre lang im Meer, bis sie vollständig zerrieben ist, ein Styroporbecher braucht 50 Jahre, um zu zerbröseln. Eine PET-Flasche zerfällt erst innerhalb von 450 Jahren, eine Angelschnur in 600 Jahren. Aber hey, was soll´s, nicht wahr? Ist ja dann nicht mehr unser Problem.

Was mir nicht egal ist: wenn majestätische Fische wie die Mantarochen durch den Ozean segeln und sich die Bäuche mit Müll füllen. Das ist mir nicht egal, denn es bricht mir das Herz. Das gilt auch für Seeschildkröten, Wale, Seevögel aller Art, die jämmerlich an unserem Plastikdreck verrecken.
 
Was mir nicht egal ist: wenn es irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft keinen einzigen Ort mehr geben wird, den man noch bereisen kann, weil wir alles vergiftet, verseucht, verbaut und vermüllt haben.
 
Was mir nicht egal ist: dass die globale Erwärmung zu immer größeren Schäden führt, die man jetzt schon sehen kann, wenn man nicht ganz blind ist. Die Arktis brennt seit Monaten. In Sibirien sind fast 3 Millionen Hektar uralter Wald verbrannt. In Borneo verbrennen Urwälder und ja – leider auch die in ihnen lebenden Orang Utans.
 
Was mir nicht egal ist: Unsere Wälder sterben. Unsere Singvögel sterben. Unsere Insekten sterben.

Uno-Bericht Eine Million Arten vom Aussterben bedroht
  • 85 Prozent der Feuchtgebiete sind bereits zerstört
  • Seit dem späten 19. Jahrhundert sind rund die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden
  • Neun Prozent aller Nutztierrassen sind ausgestorben
  • Zwischen 1980 und dem Jahr 2000 wurden 100 Millionen Hektar tropischer Regenwald abgeholzt – weitere 32 Millionen Hektar allein zwischen 2010 und 2015
  • 23 Prozent der Landfläche des Planeten gelten als ökologisch heruntergewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden
  • Der Verlust von Bestäuberinsekten bedroht Nahrungsmittelproduktion im Wert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr
  • Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage von bis zu 300 Millionen Menschen gefährdet
  • Allein die vom Menschen verursachte Erderhitzung könnte rund fünf Prozent der Arten auslöschen, wenn der Schwellenwert von zwei Grad Celsius globaler Temperaturerhöhung überschritten werde
  • Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor zehn bis Hunderte Male höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre, und sie wächst

    Wir opfern für noch mehr Konsum alles, was wir zum Leben brauchen: Wasser, Luft, Natur, Umwelt. Wir machen alles kaputt. Hauptsache, es gibt jederzeit billiges Schweinefleisch zu kaufen.
Das alles muss dich nicht interessieren. Es darf dich kaltlassen. Du musst nichts ändern, Kumpel, dich nicht einschränken. Freiheit, Baby: du kannst tun und lassen was du willst.
Aber eins solltest du nicht mehr tun: deine Sülze zu Greta, zu Fridays For Future, zur drohenden Klimakatastrophe ungeniert von dir geben.

Du willst, dass für dich alles beim Alten bleibt? Okay. Dann halte wenigstens die Fresse, wenn andere etwas tun, um auch deinen Planeten zu retten. Tu dir und uns den Gefallen: verschwende nicht unsere Zeit, verbrauche für deine überflüssigen copy&paste- Kommentare keine Ressourcen, schone unsere Nerven. Genieß dein Leben und halt´s Maul. Ist denn das so schwer?

Der Rest von uns wird überlegen, wie wir diesen Wahnsinn noch aufhalten können. Wir werden Müll sammeln und recyclen, wir werden für den Kohleausstieg demonstrieren, wir werden mit unseren Kindern Freitags gemeinsam auf die Straße gehen, wir werden lokal und regional und saisonal einkaufen, wir werden auf Plastikverpackungen verzichten, wir werden vegetarische Wurst ausprobieren und Fleisch – wenn überhaupt – nur noch selten und bewusst konsumieren, wir werden keinen Mist mehr bei Amazon kaufen, wir werden seltener in den Urlaub fliegen und mehr Fahrrad fahren, wir werden unsere Häuser in den Energiesparmodus bringen und keine Kippen mehr auf die Straße werfen, wir werden für mehr ÖPNV kämpfen und Insektenhotels aufhängen und Kindern etwas über nachhaltiges Leben beibringen und Bäume für sie pflanzen.

