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Verzichten wir doch mal auf Trägheit

von Petra Stechele

„Wer in den Zoo geht und ein Krokodil betrachtet, betrachtet Mitteleuropa. Wohlgenährt, träge und bewegungslos liegt es da. Schon erledigt vom pausenlos guten Leben, ist ihm der Hunger nach Aufregungen schon vergangen. Deshalb stehen in vielen Städten Türme herum, von denen die Ruhelosesten in die Tiefe springen. Kein Reiseversicherungspaket begleitet sie nach unten, um heil davonzukommen. Nein, nur ein Bungee-Gummiband verspricht letzte Rettung. Unglaublich, welche Kraftakte man auf diesem Erdteil unternehmen muss, um sein Herz noch schlagen zu hören.” (Andreas Altmann. 34 Tage, 33 Nächte)

Neuerdings gibt es andere Aufregungen, andere Ängste, die uns klar machen, dass etwas in eine Richtung läuft, die uns nicht gefallen kann. Ein anderes Unten, eine andere Tiefe, in deren Bodenlosigkeit wir nicht fallen wollen. Wir beginnen die Folgen unseres Tuns zu spüren, wenn wir die Flüchtlingsströme aus dem Nahen Osten sehen. Peter Scholl-Latour hat sein Buch über die Entwicklungen in diesem Raum „Der Fluch der bösen Tat“ tituliert. Wir sollten zu vermeiden suchen, noch mehr Flüche „böser“ Taten erleben zu müssen. Wir zerstören Lebensräume anderer Menschen durch unseren Lebensstil.

Und es gibt meines Erachtens noch eine andere Form des Verzichts, als den auf Dinge, auf die man einen Anspruch hat, nämlich den auf Dinge, auf die man jahrelang glaubte, einen Anspruch zu haben, weswegen sich dann eine Gewohnheit bildete.

„Es ist einfacher ein guter Mensch zu sein, wenn man dabei nichts zu verlieren hat,“ sagte Harald Martenstein einmal in seiner Kolumne im ZEITmagazin. Ähnlich ist es auch mit dem Verzicht. Ich kann gut auf beheizte Fußballstadien und Rasenheizung verzichten, weil mich dieser Sport nicht interessiert. Meinetwegen muss man nirgendwo in Wüsten oder unterentwickelten Ländern teure Olympiastadien bauen. Den Sportfan wird das dagegen hart treffen.

In seiner negativ besetzten Ausprägung bedeutet der Verzicht eine Einbuße an Lebensfreude, nämlich genau dann, wenn ich auf all jene Dinge verzichte, die mir Freude bereiten. Aber muss das unbedingt so sein? Durch ein bisschen Nachdenken kann man in einfacher Weise neue Gewohnheiten und neue Freuden entwickeln, Neues ausprobieren. Auch alles, was nicht dauernd oder wiederholt im Übermaß betrieben wird, entlastet die Umwelt und kann den eigenen Horizont erweitern, mir neue Erfahrungen bringen. Um beim Beispiel zu bleiben: Niemand muss auf Fußball verzichten, aber muss er bei Eis und Schnee stattfinden, muss Olympia in der Wüste abgehalten werden? Viele dieser Dinge kann ich nicht direkt verhindern, aber durch mein Interesse treibe ich sie indirekt voran, durch mein Verhalten entscheide ich mit. Ich muss nicht alles mitmachen, ich kann stattdessen etwas anderes tun, anderes auswählen – vielleicht bereichert es sogar mein Leben, wenn ich mir ab und an ein anderes Vergnügen wähle.

Manchmal kann ich supergut auf ein Flugzeug verzichten, weil ich Bahnreisen schöner und erlebnisreicher finde, auch wenn sie länger dauern. Sogar dann, wenn mal ein Anschluss nicht klappt. Im überfüllten Zug beim Bahnstreik sind mir, eingepfercht auf einem engen Gang, die interessantesten Menschen begegnet – und auf so engem Raum kamen wir uns auch menschlich näher und haben mehr miteinander geredet, als wenn jeder auf seinem eigenen Sitz eingequetscht wäre. Als ich in einer kleinen französischen Stadt einen Anschluss verpasste, musste ich im Café auf den nächsten Zug warten. Es war herrlich. Dieser Vormittag ließ das Leben der Stadt und ihrer Menschen vor mir Revue passieren, bescherte mir interessante Lektüre, gutes Essen und Gespräche. All das wäre mir nicht begegnet, wenn ich den geplanten Zug genommen hätte.

Aber als mein Sohn im Ausland studierte, konnten wir nicht immer auf das Flugzeug verzichten, weil sonst manchmal aus Zeitmangel nicht möglich gewesen wäre, einander zu besuchen. Dazu habe ich beim Thema Reisen schon einiges gesagt. Zudem ist die Preispolitik der Bahn manchmal schwer zu verstehen und mit mehreren Personen ist es oft günstiger, Auto zu fahren, was nicht den realen Kosten entspricht.

Bleiben wir bei der Bewegung. Wie viel Geld wird in Deutschland und weltweit ausgegeben für Fitnesseinrichtungen, für Sportgeräte, Sportvereine, und schließlich für Folgeschäden von Sportverletzungen oder für die Schäden, die unsere körperliche Trägheit verursacht!? So haben wir Fernbedienungen, damit wir nicht einmal mehr die paar Bewegungen tun müssen, um das Garagentor zu öffnen und es hochzuschieben. Aufzüge, Rolltreppen, obwohl wir noch bestens auf den Beinen sind, Haushaltsgeräte, die uns jede Mühe erleichtern und eine Menge Tätigkeiten abnehmen, Elektrogeräte, die uns den Rechen im Garten ersetzen, den Rasenmäher, die Heckenschere. Ankauf, Instandhaltung und Ersatz defekter Geräte kosten uns viel Geld und Zeit. Wir müssen dafür mehr Erwerbsarbeit leisten, um das Geld zu verdienen. Wenn wir einige dieser Tätigkeiten in unser tägliches Fitnessprogramm einbauen, ersparen wir uns eine Menge Geld und sparen uns die Zeit im Fitnesscenter.

Sogenannte Eigenarbeit, Arbeit für den eigenen Zweck also, wird in unserer Gesellschaft wenig geschätzt. Sie hat einen geringen Prestigewert, weil sie mit wenig öffentlicher Beachtung oder messbaren Erfolgen einhergeht. Dennoch kann sie uns viel Freude machen, sie steigert unsere Kreativität und vermittelt den Flow. Das ist ein Begriff aus der Psychologie, für das höchst gesunde Gefühl ganz in einer erfüllenden Tätigkeit aufzugehen, an der wir Freude haben und der wir uns ganz konzentriert hingeben, statt immer der gleichen Routine und dem gleichen Trott in Schule, Job und Büro zu folgen oder uns von allen Medien gleichzeitig unterhalten zu lassen. Eigenarbeit ist in vielen Fällen umweltfreundlicher und gesünder als der Erwerb der Fertigprodukte, wie etwa das Kochen und Backen, aber auch der Anbau von Nahrungsmitteln. Denn sogar auf einem Balkon kann man schon viele Pflanzen selber ziehen.

