Hybris

Die überforderte Gesellschaft

140521_miegel_hybrisMeinhard Miegel
Propyläen 2014, bpb
Berlin. 313 Seiten.

Die exzessive Entwicklung unserer Lebenswelt, die der Bonner Sozial­wissenschaftler Meinhard Miegel eindringlich schildert, überfordert alle: Einzelne und Gruppen, Unter­nehmen, Schulen und Universitäten, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen. Ob entfesselte Finanzmärkte, aus dem Ruder laufende Großprojekte, dysfunktionale Bildungs- und Infrastrukturen, drogenverseuchter Sport oder der tägliche Verkehrskollaps – die Kosten dieser Maßlosigkeit sind enorm, keine Volkswirtschaft kann sie auf Dauer stemmen. Und es sind nicht nur materielle Kosten, sondern zunehmend solche der Lebensqualität und der menschlichen Existenz. Habsucht, Gier und Maßlosigkeit hat es immer gegeben. Aber sie galten als Laster. Heute gelten sie als Tugend. In dieser Hybris liegt der Kern der Krise von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Lösung des Problems ist erprobt und zuverlässig: Es ist die Kunst der Beschränkung – die Rückkehr zu einem menschlichen Maß, das unseren individuellen, gesellschaftlichen und natürlichen Ressourcen entspricht und sie in ein neues Gleichgewicht bringt. Worin diese Kunst besteht, macht Miegel an vielfältigen Beispielen eindrucksvoll deutlich.

In seinem Buch “Hybris” geht der konservative Denker Miegel auch deutlich auf die aktuelle Übernutzung der weltweiten Ressourcen ein und weist darauf hin, dass die gängigen Denkmuster die Zerstörung des Planeten zur Folge haben. Ständiges Wachstum ist in einer begrenzten Welt schlicht nicht möglich. Kein besonders origineller oder neuer Gedanke, aber offensichtlich ist das Problem auch in konservativen Kreisen erkannt. (Stefan)

Besprechungen:

ÖkonomenBlog: Das richtige Maß entdecken.
FAZ: Wir sind doch keine rosa Plüschhasen.
ZeitOnline: Höher! Mehr! Sofort!

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