Du musst also gar nichts tun, Kumpel. Sei einfach nur still. Mach das Internet aus und leb dein Leben. Danke.


http://lebensraum-permakultur.de/massentierhaltung-umweltverschmutzung-kunst-in-der-haesslichkeit/

https://www.focus.de/panorama/videos/groesste-jauchegrube-der-welt-eine-drohne-fliegt-ueber-eine-schweinefarm-und-filmt-verstoerendes_id_4379492.html

https://globalmagazin.com/themen/wissenschaft/eisbaeren-survival-of-the-fattest/

https://globalmagazin.com/themen/klima/arktis-eis-mit-rekord-schmelze/

https://www.nau.ch/news/europa/waldbrande-in-sibirien-breiten-sich-weiter-aus-65562165

https://www.svz.de/deutschland-welt/panorama/Seit-Juni-wueten-beispiellose-Waldbraende-in-der-Arktis-id24889387.html

https://www.stern.de/politik/deutschland/der-wald-in-deutschland-ist-bedroht—unsere-baeume-sind-todkrank-8827458.html

http://www.bund-rvso.de/vogelsterben-ursachen.html

https://www.regenwald.org/regenwaldreport/2015/437/feuer-auf-borneo-rettung-fuer-die-orang-utans-in-hoechster-not

https://unserplanet.net/nachdem-sie-diese-fotos-gesehen-haben-werden-sie-alles-recyceln-wollen/

https://explore-magazine.de/articles/die-verschmutzung-der-ozeane-14-schonungslosen-bildern.html

https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/der-greenpeace-bericht-exeter-studie-zu-elektroschrott-asien

https://www.arte.tv/de/videos/086702-000-A/indien-die-stimme-der-kinder/

https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/folgen-des-klimawandels/polkappen-schmelzen-meeresspiegel-steigt?BannerID=0818005015001047&gclid=CjwKCAjwqNnqBRATEiwAkHm2BAYeqMPNgntV_8YmkzrgP8o7GM9td0fKAjJs4y0AdQCI0nxKUnNz5RoCra4QAvD_BwE

https://de.wikipedia.org/wiki/Folgen_der_globalen_Erw%C3%A4rmung_in_der_Arktis

https://www.boell.de/plastikatlas

https://www.zeit.de/2015/26/plastikmuell-nordsee-recycling-umweltschutz

Earth Overshoot Day 2019

Schlaraffenland ist abgebrannt!

Die Überschrift klingt dramatisch, aber sie ist der Lage angemessen. Wir brechen gerade einen Rekord nach dem anderen. Von April 2018 bis April 2019 lagen die Temperaturen stets über dem langjährigen Mittel. Auf den kühlen Mai 2019 folgt der heißeste jemals gemessene Juni. Die arktischen Eisschilde schmelzen schneller und der Permafrostboden in der Arktis taut 70 Jahre früher auf als vorhergesagt. In der Arktis brennen die Wälder und auch in Deutschland sterben die Wälder, weil es zu heiß und zu trocken ist.

Dank Fridays for Future und Extinction Rebellion ist die Klimakatastrophe auf der Tagesordnung der Politik, aber die Regierung tut sich schwer, schnelle und wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. Stattdessen wird mit dem Argument der Arbeitsplatzsicherung alles versucht, die Industrie zu schonen. Doch das ist kurzsichtig, denn Arbeitsplätze lassen sich dauerhaft nur durch einen zügigen Strukturwandel erhalten. Und die Kosten der Klimakatastrophe und ihrer Folgen werden die Kosten für die Schadensbegrenzung deutlich übersteigen. Ach ja, die Hoffnung, dass dies erst spätere Generationen betreffen wird, kann man bei der augenblicklichen Dynamik der klimatischen Veränderungen getrost vergessen.