Wenn man dann auch noch seine geistige Trägheit überwindet und ab und an darüber nachdenkt, alte Gewohnheiten durch neue zu ersetzen, wie etwa nähergelegen einzukaufen, mal dabei zu Fuß, und öfter zu gehen oder mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Verkehrsmittel, schon wieder hat man etwas für Fitness und Umwelt getan. Man kann hier durchaus manchmal auf das Auto verzichten. Kritisch muss ich allerdings einwerfen, dass man in größeren Städten nicht unbedingt leicht und gern mit Fahrrad und Anhänger mitten durch den Verkehr fahren will, weil das doch sehr unfallgefährdend sein kann und man ebenso wenig gerne seine Milch-oder Getränkemehrwegflasche weit tragen möchte. Ich sehe durchaus, dass manchmal die Infrastrukturen unserer Umweltfreundlichkeit Grenzen setzen, weil ja die vielen kleinen Läden in der direkten Nachbarschaft in den letzten Jahren verschwunden sind. Verschwunden sind sie aber, weil wir ja gerade sie nicht mehr wollten, denn wir wollten ja mit unseren fetten SUVs lieber bequem parken und das war nur in den Gewerbegebieten möglich. Dafür nahmen wir bereitwillig in Kauf, dass unsere Landschaft mit Betonbaracken und Parkplätzen zugepflastert wurde. Es ist eine selbstverschuldete Entwicklung, die wir durch unser Verhalten in Gang setzten und so auch wieder rückgängig machen können.

Müll kann man reduzieren, indem man weniger Verpackung benötigt und selber Dosen und Tüten mitnimmt, auch, indem man die Art der Verpackung wählt, also auf Plastik verzichtet. Ein bisschen Mitdenken hält den Kopf fit und reduziert Abfälle leicht um zwei Drittel. Bewusst konsumieren, das heißt für mich auch, dass ich überlege, was ich mit meinem Einkauf unterstützen will. Manchmal kann ich nur wählen, entweder Bio oder weniger Müll. Manchmal sind eben die Produkte nicht perfekt umweltfreundlich.

Ich spare Papier, aber vor allem, Drucker- und Kopierpapier, das kann ich bedenkenlos reduzieren. Ich rege in meiner Stadt den Gebrauch von Recyclingpapier an Ämtern und Schulen an, aber auch als Hygienepapier in privaten Haushalten.

An Büchern und Zeitungen spare ich nicht so gern, weil sie für mich meist, wenn auch nicht immer, Kultur und Bildung repräsentieren, geistige Auseinandersetzung mit wichtigen Themen, weil von ihnen Autoren und Journalisten leben, die sich diesen Aufgaben verschrieben haben und meist nur sehr wenig Geld dafür bekommen, nicht selten sogar noch einen Broterwerb zusätzlich ausüben müssen. Ich will sie daher unterstützen dabei, wichtige Gedanken unter die Menschen zu bringen, denn wenn sie es nicht tun würden, wäre kritische politische Meinungsbildung aber auch kulturelle Auseinandersetzung nicht möglich. Zudem kann ich anders mit einem Buch arbeiten, als mir dies am Bildschirm möglich ist. Beides hat Vorteile und ich versuche es sinnvoll abzuwägen.

Ich kann auch ganz leicht auf jene Sparte des Konsums verzichten, die sich in bunten Plastiktretern, Geschenk- und Dekoartikeln manifestiert, in billigem Plastikspielzeug für Kinder, das meist scheußlich aussieht, unästhetisch ist und auch schnell kaputt. Gerade zu den Festzeiten überschwemmen uns die Läden mit ihren meist chinesischen Billigprodukten, die danach bedenkenlos entsorgt werden.

Seit beinahe vierzig Jahren habe ich dieselben Möbel, weil ich mir einmal qualitativ gute, zeitlose Stücke gegönnt habe, die optimal in meine Räume passen und daher noch immer einwandfrei aussehen. Auf einige davon habe ich sogar länger gespart. Mit Kleidung verhält es sich ähnlich. Man muss nicht dem Trend folgen und wöchentlich nach der neuesten Mode gekleidet sein, nur weil der Laden schon wieder neue Stücke hat. Auch mit längeren Zyklen kann man attraktiv aussehen.

Überflüssiger Konsum, der sich in billigen Werbegeschenken, Pröbchen und Beigaben zu anderen Waren darstellt, muss manchmal mit etwas Mühe abgelehnt oder sogar zurückgeschickt werden, was mit etwas weniger Trägheit ganz einfach ist: zurück an den Absender drauf und rein in die Post. Das kommt in der Regel nicht wieder.

Gewünschte Veränderungen kann man mit etwas Kreativität durch Wiederverwendung und Zweckentfremdung, wenn man aus Altem Neues macht, schnell erreichen. Dann kann schon gar nicht mehr von Verzicht gesprochen werden, er ist gar nicht dazu nötig. Man erspart sich den Erwerb neuer Produkte, man produziert sie selbst durch eigene Kreativität. Zum Beispiel hatte ich Handtuchhalter aus nicht benötigten Drahtkleiderbügeln zurechtgebogen, Vorhänge aus übrigen Geschirrtüchern genäht, Kissenbezüge aus Halstüchern und Verpackungen als Windlichter und Blumenvasen verwendet.

Manchmal hätten wir schon viel erreicht, wenn wir auf ein bisschen Trägheit verzichten könnten, wenn wir uns die Mühe machen würden, vorher über unser Tun und unsere Konsumentscheidungen nachzudenken, wenn wir manchmal etwas weniger oft tun würden. Die Wirkung wäre vortrefflich! Aber so flüchten wir uns in die Ausrede: Wenn ich nicht alles tun kann, dann tu ich lieber gar nichts.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir einem ewigen Rechtfertigungszwang unterliegen, ganz besonders im Umweltschutz. Er wird von manchen dogmatisch gehandhabt und betrieben mit dem Moralismus, manchmal sogar dem Fanatismus einer Religion. Dann wundert man sich, wenn manche Menschen nicht mehr mitmachen wollen, obwohl doch so logische Gründe dafür sprechen. Denn natürlich sind wir alle nicht perfekt, denn natürlich haben wir manchmal triftige Gründe, das Auto zu nehmen, Transporte, das Wetter, ein kaputtes Knie, ein Baby, unzureichende Verkehrsmittel! Es ist Unsinn, sich das gegenseitig vorzuwerfen.

Dennoch gilt, manchmal auf träge Gewohnheiten zu verzichten, bringt allen etwas!

Andreas Altmann schildert in Gebrauchsanweisung für die Welt folgende Beobachtung: „Doof sein ist leicht, viel leichter, als das Hirn in Betrieb zu nehmen. Das erinnert mich an Passagiere, die nach einem 12-Stunden-Flug in der Ankunftshalle die Rolltreppe benutzen, statt sich vor die erste Treppe zu knien, aus Dank, wieder den Leib spüren zu dürfen. Nichts würde sie physisch hindern, aber sie wollen träge sein. Dieses geistig-körperliche Versumpfen, dieses Fettwerden oben und unten, ist es das, wofür wir leben?“

„Ah, die Routine. Sie ist eines der gefährlicheren Gifte. Vor dem keiner von uns gefeit ist. Sie ist der Erzfeind der Neugier, sie ist das träge Fleisch, der innere Schweinehund, eine wahre Massenvernichtungswaffe.“

Minimalismus versus Opulenz

von Petra Stechele

Karl Lagerfeld hat vor Jahren einmal gesagt: „Zu viel darf nicht genug sein.“

Man könnte das beinahe als DAS Manifest des entfesselten Kapitalismus bezeichnen.

Aber dieser Satz spottet natürlich jeder Logik, denn zu viel ist zu viel. Das ist die schlichte Bedeutung der Wörter. Und dennoch die Natur lehrt uns nicht Knappheit, nicht Freudlosigkeit. Die Natur lehrt uns Opulenz, Fülle, Schönheit. Wenn wir sie nicht stören, ist sie durchaus fähig das hervorzubringen. Sie tut dies, indem sie ihre Abfälle als Nahrung wiederverwendet nach dem Prinzip: Waste is Food. Wir brauchen uns dabei nur einmal einen Kirschbaum in voller Blüte vorzustellen. Nur lehrt sie uns dabei auch die Regel der geschlossenen Kreisläufe.

Fülle, Reichtum und Opulenz sind nur in geschlossenen Kreisläufen möglich, wie das schon Michael Braungart vor langer Zeit festgestellt hat. Solange unsere Produktion, unsere Wirtschaft, unsere Zivilisation dazu nicht in der Lage ist, kann sie sich Opulenz und Fülle nicht erlauben. Sie kann es sich dann nicht erlauben, wenn sie die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen in einem Maße verbraucht, das sich zerstörerisch auf das Leben der Zukunft auswirken muss. Zur Zeit wirbt der World Wild Life Fund (WWF) mit einem Plakat auf dem steht: „5€ retten eine bedrohte Art: dich! Der Amazonaswald schützt auch unser Leben. Schützen wir ihn.“ Das ist ein ernster Aufruf, uns darüber klar zu werden, wie viel wir zerstören von unseren eigenen Lebensbedingungen. Am besten schützen wir ihn, wenn wir uns für den Klimaschutz und gegen die Abholzung einsetzen. Schuld daran ist unser Lebensstil. Wir verbrauchen den Wald für Papier, für Plantagen, für Möbel.

Deshalb sollten wir hier mal den Minimalismus von seiner positiven Seite betrachten. Minimalismus heißt: ich beschränke mich auf das minimal Notwendige. In meinem privaten Leben kann ich das durchaus im Rahmen der geschlossenen Kreisläufe aufbrechen. Wenn ich es schön haben will, kann dekorieren mit Dingen, die ich in der Natur finde, mit Dingen, die ich wiederverwende, die ich aus dem Kreislauf für eine Zeit entferne, um sie später zurückzugeben.

Kürzlich war ich zu Besuch in Amsterdam, in einer Wohngegend mit sehr großen Fenstern zu den kleinen Gassen. Im Vorübergehen bei Dunkelheit sah ich plötzlich in einen hellerleuchteten vorhanglosen, loftartigen Wohnraum – und erschrak: denn er war bis auf den letzten Zentimeter vollgestellt mit Kram, die Leute hatten kaum Platz sich zu bewegen. Küchentheke und Esstisch waren voll mit Fläschchen, Figürchen, Geschirr und, und, und. Die Personen schienen beinahe darin zu verschwinden, erdrückt von all dem Zeug. Sie wirkten unbeweglich, eingeschränkt. Wie ein Teil ihres eigenen Museums. Ich stellte mir vor, darin leben zu müssen.

Ab und an wunderte ich mich, warum meine Nachbarn dreimal so viel Müll haben wie ich, warum bei ihnen ständig der Sperrmüll kommt und der ganze Hausrat vor der Tür landet. Ab und an wunderte ich mich, warum manche Menschen über nichts anderes mehr reden, als über ihre Shoppinggewohnheiten und –gelegenheiten. Ab und an wunderte ich mich, warum die Wohnungseinbrüche die Autodiebstähle an Zahl inzwischen überholt haben. Seit ich dieses Bild sah, wundere ich mich nicht mehr.

Minimalismus entlastet. Ich versuche seit einiger Zeit monatlich einen Wäschekorb voll nicht mehr benötigter Dinge, an das Sozialkaufhaus oder andere Einrichtungen zu spenden. Mit jedem Korb, den ich aus meinem Haus entferne, erleichtere ich mir gleichzeitig das Leben, weil sie meinen Haushalt verkleinern. Ich muss diese Dinge nicht verwalten, nicht umräumen, nicht anwenden, nicht benutzen und nicht pflegen. Zunehmend gewinne ich Zeit für Dinge, die mir wichtiger sind. Vor allem für soziale Kontakte. Selten benötigte Dinge kann man auch einmal ausleihen.

Auch hierzu findet sich ein schönes Zitat bei Andreas Altmann „Und so schleichen die einen davon, während die Müllmänner und Müllfrauen – all jene eben, die gern Müll shoppen – zurück in ihrem Viel-Tonnen-Haus bleiben, vor der Fünf-Tonnen-Garage, der Zwei-Tonnen-Blechkuh, ja sie selbst – die unbeweglichen Stubenhocker – schon zur Tonne mutierten: Weil so viel Besitz keinen Auslauf mehr erlaubt, weil er bewacht, umzäunt, diebstahlversichert, wasserversichert , feuerversichert, sturmversichert, alarmknöpfe-vermint, ja abgestaubt, neu gestrichen, frisch geschmiert, vertieft, erweitert, vergrößert werden muss. Damit sie im Kuhdorf Quakenbrück (nur ein Beispiel) jeden Tag um die Wette protzen können: Wer hat am dümmsten seine Lebenszeit vertan? Wer stirbt als Erster an Raffsucht? Wer will der Reichste auf dem Friedhof sein?“

Ja, so von der Hand zu weisen ist auch dieser Gedanke nicht, denn wie viele erkranken an dieser typischen Krankheit unserer gierigen Zeit, die man Burn-out nennt, arbeiten zu viel shoppen zu viel, oder sitzen zu viel oder zu lange im Büro oder vor den Bildschirmen. Denn zu viel ist eben zu viel! Sie bewegen sich zu wenig?

Ja, ich stelle täglich fest, wie es entspannt, wie es befreit, weniger Dinge benutzen, pflegen und sauber halten zu müssen. Es bringt Klarheit ins Leben. Und auf einmal brennt nichts mehr aus. Auf einmal hat man Zeit, Zeit für das, was Nathalie Knapp in ihrem Buch Kompass neues Denken als Resonanzerlebnisse bezeichnet: intensive Begegnungen und Gespräche mit interessanten Menschen. Begegnungen, die nichts kosten. Oder jene Flow-Erlebnisse, Tätigkeiten, die uns so viel Freude machen, dass wir darin völlig aufgehen.

Zeit eben. Die Zeit, zu leben.

Die Schriftstellerin Colette schrieb einmal: „Ich hatte eigentlich ein wunderschönes Leben. Leider habe ich es zu spät gemerkt.“

Regionale Dialogkonferenz in Dresden

Dresden ist am 25. November 2015 Gastgeber der ersten regionalen Dialogkonferenz. Eingeladen sind vor allem interessierte Bürgerinnen und Bürger aus den süd-östlichen Bundesländern. Ein hochrangiger Vertreter des Landes wird die Diskussion miteröffnen und mitdiskutieren.

Hier geht es zum Programm.