Aber nicht nur die Politik ist unfähig zu handeln, sondern auch wir Bürger. Die Fluggastzahlen steigen weiter, es werden weiterhin viel zu große und viel zu viele Autos gekauft und der Versandhandel boomt. Der Fleischkonsum ist mit ca. 60 Kilogramm pro Person noch immer auf hohem Niveau und wir werfen pro Person noch immer mehr als 85 Kilogramm an Lebensmittel in den Müll.  Und offensichtlich beziehen noch immer zu wenige Menschen Ökostrom, sonst wären die Kohlekraftwerke schon längst abgeschaltet.  Wir tun so, als wäre grenzenloser Naturverbrauch möglich.

Doch heute, am 29. Juli 2019,  sind nach Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir wieder von der Sub­stanz. Und so langsam bemerken wir, dass das nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen und Menschen in anderen Teilen der Welt geht, sondern dass uns das direkt betrifft. Die Klimakatastrophe ist längst im Gange, verändert nicht nur in anderen Weltregionen ganze Ökosysteme, vernichtet nicht nur dort viele Tier- und Pflanzenarten und treibt Menschen zur Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können. Auch hier bekommen wir es jetzt zu spüren. Außergewöhnliche Hitze und Trockenheit haben auch in Deutschland im letzten Jahr bei Getreide zu Ernteausfälle von 19% geführt. Tier- und Pflanzenarten werde auch bei uns durch den Klimawandel bedroht. Bisher hier unbekannte Arten wandern dagegen ein und verändern die Artengemeinschaften. Extremwetterlagen sorgen dafür, dass Ernten auf den Äckern verdorren oder wertvoller Ackerboden fortgespült wird. Während die Einen  das Badewetter genießen, bangen die Anderen um ihre Existenz. Aber wir werden bald alle merken, dass auch wir vom Klimawandel bedroht sind. Nicht nur an den steigenden Nahrungsmittelpreisen.

Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den „Welterschöpfungstag“ oder „Earth Overshoot Day“, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum wieder neu bilden kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Kennzahlen des Earth Overshoot Day 2019

Die Biokapazität der Erde ist zwischen 1961 und 2014 zwar fast um 27% angestiegen, doch gleichzeitig hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Dadurch hat sich die Biokapazität pro Kopf global von 3,1 gha auf 1,7 gha fast halbiert. In diesem Zeitraum hat sich der Ökologische Fußabdruck pro Kopf global um ca. 24% von 2,29 gha auf 2,84 gha vergrößert.

Stärker als im globalen Trend ist in Deutschland zwischen 1961 und 2014 die Biokapazität absolut um ca. 44% angestiegen, das Bevölkerungswachstum dagegen nur um etwa 9,5%.  Damit ergibt sich eine Zunahme der Biokapazität pro Kopf um 31% von 1,36 gha auf 1,79 gha und eine Vergrößerung des  Footprints pro Kopf um 18% von 4,27 gha auf 5,05 gha.

Der Anstieg der Biokapazität, darüber sollte sich niemand täuschen lassen, war nur durch den Einsatz billigen Erdöls in der industriellen Landwirtschaft möglich. Der Einsatz von immer größeren Maschinen, Dünger und Pestiziden hat zu höheren Erträge geführt. Doch erkauft haben wir uns den Anstieg der Biokapazität auf der anderen Seite mit der Verdichtung, Auslaugung und Abschwemmung der Ackerböden, Grundwasserver-schmutzung durch Gülle, Pestizide und Dünger sowie einem ständig zunehmenden CO2-Ausstoß. Das wird auf Dauer aber die Biokapazität verringern.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,7 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Es bleibt dabei: Grundsätzliches Umdenken in Politik und Wirtschaft und Verhaltensänderungen jedes Einzelnen sind zwingend notwendig.