Bitte melden Sie sich über das Anmeldeformular an.

Link zum Tagungshaus:
www.hdk-dkk.de

Anreise zum Tagungshaus:
www.hdk-dkk.de/service/anfahrt

Brief an die Kanzlerin

Dipl.-Biol. Stefan Simonis
27, rue du Rhin
F-67860 Rhinau
Tel.: 0(033) 3 88 58 10 36

An
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

Rhinau, den 21. November 2015

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

wohl wissend, dass Sie sehr beschäftigt sind, bitte ich Sie, sich die Zeit für diesen Brief zu nehmen. Zunächst möchte ich mich bei Ihnen für Ihre bisherige Haltung in der Frage der Aufnahme neuer Flüchtlinge bedanken. Auch ich bin ein „besorgter Bürger“, der sich fragt, wie wir alle diese Men­schen aufnehmen und versorgen können. Aber selbst wenn die Unterbringungsmöglichkeiten knap­per werden, bin auch ich der Meinung, dass wir Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und vor dem Tod durch Verhungern fliehen, zunächst einmal aufnehmen müssen. Sie Ihrem Schicksal zu überlas­sen, wäre unmenschlich.

Ich bitte Sie daher, weiterhin dafür zu sorgen, dass Menschen in Not bei uns Aufnahme finden. Da­bei sollte die Unterbringung in großen Lagern und Ghettobildung unbedingt verhindert werden, da sie zwangsläufig Aggressionen, Gewalt und Angst nach sich ziehen. Notwendig ist eine schnelle In­tegration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Aber ich bitte Sie auch, gleichzeitig für die Beseitigung der Fluchtursachen zu sorgen. Auf die Notwendigkeit hat u. a. Herr Dr. Köhler in einem Interview in der ZEIT vom 24. September 2015 (https://www.zeit.de/2015/39/horst-koehler-fluechtlinge-interview) hingewiesen.

Unser Lebensstil stürzt bereits jetzt Menschen in Not, weil beispielsweise die Stromerzeugung mit­tels Kohle, der Individualverkehr und der Flugverkehr sowie unsere Landwirtschaft Unmengen an Kohlenstoffdioxid ausstoßen und damit den Klimawandel antreiben. Unter den Folgen leidet beson­ders die Landwirtschaft in ärmeren Regionen, sodass dort Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt werden und ihre Heimat verlassen müssen. Bitte setzen Sie sich daher in Paris für wirkungsvolle und verbindliche Maßnahmen zur Einhaltung des Zwei-Grad-Zieles ein.

Unser Wirtschaftsmodell ist menschenverachtend, weil wir durch den Zwang zu ständigem Wachs­tum auf einen steten Ressourcenzustrom angewiesen sind und enorme Energiemengen benötigen. Dies führt dazu, dass in den Ländern, aus denen wir unsere billigen Rohstoffe und Waren holen, in­folge von Verteilungskriegen und Umweltzerstörung Not herrscht und radikale Kräfte leichtes Spiel haben. Längst werden Kriege um Ressourcen nicht mehr nur in entlegenen Ländern geführt. Wie wir am 13. November wieder feststellen mussten, haben wir uns die Konflikte ins eigene Land ge­holt. Ich finde, das beste Mittel gegen diese Feinde ist nicht, Truppen zu entsenden, sondern ihnen die Grundlage für ihren Hass zu entziehen. Die bisherigen Versuche, Stärke zu zeigen, haben stets den Menschenfeinden im In- und Ausland genutzt. Rechte Scharfmacher, die am liebsten alle Flüchtlinge zurückschicken würden, sehen sich in ihrer Haltung bestätigt und die Extremisten in den Herkunftsländern werden dadurch noch mehr zusammengeschweißt. Nehmen Sie diesen Kräf­ten den Wind aus den Segeln und setzen Sie sich bitte für ein faires Handelssystem ein, das es den Menschen erlaubt, menschenwürdig zu leben. Unser bisheriges Wirtschaftssystem trägt nicht zur Lösung der Probleme bei, die es selbst verursacht hat. Es verschärft die Probleme nur weiter. Wenn wir dagegen den Zwang zu ständigem Wirtschaftswachstum – das schon logisch nicht möglich ist – aufgeben, haben wir auch die Chance, von Importen unabhängiger zu werden.

Ich bin mir bewusst, dass es nicht reicht, Bitten und Forderungen an die Politik zu stellen. Auch ich will meinen Beitrag leisten. Ich bemühe mich, ressourcenschonend zu leben. Daher vermeide ich so weit wie möglich Fahrten mit dem Auto, fahre mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich er­nähre mich fast ausschließlich von biologisch erzeugten Lebensmitteln, kaufe fair gehandelte Pro­dukte und konsumiere maßvoll. Ich möchte, dass auch unsere Kinder noch ein menschenwürdiges Leben führen können. Das geht aber meiner Überzeugung nach nur, wenn wir alle weniger konsu­mieren, Umwelt und Ressourcen schonen und fair miteinander umgehen. In einem Wirtschaftssys­tem, das auf ständigem Wachstum basiert, wird das nicht möglich sein.

Ich bitte Sie daher: Werden Sie Ihrem eigenen Anspruch als „Klimakanzlerin“ gerecht und sorgen Sie für verbindliche und wirkungsvolle Abkommen zum Klimaschutz. Setzen Sie sich für ein faires Handelssystem ein, das nicht den Großkonzernen, sondern den Menschen in den armen Ländern Entwicklungschancen bietet. Machen Sie sich für eine Postwachstumsgesellschaft stark. Sie wird kommen, ob wir es wollen oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Simonis

UnterstützerInnen:

Alina Kalk, Gengenbach
Jacintha Kellner, Günzburg
Marcus Kiesel, Wuppertal
Mathias Krohn, Axstedt
Johannes Küstner, Berlin
Ursula Mazouz, Merzhausen
Ute Michallik-Herbein, Augsburg
Diane Rauscher, Giebelstadt

Brigitte Rauscher, Giebelstadt
Hans Rochau, Augsburg
Steffen Schürkens, Freiburg
Petra Stechele, Augsburg
Prof. Dr.-Ing.Walter Stechele, Augsburg
Lutz Weseloh, Bremerhaven
Björn Wiele, Hamburg

Teilzeithelden

von Petra Stechele

Ich bin für die Umwelt nur als Teilzeitheldin unterwegs.

Ich habe Tage, da bin ich schwach, träge, da bin ich müde, da kränkle ich, da bin ich nicht willens, mich zu allem Ärger mit der Welt auch noch mit dem Umweltschutz herumzuplagen. Tage, an denen will ich mich nicht mit dem Fahrrad abmühen, weil mir der Sturm zu heftig ist und ich einen Schnupfen oder Kopfweh habe. Tage, an denen das Fahrradfahren keine Freude macht.
Ich besitze ein Auto und dann nehme ich es, weil es mir das Leben erleichtert, weil es meine Befindlichkeit verbessert, meine Verletzungen kuriert, weil ich es vollladen kann, mit allem, was ich brauche. Dann versuche ich, möglichst mit einer Runde alles zu erledigen, damit ich nicht fünfmal herumkurven muss.