Es hat keinen Sinn, sich immer nur an den Symptomen abzuarbeiten. Fluchtursachen bekämpfen heißt nicht, Zäune zu ziehen und Lager zu bauen. Fluchtursachen bekämpfen bedeutet, Lebensbedingungen auch in anderen Regionen der Erde zu erhalten, unter denen Menschen dort gut leben können. Dürreschäden bei uns kann man nicht durch Soforthilfen in Milliardenhöhe beikommen, sondern nur durch eine geänderte Landwirtschaft und mit der drastischen Verringerung des CO2-Ausstoßes. Das bedeutet aber das Ende der industriellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung, Pestizid-  und  Düngereinsatz, eine andere Verkehrspolitik mit deutlicher Verringerung des Individualverkehrs und dem Ausbau des Schienennetzes sowie einem sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Und ganz Grundsätzlich müssen wir weg von dem Gedanken des grenzenlosen Wirtschaftswachstums, denn das ist mit einem immer weiter zunehmenden Ressourcenverbrauch verbunden. Grenzenloser Konsum als Voraussetzung für grenzenloses Wachstum ist aber in einer begrenzten Welt schon logisch nicht möglich.

Wenn Bruno Latour in seinem kürzlich erschienenen Buch „Das terrestrische Manifest“ recht hat (und ich befürchte er hat recht), dann können wir von den Eliten dieser Welt nichts mehr erwarten. Sie wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber sie machen so weiter, weil es sie nicht interessiert, wie es den Menschen ergehen wird. Sie haben die Zukunft aufgegeben und leben nur noch im hier und jetzt. Und machen jetzt ihre Profite. Statt uns abzuschotten in der sinnlosen Hoffnung, wir könnten unseren kleinen Wohlstand erhalten, sollten wir endlich Mitgefühl und Solidarität mit allen Wesen auf diesem Planeten entwickeln. Denn die Nächsten, die nicht mehr wissen werden, wie sie überleben können und wohin sie fliehen sollen, werden wir sein. Dabei geht es, das sollte deutlich geworden sein, nicht darum, über die Aufnahme von Flüchtlingen zu streiten, sondern darum, dass wir unseren Lebensstil so ändern, dass wir nicht auf Kosten anderer leben.

Dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten:

http://www.footprintcalculator.org/
https://www.fussabdruck.de
https://www.footprintnetwork.org/
https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen)
https://take5.plattform-footprint.de
https://www.transition-initiativen.de/
https://www.overshootday.org/ (mit Vorschlägen, wie jeder von uns SOFORT seinen Footprint verkleinern kann)

Höchste Zeit

Es wird höchste Zeit,

dass die Politik ernsthafte und wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel unter­nimmt. Bisher haben Politiker nur mit schönen Worten und Absichtserklärungen geglänzt. Aber das Problem wird noch immer nicht wirkungsvoll angegangen. Global lag der Kohlen­stoffdioxidausstoß im Jahr 2018 um 2,7 Prozent höher als im Vorjahr und ist damit höher als je zuvor1. Gegen diesen Trend sind die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im Jahr 2018 erfreulicherweise um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Dies allerdings nicht als Ergebnis einer halbwegs erfolgreichen Politik. Der Rückgang ist vielmehr der außergewöhnlich warmen und trockenen Witterung im letzten Jahr geschul­det. Es wurde weniger geheizt und infolge der Dürre waren die Pegelstände der Flüsse so niedrig, dass die Frachtschiffe weniger Heizöl und Kohle transportieren konnten und somit die Energiepreise stiegen.2 Betrachtet man sich den deutschen Strommix, stellt man fest, dass der Anteil der Braunkohle im Laufe der letzten 28 Jahre nur geringfügig abgenom­men hat3. Und ob die Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung wirklich CO2-Emissionen einspart ist mehr als fraglich. Massenhafter Maisanbau mit Einsatz von Pesti­ziden, Dünger und Maschinen sorgt für eine schlechte Klimabilanz, bedroht Tier- und Pflanzenarten und degradiert die Böden. Wieso tut sich die Politik so schwer, ihre nicht einmal ambitionierten Klimaziele zu erreichen? Den Treibhausgas-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren, wird Deutschland nicht schaffen, wenn nicht endlich geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Bereits die Kli­maziele für das Jahr 2020 werden laut dem Klimaschutzbericht der Bundesregierung nicht erreicht werden.4 Die Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke im Jahr 2038 ist eindeutig zu spät, um die selbstgesetzten Ziele zu erreichen. Stefan Rahmstorf hat eindrucksvoll ge­zeigt, dass wir in Deutschland den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß jährlich um 6 Prozent redu­zieren müssten und im Jahr 2036 gar nichts mehr emittierten dürften, um die Klimaerwär­mung unter 2 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten5.

Da fragt man sich schon, warum die Politik so untätig ist und im Gegenteil sogar weiter die fossilen Energien fördert. Denn die Staaten der G7 (USA, Deutschland, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien) fördern jährlich mit rund 100 Milliarden US-Dollar Kohle, Gas und Öl6. Die Weltbank investiert mit ca. 21 Milliarden US-Dollar in fossile Ener­gieträger, dagegen nur mit 15 Milliarden in erneuerbare Energien7. Die Einführung des Emissionshandels hat nicht zu der erwarteten Verringerung des CO2-Ausstoßes geführt. Zum einen, weil zu viele Zertifikate kostenlos in Umlauf gebracht wurden. Zum anderen aber, weil andere CO2-Emittenten, wie beispielsweise der Verkehrssektor, damit gar nicht erfasst werden8. Wenn der Emissionshandel auf internationaler Ebene nicht funktioniert, dann braucht es nationale Regeln. Dazu gehört beispielsweise die Besteuerung von Koh­lenstoffdioxid. Mit der gleichzeitig kompletten Streichung der EEG-Umlage wird Strom auch für geringe Einkommen bezahlbar bleiben9 10. Damit wird Strom aus erneuerbaren Quellen billiger, während der Kohlestrom deutlich teurer würde. Dann hat sich die leidige Diskussion um die Abschaltung von Kohlekraftwerken und eventueller Entschädigungsan­sprüchen der Kraftwerksbetreiber von selbst erledigt. Wenn die Rahmenbedingung stim­men, kann der Markt auch funktionieren.

Nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds würde eine CO2-Steuer von 70 US-Dollar pro Tonne allein in den G20-Staaten jährlich Einnahmen zwischen 630 Milliar­den und 1,58 Billionen US-Dollar generieren. Damit könnten die Kosten für einen Umstel­lung der weltweiten Energieversorgung auf 86 Prozent erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 in Höhe von jährlich 480 Milliarden US-Dollar finanziert werden11.

So lange sich aber Politiker von Konzernen zu sehr beeinflussen lassen, wird sich an die­ser Politik vermutlich nichts ändern. Es geht nicht um plumpe Bestechung, sondern um Einflussnahme auf den Gesetzgebungsprozess durch externe Mitarbeiter, die von den Konzernen zur Verfügung gestellt werden und an Gesetzestexten mitschreiben. Sowie um Manipulation der Abgeordneten durch Wirtschaftsvertreter. Wenn sich Verkehrsminister weigern, geltende Gesetze zur Luftreinhaltung umzusetzen oder Maßnahmen zur Redukti­on der CO2-Emissionen aus dem Automobilverkehr zu ergreifen, beschädigen sie das An­sehen der Politik und leistet der Automobilindustrie einen Bärendienst. Denn die Zukunft des Automobils wird elektrisch sein. Während der Marktanteil der Elektroautos in Deutsch­land noch knapp 2 Prozent beträgt, liegt er in China bei 4,6 Prozent, in den Niederlanden bei 5,2 Prozent und in Norwegen bereits bei 47,9 Prozent12. Die Zulassungszahlen für Elektroautos werden in dem Maß zunehmen, in dem die Akkus leistungsfähiger und die Herstellungskosten niedriger werden. Das ist eine Entwicklung, wie sie bei jeder neuen Technologie zu beobachten ist. Und mit dem Siegeszug der Elektroautos werden viele Ar­beitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen. Dieser Strukturwandel muss vorbe­reitet werden. Statt dessen sichert die aktuelle Verweigerungshaltung der Politik nur die Gewinne der Konzerne und deren Aktionäre.