Es gibt Momente, da will ich mal anders aussehen und habe ein tolles Kleidungsstück entdeckt, das nicht in das Umweltkonzept passt, aber eben toll ist zum Ausgehen. Es steht mir super! Dann nehme ich es – und freue mich, wenn andere feststellen, dass ich darin gut aussehe. Wenn sie mir Blicke schenken, die ich anders nicht bekomme.

Es gibt Momente, da möchte ich etwas essen, das nicht die ökologischen Kriterien erfüllt, weil ich eingeladen bin, weil es für mich der Inbegriff der Freude ist, Teil eines Festes, eine Belohnung für etwas, Teil der Geselligkeit mit anderen. Dann denke ich nicht darüber nach, vermiese niemand den Abend, dann esse oder trinke ich es.

Ich finde, dass es niemandem zusteht, mich dafür zu verurteilen. Denn niemand ist perfekt. Wir können den Umweltschutz nicht mit dem Fanatismus der Religionen betreiben, nicht indem die einen Gruppen die anderen abkanzeln, die etwas ein wenig anders sehen oder lösen wollen. Wir müssten uns zusammenschließen, statt uns im Besserwissen zu überbieten.

Im Detail können wir oft gar nicht sagen, welches Produkt wirklich umweltfreundlich ist. Im Detail ist das oft viel zu aufwändig. Im Detail sind wir damit überfordert. Wir haben bisher oft nur grobe Leitlinien und Empfehlungen, an die wir uns halten können, so oft es uns gelingt.
Aber ich kann auch nicht die Ausrede gelten lassen, ich schaffe es eh nicht, dann bemühe ich mich auch gar nicht, da unser Lebensstil die Welt ruiniert.

Ich kenne viele, die verzagt aufgeben, immer müde und immer schwach sind, die frustriert sind und denken: das hat doch alles keinen Sinn, das nützt doch nichts, das ist doch jetzt alles gar nicht wichtig, wo wir doch viel gefährlicheren Dingen ausgesetzt sind, als dem Klimawandel, wo uns doch der Terror droht. Denen möchte ich gerne antworten. Schaut doch genau hin! Seht ihr denn nicht die Zusammenhänge!?

Unser Lebensstil ist zu Recht in Kritik geraten ist, wird zu Recht von anderen angegriffen. Und „angegriffen“ hat in diesen Tagen eine traurige Doppelbedeutung erlangt. Denn wir machen uns mit unserem Lebensstil auch abhängig von anderen, wir verlieren unsere Freiheit und Selbstbestimmung, weil wir uns ihnen ausliefern, allein durch unseren immensen Energiebedarf.

Wenn wir uns die Mühe machen, genau hinzusehen, dann erkennen wir, dass unser Lebensstil den Terror finanziert. Das Geld mit dem wir unser Öl bezahlen, wird von den Saudis dazu verwendet – das ist kein Geheimnis – den Terror zu finanzieren. Die Medien haben davon berichtet.

Wenn wir uns die Mühe machen, genau hinzusehen, dann sehen wir Reiche, die immer reicher werden und Arme, die chancenlos bleiben. Gerade die Länder Afrikas und des Nahen Ostens wurden von uns Anfang des vorigen Jahrhunderts dazu ausersehen, uns als Rohstoffquellen und Kolonien zu dienen. Das hat unser Verhältnis zu ihnen geprägt. Wir haben ihre Kultur nie wirklich verstanden. Wir haben in unserem Eingreifen in diesen Ländern versagt, weil wir ihnen unsere Werte aufgezwungen haben, nicht zuletzt wegen unserer eigenen Interessen. Peter Scholl-Latour nennt dies den „Fluch der bösen Tat“. Er hat schon vor langer Zeit vor einer Entwicklung wie dieser gewarnt.

Wenn wir uns die Mühe machen, genau hinzusehen, dann sehen wir, dass die jungen Mitläufer des Terrors ja aus unserem Europa kommen, junge Leute, die offenbar durch die Maschen der Gesellschaft gefallen sind, die keine Perspektiven für ihr Leben sehen und in ihrer Selbsttötung ein erstaunliches einmaliges Sinnerlebnis sehen. Vielleicht auch die Erlösung aus einer unhaltbaren Leere, einer für sie unerträglichen Situation.

Es ist überhaupt ein Phänomen im Umweltschutz, dass fast alles, was wir wissen, schon seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt ist und vorhergesagt wurde. Doch wir haben es bisher meisterlich ignoriert. Vermeintliche Lösungen wie die Atomkraft haben sich als Irrwege erwiesen. Da bleibt mir nur der Versuch, meine Bedürfnisse zurückzunehmen, bis wirkliche Lösungen gefunden sind.

Wenn ich unsere Freiheit und unsere Werte erhalten will, dann muss ich mit meinem Lebensstil dafür sorgen, dass wir sie nicht verlieren. Zumindest immer wieder kann ich versuchen, meine Abhängigkeiten aufzubrechen und meine Freiheit erhalten, über mein Tun verantwortungsvoll zu entscheiden.

Drum bin ich für die Umwelt immerhin als Teilzeitheldin unterwegs.

Literatur:
Abdalrachman Munif, Salzstädte.
Peter Scholl-Latour, Der Fluch der bösen Tat.
Jenny Erpenbeck, Gehen, ging, gegangen.

NachDenkstatt

Die NachDenkstatt ist eine transdisziplinäre Plattform, in der Expert_innen aus Wissenschaft und Praxis zusammen mit Studierenden, Oldenburger Bürger_innen und Interessierten aus dem gesamten Bundesgebiet verschiedene nachhaltigkeitsrelevante Themen bearbeiten.

Unter dem Motto „Miteinander. Wandel. Denken.“ wollen wir einen Austausch über Nachhaltigkeitsthemen anstoßen und so gesellschaftlichen Wandel vorantreiben.

nsgesamt bieten wir euch in diesem Jahr sechs unterschiedliche Themenworkshops an. Mit Klick auf die Icons erfahrt ihr mehr über die jeweiligen Inhalte:

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Reisen

von Petra Stechele

Die Deutschen seien darin Weltmeister, kann man vielerorts hören. Humboldt hat es uns vorgemacht. Das Entdecker-Gen, das kürzlich die Wissenschaft in der DNA mancher Menschen gefunden hat, ein Teil der Deutschen hat es also geerbt. Sie besonders sind von Neugier getrieben, sie zieht es hinaus in die Welt. Unser Wohlstand ermöglichte es uns, aufzubrechen. Die Strukturen unserer Arbeitswelt ließen uns die Freizeit dafür.

Reisen ist ein Urtraum der Menschheit, ein Antrieb, die Welt zu erkunden, zu erforschen, seinen Erfahrungsraum auszudehnen, Grenzen auszuloten. Ein Antrieb, der die Zivilisation vorantreibt, die Menschen vom Tierreich abhebt. Homo sapiens, der, der weiß und wissen will. Der aber zunehmend auch erkennen sollte, wo seine Grenzen liegen und wann er seine Existenz und die seiner Mitmenschen in Gefahr bringt. Der, der mit seinem Wissen schöpferisch sein, der heilen kann, aber auch gefährden und zerstören. Der, dessen Gier aber zunehmend unsere Erde ausbeutet und „verbraucht“, auf Kosten der Nachwelt.