Seit dem Klimaabkommen von Paris haben die fünf größten Ölkonzerne jährlich etwa 200 Millionen Dollar in Lobbyarbeit investiert, um damit eine Politik zu verhindern, die zum Er­reichen der in Paris vereinbarten Klimaziele nötig wäre13. Es ist höchste Zeit, dass in Deutschland ein verpflichtendes Lobbyregister eingeführt wird, damit wir endlich wissen, welcher Politiker mit welchem Lobbyvertreter gesprochen hat14. Es darf nicht länger hinge­nommen werden, dass Politiker nach dem Ende ihrer Politikerlaufbahn zur Industrie und deren Lobbyverbänden wechseln und sich ihr Insiderwissen und ihre Kontakte vergolden lassen.

Dieser Planet darf nicht den Profitinteressen von wenigen geopfert werden. Ich behaupte, die meisten Menschen beteiligen sich nicht aus bösem Willen an der Zerstörung der Erde, sondern weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Oder es wird ihnen zu leicht gemacht, sich klimaschädlich zu verhalten. Wer auf sein Auto angewiesen ist, weil er oder sie sonst man­gels Alternativen nicht zur Arbeit oder in die Stadt kommt, hat eben keine Wahl. Wenn Fleisch und Fliegen so verlockend billig ist, braucht es schon viel Überzeugung und Wil­lenskraft, diese Angebote nicht zu nutzen. Und ich bin mir sicher, dass viele gar nicht wissen, was sie anrichten, weil die Auswirkungen des Konsumverhaltens verschleiert wer­den. Wenn in der Werbung für das billige Fleisch die Bilder der leidenden Tiere, deren grausame Schlachtung und der für die Futtermittel abgeholzten Regenwaldflächen gezeigt würden, verginge vielen der Appetit. Wenn der neue SUV im Werbespot nicht durch unbe­rührte Landschaften, sondern durch die infolge des Klimawandels verwüsteten Landstriche führe, dann würde vielleicht auch der Ottomotor-Normalverbraucher verstehen, was diese Dinger anrichten. Wenn in jeder Werbung für Billigflüge auch die Folgekosten in Klima­schäden und Menschenleben angegeben würden, gingen die Fluggastzahlen vermutlich zurück. Im Gegensatz zum Rauchen, bei dem ich selbst entscheide, wie viel Leid mir der „Genuss“ wert ist, wäre das nämlich keine Privatsache mehr.

Daher sind die Forderungen, wie sie von „Fridays for Future“ gestellt werden, Kohleaus­stieg bis 2030 sowie Nettonull-Emission und Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Ener­gie bis 2035, mehr als berechtigt und das absolute Minimum. Sie fordern die Abschaffung der Subventionen für fossile Energieträger bis Ende 2019, die Abschaltung von einem Viertel der Kohlekraftwerke und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen von 180 € pro Tonne CO2, die sich an den Klimafolgekosten orientiert. 15 Einen Schritt weiter geht die Bewegung „Extinction Rebellion“. Sie fordern Nettonull-Emission bis 2025, die Aufhebung aller Gesetze, die der Bewältigung der ökologischen Krise im Wege stehen und mehr Bür­gerbeteiligung. Es klingt alles noch etwas schwammig, aber sie fordern nichts anderes als einen Systemwechsel. Und sie haben damit vermutlich recht. Die nächsten Tage und Wo­chen werden wir sicherlich noch von ihnen hören, denn vom 15. bis zum 29. April soll es an mehreren Orten in Deutschland Aktionen von ihnen geben16. Mit Vorträgen, zivilem Un­gehorsam und friedlichem Protest wollen sie auf den dringend notwendigen Systemwech­sel aufmerksam machen.

In Augsburg haben sich Menschen zusammengefunden, die einen Systemwechsel versu­chen wollen. Rekommunalisierung städtischer Kapitalbetriebe, die Ausrichtung der regio­nalen Wirtschaft auf das Gemeinwohl, solidarische Landwirtschaft, schnellstmögliche Um­stellung auf 100 Prozent erneuerbare Energie und eine Verkehrswende mit kostenlosem ÖPNV sind nur einige Punkte davon17.

Earth Overshoot Day 2018

Unfassbar! Schon wieder pleite!

Welche Bank würde akzeptieren, dass man ständig mit seinem Konto im Minus ist und seine Schulden nicht zurückzahlt? Keine! Würde ein vernünftig haushaltender Mensch dauerhaft mehr verbrauchen, als den Ertrag aus seinem Vermögen? Vermutlich nicht! Aber wir tun so, als wäre das in Bezug auf unseren Naturverbrauch möglich. Doch heute, am 1. August 2018,  sind nach Berechnungen des Global Footprint Network (GFN) bereits sämtliche Rohstoffe und Naturleistungen aufge­braucht, die von der Erde innerhalb eines Jahres bereitgestellt werden können. Den Rest des Jahres leben wir wieder von der Sub­stanz. Und so langsam bemerken wir, dass das nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen und Menschen in anderen Teilen der Welt geht, sondern dass uns das direkt betrifft. Der Klimawandel ist längst im Gange, verändert nicht nur in anderen Weltregionen ganze Ökosysteme, vernichtet nicht nur dort viele Tier- und Pflanzenarten und treibt Menschen zur Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben können. Auch hier bekommen wir es jetzt zu spüren. Außergewöhnliche Hitze und Trockenheit sorgt auch in Deutschland für Ernteausfälle. Tier- und Pflanzenarten werde auch bei uns durch den Klimawandel bedroht. Bisher hier unbekannte Arten wandern dagegen ein und verändern die Artengemeinschaften. Extremwetterlagen sorgen dafür, dass Ernten auf den Äckern verdorren oder wertvoller Ackerboden fortgespült wird. Während die Einen  das Badewetter genießen, bangen die Anderen um ihre Existenz. Aber wir werden bald alle merken, dass auch wir vom Klimawandel bedroht sind. Nicht nur an den steigenden Nahrungsmittelpreisen.

Das GFN berechnet für jedes Jahr den Tag neu, an dem der Ökologische Fußabdruck der Menschheit, also die Inanspruchnahme der Na­tur durch den Menschen, die Biokapazität der Erde übersteigt. Diesen Termin nennt man den „Welterschöpfungstag“ oder „Earth Overshoot Day“, und er wird in jedem Jahr früher erreicht.

Jede unserer Handlungen kostet Naturkapital. Das ist unum­gänglich und an sich nichts Schlimmes. Doch mit unserem Le­bensstil verbrauchen wir in jedem Jahr mehr, als sich im gleichen Zeitraum wieder neu bilden kann. Die Folge sind ausgelaugte Böden, überfischte Meere, Wüstenbildung und Artensterben. Auch der Klimawandel ist Folge der Übernutzung, denn durch die Verbren­nung fossiler Energieträger zum Stillen unseres Energiehungers, wird mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geblasen als von den Wäldern, Böden und Meeren gebunden werden kann. Damit machen wir viele Regionen dieser Erde bereits jetzt für Men­schen unbewohnbar und heizen Kriege um Ressourcen an.

Kennzahlen des Earth Overshoot Day 2018

Die Biokapazität der Erde ist zwischen 1961 und 2014 zwar fast um 27% angestiegen, doch gleichzeitig hat sich die Weltbevölkerung mehr als verdoppelt. Dadurch hat sich die Biokapazität pro Kopf global von 3,1 gha auf 1,7 gha fast halbiert. In diesem Zeitraum hat sich der Ökologische Fußabdruck pro Kopf global um ca. 24% von 2,29 gha auf 2,84 gha vergrößert.

Stärker als im globalen Trend ist in Deutschland zwischen 1961 und 2014 die Biokapazität absolut um ca. 44% angestiegen, das Bevölkerungswachstum dagegen nur um etwa 9,5%.  Damit ergibt sich eine Zunahme der Biokapazität pro Kopf um 31% von 1,36 gha auf 1,79 gha und eine Vergrößerung des  Footprints pro Kopf um 18% von 4,27 gha auf 5,05 gha.