Reisen war ein Machtinstrument, von je her. Wer die Mittel hatte, der konnte seine Machtansprüche ausdehnen und in die Welt hinaustragen, der konnte erobern, Kolonien unterhalten und Handelswege ausbauen, der konnte damit Wirtschaftsmacht aufbauen. Abdalrachman Munif beschreibt in seinem Roman „Salzstädte“, wie die freien unabhängigen Beduinen durch die ölsuchenden Amerikaner langsam in den Bann der modernen Technik geraten und die lokalen Scheichs durch Einsatz moderner Medien erstmals überhaupt zu Machthabern werden, weil sie ihren Willen „broadcasten“ können, kundtun und versenden. Damit werden die Menschen zu Untertanen, zu Mitläufern und Gegnern, damit entstehen Politik und Machtausübung. Unfrieden kann weitergetragen werden. Aus einem Streit wird ein Krieg. Damit fallen sie dem Machtstreben des Westens anheim. Schon viel früher hatten die ersten Global Players weltweiten Handel betrieben. Die Welser hatten die ersten Sklavenmärkte in Coro in Südamerika begründet, ganze Gebiete entvölkert und Menschenhandel betrieben, um ihre Kolonie zu unterhalten. (J. Denzer, 2003)

Reisen, begonnen hatten sie mit mühsamen und abenteuerlichen Expeditionen auf den Rücken von Tieren oder in selbst gebauten Schiffen. Die ersten davon hatten Jahre in Anspruch genommen und viele Opfer gefordert. Menschen hatten sich dafür in Lebensgefahr begeben und oft auch mit ihrem Leben bezahlt. Opfer, die nicht gescheut wurden, wir haben den Mond erreicht und sind ins Universum vorgedrungen. Doch die Reisen für jedermann, die sind es nun, die zunehmend in den Fokus der Kritik geraten, weil sie mehr als alles zuvor globalen Schaden anrichten. Reisen, die mit der Demokratie für fast jeden zugänglich wurden und dadurch zum Massenphänomen, wurden damit zu einem Problem.

Reisen ist Selbsterkenntnis. … „Reisen“ – sagt Andreas Altmann „[…] ist natürlich auch eine Reise in das eigene Herz.“ Immer erfährt man etwas über die Welt, über die Menschen und über sich selbst.

„Reisen ist wie Geschenke einsammeln.“ So sagt er. „Wer Glück hat, der geht jeden Tag – überhäuft damit – schlafen.“

„Reisen strengt an. Nie bleiben können, immer Abschied nehmen und Weggehen, das höhlt, das leert das Herz.“

Reisen bildet. Es öffnet uns für fremde Menschen und Kulturen, die wir nicht kennen und verstehen würden, wenn wir ihre Länder und Kontinente nicht bereist und über sie erfahren, gelesen oder Filme gesehen hätten. Es hat uns auch eine neue Empathie gegeben, weil wir erkennen, welche „Zumutungen anderen zugemutet werden“. Es gewährt uns aber auch „Einblicke in die eigenen Abgründe“ und Engstirnigkeiten.

„Reisen“, so sagt er auch „ist Flucht“ vor den „immer gleichen Bewegungen“, dem „gleichen Stumpfsinn des Überlebens“, „ein zweites Leben […] ein anderes, ein für die Plattheit des Alltags unerreichbares.“ Aber was bringt uns dazu, zu flüchten? Eben genau jene Arbeitswelt, der wir unseren Wohlstand einerseits verdanken, die uns aber zunehmend mit ihrem Leistungs- und Wachstumszwang, mit ihrem Drängen nach Überall-von-allem-immer-mehr-und–immer-schneller in zunehmende Unfreiheit und unerträgliche Zwänge stürzt und unser Leben zu Hause oft kein wirkliches Leben mehr sein lässt. Müssen wir also nicht zuerst unser tägliches Leben lebenswert einrichten, statt die Flucht zu ergreifen und dem Reisen damit den ihm gebührenden Stellenwert zuweisen?

Reisen ist ein Wirtschaftsfaktor. Ganze Landstriche, ganze Staaten leben davon, dass Touristen kommen. Wenn sie ausbleiben, ist das „Wirtschaftswachstum“ in Gefahr. Und die wenigsten können sich vorstellen, wie Wirtschaft ohne Wachstum aussehen kann. Das liegt aber nur daran, dass wir nicht gewohnt sind, anders zu denken. Wer in die Geschichte blickt, der weiß, dass all diese Dinge ihre Anfänge haben. Jahrtausende haben Menschen gelebt, ohne eine Ahnung vom Wirtschaftswachstum zu haben. Doch fraglos hat es dazu geführt, dass auch „kleine Leute“ reisen können. Doch genau das gerät jetzt in Gefahr. Mit der Krise, die sich als Weltkrise, als Umweltkrise präsentiert, wird das immer fragwürdiger und es muss zuerst eine „gerechtere“ Verteilung der Güter und des Wohlstandes stattfinden. Auch die Kritik am Reisen wurde erst dadurch möglich, dass wir selbst die Folgen unseres Tuns in anderen Ländern vor Augen haben. Wir haben auch in der Flüchtlingskrise ein Symptom dieser Weltkrise zu sehen, die wir selbst mitverursacht haben. Wenn in diesen Ländern die Lebensumstände unerträglich werden, nehmen die Menschen in ihrer Verzweiflung die lebensbedrohlichen Gefahren einer Flucht auf sich.

Reisen ist nötig. Viele Berufe sind auf Reisen angewiesen. Nachrichten aus aller Welt können uns nur in unabhängiger Form zukommen, wenn eigene Reporter in der Welt unterwegs sind. Firmen produzieren im Ausland, haben Zweigwerke in anderen Ländern eingerichtet. Wir sind gewohnt Produkte von überall her zu bekommen, Waren werden unzählige Male zwischen Kontinenten hin- und hergeschickt, bis sie ihr Endziel erreichen. Wissenschaft lebt vom Austausch: Studien, Spracherwerb und Ausbildungen werden teilweise im Ausland absolviert, um den Horizont zu erweitern, Austausch wird als wesentlicher Ausbildungsteil gesehen. Längst sind Familienmitglieder in alle Himmelsrichtungen verstreut und werden natürlich auch besucht. Die Globalisierung ist nicht umkehrbar. Sie hat uns längst alle erreicht.

Reisen ist Luxus. Im Herbst findet in Nürnberg eine Podiumsdiskussion statt, bei der es um nachhaltiges Reisen und um Qualität beim Reisen gehen soll. Aber was ist das eigentlich? Gibt es nachhaltiges Reisen. Einer der Teilnehmer ist der Meinung, dass es sich um Selbstbetrug handelt, denn Reisen wird nie nachhaltig sein. Das ist richtig, denn sobald Verkehrsmittel benutzt werden, kann davon nicht mehr gesprochen werden. Der Einsatz fossiler Brennstoffe als Energieträger ist nicht nachhaltig und auch die Hotels sind es nicht. Sobald wir nicht Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, schädigen wir die Umwelt. Billigflüge aber gefährden unser Klima im besonderen Maß, weil Flugzeuge ihr Abgas in einer Höhe ausstoßen, die besonders klimarelevant und sensibel ist. Überall, wo in Massen verbraucht wird, entsteht ein Nachhaltigkeitsproblem. Überall, wo Menschenmassen in die Natur vordringen, leidet diese darunter. Überall, wo in Massen konsumiert wird, entstehen auch Schäden durch übermäßigen Ressourcenverbrauch und Müll. Ganz abgesehen davon, dass bei vielen Reisenden nicht einmal das Bewusstsein dafür vorhanden ist.