Der Anstieg der Biokapazität, darüber sollte sich niemand täuschen lassen, war nur durch den Einsatz billigen Erdöls in der industriellen Landwirtschaft möglich. Der Einsatz von immer größeren Maschinen, Dünger und Pestiziden hat zu höheren Erträge geführt. Doch erkauft haben wir uns den Anstieg der Biokapazität auf der anderen Seite mit der Verdichtung, Auslaugung und Abschwemmung der Ackerböden, Grundwasserverschmutzung durch Gülle, Pestizide und Dünger sowie einem ständig zunehmenden CO2-Ausstoß. Das wird auf Dauer aber die Biokapazität verringern.

Derzeit verbraucht die Menschheit die Naturleistungen von 1,7 Planeten mit der Qualität der Erde. Wollten alle Menschen der Welt so leben wie wir in Deutschland, bräuchten wir sogar 3 Er­den. Wenn wir die Erde als unseren Lebensraum erhalten und Fluchtursachen bekämpfen wollen, müssen wir unseren Natur­verbrauch einschränken.

Es bleibt dabei: Grundsätzliches Umdenken in Politik und Wirtschaft und Verhaltensänderungen jedes Einzelnen sind zwingend notwendig.

Es hat keinen Sinn, sich immer nur an den Symptomen abzuarbeiten. Fluchtursachen bekämpfen heißt nicht, Zäune zu ziehen und Lager zu bauen. Fluchtursachen bekämpfen bedeutet, Lebensbedingungen auch in anderen Regionen der Erde zu erhalten, unter denen Menschen dort gut leben können. Dürreschäden bei uns kann man nicht durch Soforthilfen in Milliardenhöhe beikommen, sondern nur durch eine geänderte Landwirtschaft und mit der drastischen Verringerung des CO2-Ausstoßes. Das bedeutet aber das Ende der industriellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung, Pestizid-  und  Düngereinsatz, eine andere Verkehrspolitik mit deutlicher Verringerung des Individualverkehrs und dem Ausbau des Schienennetzes sowie einem sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Und ganz Grundsätzlich müssen wir weg von dem Gedanken des grenzenlosen Wirtschaftswachstums, denn das ist mit einem immer weiter zunehmenden Ressourcenverbrauch verbunden. Grenzenloser Konsum als Voraussetzung für grenzenloses Wachstum ist aber in einer begrenzten Welt schon logisch nicht möglich.

Wenn Bruno Latour in seinem kürzlich erschienenen Buch „Das terrestrische Manifest“ recht hat (und ich befürchte er hat recht), dann können wir von den Eliten dieser Welt nichts mehr erwarten. Sie wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber sie machen so weiter, weil es sie nicht interessiert, wie es den Menschen ergehen wird. Sie haben die Zukunft aufgegeben und leben nur noch im hier und jetzt. Und machen jetzt ihre Profite. Statt uns abzuschotten in der sinnlosen Hoffnung, wir könnten unseren kleinen Wohlstand erhalten, sollten wir endlich Mitgefühl und Solidarität mit allen Wesen auf diesem Planeten entwickeln. Denn die Nächsten, die nicht mehr wissen werden, wie sie überleben können und wohin sie fliehen sollen, werden wir sein. Dabei geht es, das sollte deutlich geworden sein, nicht darum, über die Aufnahme von Flüchtlingen zu streiten, sondern darum, dass wir unseren Lebensstil so ändern, dass wir nicht auf Kosten anderer leben.

Dass die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks nichts mit Verzicht zu tun hat, zeigen bereits viele In­itiativen überall auf der Welt. Wir haben viele Möglichkeiten für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Wir müssen sie nur nutzen.

Informationen zum Overshoot und weiterführende Links dazu findest du beispielsweise auf folgenden Internetseiten:

http://www.footprintcalculator.org/#!/
https://www.fussabdruck.de
https://www.footprintnetwork.org/de/index.php/GFN/
https://www.footprint.at (hier auch weitere Hintergrundinformationen)
https://take5.plattform-footprint.de
https://www.transition-initiativen.de/
https://www.overshootday.org/ (mit Vorschlägen, wie jeder von uns SOFORT seinen Footprint verkleinern kann)

Aufzeichnung des Livestreams vom 1. August 2018 ,  8:00 Uhr MEZ