Das soll aber nicht besagen, dass man nicht die Schäden reduzieren kann, in dem man das umweltfreundlichste Verkehrsmittel wählt und Unterkünfte, die sorgsamer mit Material und Müll umgehen.

Reisen ist zu hinterfragen. Es muss sich gefallen lassen, dass besonders sorgfältig abzuwägen sein wird, ob der Nutzen einer Reise den Ressourcenaufwand und den verursachten Schaden in irgendeiner Weise rechtfertigen kann und auch wie diese zu reduzieren sind und Schäden ausgeglichen werden können.

Kürzlich las ich ein Interview mit dem Protagonisten des Films „Boyhood“, E. Coltrane. Er sagte nun, nach dem Ende des Films wisse er noch nicht, was er werden wolle, denn: „Warum soll ich jetzt ein Leben aufbauen, von dem ich weiß, dass es in zehn Jahren so nicht mehr zu leben ist.“

Der Satz klingt deprimierend, entspricht aber wohl eher einer gewissen Nachdenklichkeit. Coltrane geht vielmehr davon aus, dass unsere Kultur so, wie sie sich derzeit darstellt, ein Auslaufmodell sein wird und sich etwas Neues auftut, „er möchte nicht Teil eines Problems sein, sondern nach Lösungen suchen“. Wir kennen noch nicht die Antworten, aber immerhin die Fragen. „Ich will lernen, ein Mensch zu sein.“ so sagt er.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit gilt seit einiger Zeit als übergeordnete Leitperspektive für alle Schulen in Baden-Württemberg. In Freiburg haben sich viele Aktionsgruppen und NGOs als Pioniere des Wandels bereits in Theorie und Praxis wichtiges Detailwissen zu diesem Thema erarbeitet. Eine Begegnung zwischen diesen „Keimzellen der Demokratie“ und ReferendarInnen bzw. LehrerInnen verspricht daher eine Win-Win-Situation zu werden, wenn außerschulisch erarbeitetes Wissen durch Vermittlung der LehrerIn in den Unterricht eingebaut wird. Kinder und Jugendliche lernen früh, mitgestaltend sich an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

Durch die Mitarbeit des Staatlichen Lehrerseminars bei der Veranstalterin, der AG Bildung im Wandel, werden an dieser Konferenz über 200 LehramtsanwärterInnen teilnehmen.

Am Vormittag werden von Vertretern der Stadt Freiburg und des Ministeriums, der Pädagogischen Hochschule und des Lehrerseminars die Wichtigkeit konkretisiert und Möglichkeiten zur Umsetzbarkeit aufgezeigt. Ein Lehramtsanwärter wird eine Kooperation von Schulalltag mit einem Weltladen an einem gelungenen Beispiel verdeutlichen.

Nach der Mittagspause, in der die Mensa für alle geöffnet ist, sind ab 14 Uhr alle bürgerschaftlich engagierten Gruppen eingeladen, ihre Aktivitäten in einem Workshop oder einer Kurz-Demo vorzustellen. Die Organisatoren von BIW wünschen sich viele Begegnungen, gegenseitige Anregungen und methodisch-didaktischen Austausch zwischen einzelnen Referendaren und nachhaltigkeitsorientierten Gruppen. Mit einer zusammenfassenden Übersicht ab 16.30 endet der Tag um 17.00 Uhr.

Termin:
Freitag, 25. September 2015 – 9:00 bis 17:00
Ort:
Universität Freiburg, KG I, HS 1010
Veranstalter:
Freiburg im Wandel/ AG Bildung im Wandel

Über Schönheit und Konsum

von Petra Stechele

Im Ausland stellte sie fest, dass die Verwandlung von Musik in Lärm ein weltweiter Prozess war, der die Menschheit in die historische Phase der totalen Hässlichkeit eintreten ließ. Die Totalität der Hässlichkeit äußerte sich zunächst als allgegenwärtige akustische Hässlichkeit: Autos, Motorräder, elektrische Gitarren, Pressluftbohrer, Lautsprecher, Sirenen. Die Allgegenwart der visuellen Hässlichkeit würde bald folgen“, sagt Milan Kundera in “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins”. „Ohne es zu wissen, komponiert der Mensch sein Leben nach den Gesetzen der Schönheit, sogar in Momenten tiefster Hoffnungslosigkeit.“

Wahrnehmung ist individuell und unterliegt zeitbedingtem Wandel. Schönheitsideale verändern sich. Globalisierung und „Massenkonsum“ haben eine Welt der „Massen“ entstehen lassen, in der alles auf ein grausiges jämmerliches Mittelmaß nivelliert wird. Da nützt uns auch das Guinness-Buch der noch viel traurigeren Rekorde nichts, die nur beweisen, was Menschen tun, um einmal im Leben “jemand zu sein“. Immer absurder werden die Versuche, denn leicht ist es nicht, sich hervorzutun – und hervortun müssen wir uns.

Wer sich die meisten Reißzwecken durch die Zunge pierct oder einbeinig über Flaschenhälse balancieren kann, fühlt sich als Held, als Held der Flaschenhälse und Reißzwecken. Wir müssen Bungee springen, um unser Herz schlagen zu hören, weil man uns schon Shopping als Abenteuer verkauft. Herausragen aus der Masse! Irgendwie muss es doch möglich werden! Der Konsum wird beständig angekurbelt damit, dass man uns einredet, wenn wir ein Produkt erwerben, dann sind wir ein ganz anderer Mensch, ein viel besserer, ein ganz besonderer. Und wenn wir feststellen, dass es auch diesmal wieder nicht geklappt hat, dann kaufen wir das nächste, fallen auf ein anderes Produkt herein. Diesmal – aber wirklich! – macht es uns schöner, begehrenswerter, erfolgreicher, gefragter, besonders!! Für wie lange?

Das bringt uns die verlorene Schönheit nicht wieder. Architekten betrauern die tristen gleichförmigen Vorstädte, Horte ideenloser Fadheit und Monotonie. Gebäude, die nach 12 Jahren abgerissen werden, billig und hässlich erbaut, nur auf kurzfristigen Nutzen getrimmt, rücken sie uns als Geschwüre im Stadtbild ins Blickfeld. Geschäfte verkommen zu Baracken in Gewerbezentren, ein Shoppingkarree reiht sich an das andere, Konzentrationslager des Konsums. Der fahle leidende Konsument darin hechelnd im Entscheidungszwang, unfreundlich misshandelt von gehetzten Verkäufern, frönt seinem zwanghaften Wahn, fürchtet zu „verhungern“, wenn er nicht sofort wieder „Nahrung“ bekommt, „Food“, das morgen schon „Waste“ ist. Die meist rotgelben, ab und an noch blauen, um Aufmerksamkeit buhlenden Werbeschilder gieren billig billig billig nach uns und lassen uns noch fahler erscheinen. Nuancen verblassen zur Farblosigkeit unter den Knalleffekten und bringen der Ästhetik den raschen Tod auf pinkfarbenen und speigrünen chinesischen Gummitretern, frisch entronnen dem 1Euroshop, der nichts hat, was irgendjemand wirklich bräuchte.

Ferienhaussiedlungen, die ganze Gebirgszüge säumen, Landflächen bedecken, für die Hügel abgetragen wurden, um ihnen Reihenhäuser aufzusetzen, die die meiste Zeit unbewohnt sind. Seen und Flüsse entwässert, um Swimmingpools zu füllen in endlosen Siedlungen von einförmiger Künstlichkeit und Golfplätze zu berieseln. Felder, die folienbedeckt und giftbesprüht sich erstrecken, soweit das Auge reicht, Strände gesäumt von Betongeschwüren.

Megacities, leerstehende Hochhaustürme, Kunstinseln, die sich das Meer zurückholt. Menschen schrumpfen zu Ameisen und Käfern, im Dunkel von U-Bahnschächten bleich und zerknittert in Ölmief und Gestank überhitzter Bremsen, ohne Licht, ohne Sonne, ohne einen Hauch von Luft, außer der Zugluft, die die Ausdünstungen Hunderter hastender Menschen durch die Schächte peitscht. Nichts sehen von der Stadt, von der Welt, bleiche Maden, die irgendwo blinzelnd ans Licht kommen, orientierungslos auftauchen im Abgas der sich stauenden Pkws durch bombastische Regierungs- oder tote Büroviertel.

Orte, Natur, die man früher als schön empfand, werden nun unbetretbar, ohne Gegenwehr zerstört, was einst alle anzog. Tourismus fällt wie Heuschrecken ein, weidet Gebiete ab, den Kahlschlag ästhetischer Vernichtung zurücklassend.

Die Macht der Verführung , die Schwäche der Verführbarkeit weltweit, der kein Volk letztlich widerstand. Weil wir nichts durchschauen, übernehmen wir die Verantwortung für unsere (politischen) Entscheidungen nicht. Wir haben ein fehlgeleitetes Schönheitsideal: Normiertes, Wiederholbares, „Geschöntes“, Monotones erscheint als schön, nicht das Einzigartige, das Besondere. So erzeugen wir Massenkultur und Langeweile – und gieren nach Neuem, immer wieder Neuem. Und doch bleibt es bloß Masse, Massenware. Welch ein Widerspruch! Unser Versuch einzigartig sein zu wollen, erreicht das genaue Gegenteil.

“Lieber flüchten, um der Niedertracht des Alltags zu entkommen, dem Geheul der Wachstumsnarren und ihren penetranten Aufrufen zum Anhäufen von Klimbim. Nie habe ich einen dieser Marktschreier plärren hören: „Lasst euer Hirn anschwellen! Mehrt euren Mut! Werdet tapferer! Verschwendet mehr Liebe! […] Steigert euren Empathie-Quotienten! Vervielfacht eure Sehnsucht nach den – André Gide hat darauf bestanden – émotions fortes, den starken Gefühlen! Ja, denkt mehr! Lest mehr! Spürt mehr!“ Nie gehört. Nur ihren ultimativen Krimskrams wollen sie loswerden, dessen Erwerb die Glücksspanne von fünf Minuten nicht überschreitet.

[…] Wollen wir nicht, wenigstens ab und zu Aristoteles zuhören, der eines blau strahlenden Morgens vor 2400 Jahren auf dem Marktplatz von Athen stand und entzückt ausrief. “Noch nie sah so viele Dinge, die ich nicht brauche!“

Und so schleichen die einen davon, während die Müllmänner und Müllfrauen – all jene eben, die gern Müll shoppen – zurück in ihrem Viel-Tonnen-Haus bleiben vor der Fünf-Tonnen-Garage, der Zwei-Tonnen Blechkuh, ja sie selbst – die unbeweglichen Stubenhocker – schon zur Tonne mutierten: Weil so viel Besitz keinen Auslauf mehr erlaubt, weil er bewacht, umzäunt, diebstahlversichert, alarmknöpfe-vermint, ja abgestaubt, neu gestrichen, frisch geschmiert, vertieft, erweitert, vergrößert werden muss. Damit sie im Kuhdorf Quakenbrück (nur ein Beispiel) jeden Tag um die Wette protzen können: Wer hat am dümmsten seine Lebenszeit vertan? Wer stirbt als Erster an Raffsucht? Wer will der Reichste auf dem Friedhof sein. Wer hat noch immer nicht kapiert, dass hinter Quakenbrück die Welt anfängt?

Die intensive Beschäftigung mit erlesen abgestimmtem Zubehör als Ersatz für ein lauwarmes Herz.

Aber ich fühle, als wäre ich die Erde selbst. Jede Warze Hässlichkeit, jeder Betonklotz, jede Schneise Raffgier in einen Wald, jeder Ruf nach noch mehr Luxus, nach noch mehr Fressen, nach noch mehr Ansprüchen, nach noch mehr „Nie-den Hals-Vollkriegen“ ist ein Schwinger auf mein Herz. Ich verkrafte sie einfach nicht mehr, die Profitganoven, deren Maß aller Dinge einzig ihre Maßlosigkeit ist.

Wie sagte es Karl Lagerfeld kürzlich: „Zu viel darf nicht genug sein.“ ( gesamter Textauszug aus “Gebrauchsanweisung für die Welt” von Andreas Altmann)

Romantischere“ Lebensstile blühen zum Glück als Gegenbewegung auf: Generationenhäuser, Selbstversorgerdörfer, (Künstler-)Wohngemeinschaften, Sharing und Upcycling-Ideen, Nahrungsmittelkooperativen und vieles mehr. Warum nicht hier Einzigartiges leisten? Warum nicht ohne Ausbeutung der Natur, der Welt, kreativ leben, wirklich etwas erleben, etwas erzeugen, etwas kreieren? Warum nicht hier etwas Neues wagen?

Der geschenkte Planet

Nach dem Öl beginnt die Zukunft

der geschenkte planetArmin Reller & Heike Holdinghausen
Westend Verlag 2014, bpb 2015
Frankfurt am Main. 224 Seiten.

Heilung von der Ölsucht

Öl wird teuer und knapp, das steht fest. Doch ist damit das Ende des Ölzeitalters bereits eingeläutet? Und wie kann der Übergang in eine postfossile Welt gelingen? Armin Reller und Heike Holdinghausen zeigen, welche Chancen wir nutzen sollten, damit nach dem Öl die Zukunft beginnen kann.

Erneuerbare Energien aus Wind und Sonne, geschickt an regionale Bedürfnisse angepasst; recycelbare Kunststoffprodukte, die lange genutzt werden; Verfahren, die Kohlenstoff aus Kohlendioxid als Rohstoffbasis nutzen. Welche Wege sollten wir weitergehen? Die Autoren klären in ihrem Buch “Der geschenkte Planet” auf, machen aber auch klar: Technik allein ist niemals nachhaltig, immer kommt es darauf an, wie sie genutzt wird. Unsere Verantwortung für die Erde verlangt von uns, überlegt und bewusst mit den Ressourcen umzugehen. Die Umgestaltung unserer Wirtschaft wird nur gelingen, wenn wir Bürger an Infrastruktur- oder Industrieprojekten beteiligt werden. Bildung und Demokratie sind daher vielleicht die wichtigsten Ressourcen der Rohstoffwende.